Sagt mal, geht das eigentlich nur mir so auf den Sack, dieses klicheehafte Femdombild?
Ich muss sagen, ich finde mich da eigentlich sowas von überhaupt nicht wieder! Ich bin weder blutjunge, sexy Latex-Bitch, noch strenge Obersekretärin mit Wespentaille, und auch keine praktisch veranlagte Mutti mit Kurzhaarschnitt. Versteht mich nicht falsch: ALLE diese Frauen sind absolut großartig und haben vollkommen das Recht auf ihren Style, ihren Spaß und ihrer ganz persönlichen Definition von Sexualität und Erotik. Keine davon ist besser oder schlechter, als irgendwer oder irgendwas anderes. Was ich damit vielmehr so ungeschickt sagen wollte ist, dass es mir im Femdombereich optisch, so wie verhaltensmustertechnisch EINDEUTIG an Vielfalt fehlt. Ich will mehr Richtungen, mehr Gegensätze, mehr Nuancen, mehr Mut zum Abweichenden. Und zwar für uns alle.
Schnürt euch in die krassesten, winzigsten Mieder, oder tragt ein XXL Rugby Pulli. Latscht in den flachesten Ökotretern durchs Leben, balanciert auf schwindelerregenden Plateau Heels, schminkt euch die Lippen rot, blau oder gar nicht. Tragt Dutt, Perücke, Kurzhaarschnitt, Anzug, Röckchen oder bleibt direkt nackt. Rasiert euch die Achselhaare oder lasst es bleiben. Seid groß, klein, dick, dünn, einbeinig, alt, jung, bunt-kariert. Vollkommen egal, was zählt ist nur, dass IHR euch selbst so einigermaßen leiden könnt und euch wohl fühlt! Scheißt auf die optischen Ansprüche, die irgendwer denkt, an euch richten zu dürfen.
Ihr müsst mit eurem Aussehen niemandens Fetischfantasien bedienen. Klar, ihr könnt, wenn ihr wollt – solange ich selbst Freude daran habt.
Und auch unser Verhalten und unsere Vorlieben sind genauso individuell, wie wir selber. Eine Femdom muss gar nix, auch nicht arrogant oder mies gelaunt sein, nicht aggressiv sein oder schreien, nicht verächtlich oder brutal. Und genauso wenig elegant, glitzernd oder anmutig.
Es ist absolut egal, welchen Beruf ihr ausübt – ob ihr gut verdient, oder nicht. FLR Paare sind nicht allesamt Gräfin und Gentleman, sondern auch die toughe Putzfrau mit ihrem treuen Mann. Denn egal ob Waldorflehrerin, Schreinerin, Sozialarbeiterin, Professorin, Berufssoldatin oder Busfahrerin, wir alle können Femdom sein, wenn wir es fühlen.
So ziemlich die wichtigste Erkenntnis diesbezüglich war für mich bisher:
Versuche nicht, irgendetwas für andere zu sein und zu gefallen. Du wirst dich vollkommen unnötig verbiegen und unter die Räder kommen. Sei offen du selbst, dann finden die paar Menschen, die wirklich zu dir passen, um so leichter den Weg an deine Seite.
Wenn ich darüber nachdenke, wie angestrengt ich die erste Zeit über versucht habe, dem Femdombild zu entsprechen, das ich als „richtig“ angenommen hatte – gruselig. Was ein unnötiger Stress.
Fakt ist: in Latex fühle ich mich wie eine Presswurst, in Leder wie eine Couch aus den Achtzigern. Ich bin weder zwanzig, noch untergewichtig, und meine Brüste erinnern definitiv niemanden an Wassermelonen. Ich trage zum Ausgehen sehr gerne Korsagen, feminine Kleider und ausgefallene Mörderschuhe. Das finde ich schön. Aber der meiste Fetischkram schmeichelt meinem Typ eher nicht, deswegen lasse ich das weg.
Im Alltag bin ich genauso gerne im Hippiekleid mit flachen Sandalen unterwegs, wie mit Cargohose und Boots. Weil ich mich so wohl fühle.
Ich zocke begeistert Shooter und wühle mich durch den Garten. Ich bin Mutter, Spielkind, Leseratte und berufstätig.
Meine Dominanz ist vollkommen unabhängig von meinem Kleidungsstil, meinen Hobbies oder meiner Körperform. Und wenn man mich das erste Mal trifft, nimmt man mich als herzlich, aufgeschlossen und sehr freundlich wahr. Zumindest wird mir das immer wieder so attestiert.
Das Eigentum hatte nach unserer ersten Begegnung anscheinend sogar Zweifel, ob ich nicht doch viel zu nett sei, als dass ich ernsthaft dominant sein könne. Diese Sorge hat er inzwischen wohl nicht mehr.
Mädels, wir müssen niemandem etwas beweisen. Wir müssen kein Abziehbild von irgendwas sein oder fremde Erwartungen erfüllen. Wir sind einfach nur wir. Zum Glück!

Kommentare
Ja das ist wahr, niemand ob Femdom oder Dom muss optisch in das Klischeebild passen. Weil nicht die Optik macht Dominanz. Ich bin ein Maledom, nicht klassisch, keine Tattoos, keine Piercings, ich laufe am liebsten mit Bluejeans und T Shirt rum, kann mich aber auch mit Anzug und Hemd in Dchale werfen.
Danke für den Pusch.
Gruß Ron
Sehr gut beschrieben, genauso sehe ich das auch !
Liebste Commandress!
Leider gelingt es nur wenigen Femdoms sich von den an sie herangetragenen Erwartungen zu befreien.
Als Maledom habe ich es leicht. Femsub gibt nicht allzu viel vor, ist anpassungsfähig und orientiert sich gerne an den Vorgaben des Maledoms.
Kurzum: Meine Anweisungen werden umgesetzt.
Und Frau setzt gerne um. Weil sie dienlich sein möchte. Mit oder ohne Orgasmus ist erst einmal egal. Das Glück nicht weniger Femsubs liegt in der Dienstbarkeit.
Femdom hingegen trifft auf einen untervögelten Malesub mit riesiger Wunschliste, die es möglichst minutiös abzuarbeiten gilt. Dazu gehört natürlich auch ein erhebliches Outfit-Kopfkino.
Der notgeile Mann kommt wie ein Wurm unter dem Teppich auf die Femdom zugekrochen und schwört beim Leben seiner Kinder, dass er ach so folgsam sein wird, ach so hart bestraft werden kann, ach so, …..
Doch dann kommt der männliche Orgasmus und die Malesub Welt ändert sich um 180 Grad. Nix mehr krasse Devotion, nichts mehr Wurm.
Bis der Druck nach drei Wochen wieder groß genug wird und Malesub schon mal schaut, wo er denn den Teppich anlupfen kann.
Als Maledom habe ich wirklich viele Gespräche mit Femdoms geführt. Und ausnahmslos Alle beklagten die an sie herangetragenen Erwartungshaltungen der Malesubs. Etwas, was es bei wirklich devoten Frauen nicht gibt.
Gleichzeitig entsprachen nahezu alle Femdoms nicht nur den angetragenen Individualerwartungen, sondern vielmehr dem Rollenklischee.
Es ist faszinierend zu beobachten, dass nicht nur die Malesubs die Wurm-Teppich Nummer nicht reflektieren, sondern auch, wie viele Femdoms ihr rollenkonformes Dienstleistungsverhalten nicht wirklich erkennen.
Im Kern dreht es sich immer um die Wünsche und Erwartungen der Männer. Die Männer haben Wünsche und die Frauen sind angehalten diese zu erfüllen. Auf der Maledom Seite sowieso, jedoch auch auf der Malesub Seite.
Die wenigsten Femdoms sind sich dieser Situation bewusst und lassen die „gesellschaftlichen“ Konventionserwartungen hinter sich.
Um so schöner ist es zu sehen, wenn hier denn eine Frau berichtet, die offensichtlich ihren eigenen Weg geht.
So und jetzt warte ich auf den obligaten Einwand, dass man das ja nicht verallgemeinern und es gelte doch individuell, bla bla bla.
Bzw. an die Leserschaft gerichtet:
„Jeder bitte nur einen Stein! Es sind genug Steine vorhanden. Jeder bitte nur einen Stein!“