Was bedeutet sexuelle Dominanz – für mich?

(Hier gibt´s diesen Beitrag auch als Audio Version)
Sommer, Sonne, Séparée In dieser Folge übernimmt Butler Kay das Mikrofon! Er nimmt uns mit hinter die Kulissen eines sommerlichen Femdom-Mädelsabends bei der Commandress. Was als entspannte Abkühlung bei 30 Grad im Schatten geplant war, entwickelt sich schnell zu einer hochelektrostatischen Eigendynamik aus Käfigen, Shibari-Kunst, unglücklichen T-Rex-Armen und unerbittlichem Serviceanspruch. Kay schildert aus seiner ganz eigenen, submissiven Perspektive, wie es aussieht, wenn eine Runde dominanter Damen die Führung übernimmt – und warum man selbst ohne Armfreiheit noch fehlerfrei nachschenken kann. Ein humorvoller, ehrlicher und bildstarker Erfahrungsbericht direkt aus dem Auge des Sturms.
  1. Sommer, Sonne, Separee
  2. Wenn Gleichberechtigung nicht das ist, was wir suchen
  3. Das Wort „Sklave“: Klischee und Realität in BDSM & FLR
  4. Nicht dasselbe: Femdom, FLR und der Unterschied zwischen Bett und Alltag
  5. Schreibaufgaben in der FLR

Ich denke, es fällt oftmals schwer, Dinge – insbesondere emotionale Dinge – aus einer anderen Perspektive als der eigenen zu betrachten. Für mich war es sehr lange ein echtes Mysterium, nachzuvollziehen, was wohl einen devoten oder gar submissiven Menschen antreibt, so zu empfinden, wie er es tut.

Nach all den Jahren, in denen ich mich inzwischen mit dem Thema BDSM und D/s-Beziehungen beschäftige, habe ich eine gewisse Ahnung davon entwickeln können, was es sein könnte. Aber natürlich ist auch das ausgesprochen individuell und vielschichtig.

Deshalb ist es besser, ich rede in diesen Belangen nur von mir und meiner ganz eigenen Gefühlswelt. Da kann ich mit Gewissheit sagen: Das ist meine Wahrheit.

Dominanz als Persönlichkeitsmerkmal

Also: Was ist meine Dominanz – und wie fühlt sie sich an?

Für mich ist sie definitiv ein sehr wichtiger, tragender Teil meiner gesamten Persönlichkeit. Ich weiß sehr genau, was ich will und wie ich es will. Und vor allem: wie nicht. Ich trage ausgesprochen gerne Verantwortung, bin nicht leicht aus der Fassung zu bringen und behalte meist auch in konfusen Situationen den Überblick. Außerdem denke ich gerne für andere mit und stehe zu meinen Entscheidungen.

Gerade im Privaten genieße ich es, den Weg vorzugeben – und liebe es, wenn man mich das vertrauenvoll tun lässt. Man lasse mich entscheiden, und ich bin zufrieden. Ich hadere auch wirklich ausgesprochen selten im Nachhinein mit meinen Entschlüssen. Im Gegenzug fällt es mir allerdings eher schwer, mich damit abzufinden, wenn jemand anderes für mich entscheidet oder über mich bestimmt.

Das ist also insgesamt eigentlich ein ziemlich einfaches Muster.

Das Sexuelle

Auf der sexuellen Ebene nimmt das Ganze dann erst richtig Fahrt auf: Ich würde behaupten, dass Passivität und „den Kopf abschalten“ absolut kontraproduktiv für meine Lust sind. Im Gegenteil: Mein Hirn muss in der Aktion aufgehen, damit Erregung für mich überhaupt so richtig möglich ist. Passives Nichtstun und den Seestern spielen bringt mir so gut wie nichts; es langweilt mich meist bald.

Ein Gegenüber, mit dem ich meine (zugegebenermaßen oft grenzwertig fragwürdigen) Ideen umsetzen kann und bei dem ich das Gefühl habe, dass er es tatsächlich genießt, begeistert mich hingegen schnell und inspiriert mich zu immer mehr. Sobald ich bemerke, welche Auswirkungen meine geflüsterten „Androhungen“ oder meine kleinen kreativen Gemeinheiten auf seinen Geist und seinen Körper haben, triggert das direkt etwas in mir – und in meiner Libido.

Es erregt mich, durch mein aktives Tun einen deutlichen Effekt zu erzielen. Ist dieser durch mich kontrollierbar, nicht aber durch meinen (Spiel-)Partner, ist es für mich perfekt.

Ich glaube, das ist tatsächlich einer meiner Hauptmotivatoren für sexuelle Dominanz: die Übernahme der Kontrolle über seine Erregung. Die Energie, welche dadurch entsteht, kommt direkt zu mir zurück und trifft mich in meinem Innersten.

Es ist, in meinen Augen, ein weitverbreiteter Irrtum, dass Dominanz nur (oder hauptsächlich) Selbstzweck ist. Für mich ist sie eher eine Art gemeinsamer Tanz: Ich brauche definitiv die Resonanz meines Gegenübers, um meine eigene Kraft voll zu spüren. Teilweise kann dies so dermaßen allumfassend befriedigend für mich sein, dass der Gedanke an einen eigenen Orgasmus dabei absolut in den Hintergrund tritt. Und gleichzeitig erhoffe ich mir, dass es ihn ebenso erfüllt, sich führen zu lassen. Denn erst das macht es perfekt.

Das, was sich in solchen Momenten in meinem Kopf und meinem ganzen Körper abspielt, ist um Welten besser.

Fokus und Verbindung

Warum dem so ist, kann ich nicht sagen. Ich habe auch große Freude an „normaler Sexualität“, klar. Aber wenn ein Spiel aus Dominanz und Unterwerfung so richtig losgelöst eskaliert, ist das einfach nicht zu toppen.

Ich finde es selbst spannend, wie dieser Tunnel der Erregung es schafft, vollkommen unproblematisch neben einem absolut klar denkenden Geist zu existieren. Niemals hatte ich bisher das Gefühl, mir würde ein Spiel entgleiten. Im Gegenteil: Ich bin dabei so extrem auf meinen Sub fokussiert, dass ich ihn, seine Emotionen und seine Regungen überdeutlich wahrnehme. Es ist eher die Umgebung, die dabei vollkommen ausgeblendet wird.

An sich bin ich weder ein sonderlich spiritueller noch ein übermäßig sensibler Mensch. Aber wenn ich im BDSM auf jemanden treffe, der es schafft, diese Saite in mir so richtig ins Schwingen zu bringen, ist das eine ganz besondere Art der Connection. Und lustigerweise braucht es dafür gar nicht viel mehr als sein Vertrauen in mich und die Begeisterung dafür, mich einfach machen zu lassen.

Weiterlesen: Gedanken über Dominanz, Femdomsein und Und was macht deine Devotion -mit mir?

Kommentare

  1. Avatar von

    gelungen 🙂

  2. Avatar von

    Wow, die Beschreibung ihrer Dominanz klingt unglaublich schön, wirklich zum dahinschmelzen. Gerade die Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen ist meiner Erfahrung nach ein sehr seltener und sehr attraktiver Charakterzug bei Frauen. Auch der Wunsch die Beziehung und Sexualität aktiv zu gestalten ist sehr positiv aus Sicht eines Mannes und eher selten zu finden.

    Der zentrale Punkt ihrer Dominanz scheint neben einem ausgeprägten Spieltrieb, in Fürsorge und gegenseitiger Achtsamkeit zu bestehen. In der Beschreibung kann ich auch viel Hingabe erkennen. Diese Merkmale finden sich auch bei einem Sub, nur eben in anderer Ausprägung.
    Auf jeden Fall ein ehrlicher und sympathischer Einblick.

    LG KHM

  3. Avatar von Eliz

    Commandress,
    was für eine wunderschöne und treffliche Beschreibung von Dominanz. Gleiches trifft auch auf den nachfolgenden Artikel zur Devotion zu.
    Spielen ist das Eine, was es aber mit denjenigen MACHT, wenn sich Hingabe, Vertrauen und Achtsamkeit, Loslassen und wirken, machen lassen und sich wie eine Welle auftürmt und vielleicht bricht – DAS ist es, was es ausmacht.
    Ein Zauber.

  4. […] letzte Mal habe ich über meine Dominanz geschrieben und wie ich sie für mich erlebe. Es liegt nun also nahe, auch einmal darüber nachzudenken, wie es […]

Bevor du kommentierst: Ich moderiere alle Kommentare nach eigenem Ermessen. Bitte vollständige Kommentarregeln lesen.

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von Die Commandress

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen