Schreibaufgaben in der FLR

Warum ich den Sub schreiben lasse

(Hier findest du die Audioversion, falls du lieber hörst, als liest)

Die unsichtbaren Linien: Warum wir über Grenzen sprechen müssen – Commandress – FLR, Femdom und Beziehung

Wer über Machtgefälle in BDSM oder Femdom spricht, redet meistens über die Grenzen des Subs: Safewords, Tabus, der Schutz desjenigen, der Kontrolle abgibt. Doch was ist mit der führenden Frau? In dieser Episode brechen wir ein hartnäckiges Tabu: Die unsichtbaren Grenzen der Domme. Warum wird Stärke so oft mit Unverletzlichkeit verwechselt? Warum ist eine FLR kein Dominabesuch und eine führende Frau kein „kinky Roboter“ auf Knopfdruck? Wir beleuchten die drei kritischen Grenzen der führenden Frau – von der Therapeutinnen-Falle bis zum Topping from the Bottom – und zeigen, warum auch der folgende Mann klare Alltagsgrenzen braucht. Eine Folge über echte Augenhöhe in der Asymmetrie.
  1. Die unsichtbaren Linien: Warum wir über Grenzen sprechen müssen
  2. Nähe auf Distanz: Rituale als Fundament einer Fern-FLR
  3. Sommer, Sonne, Separee
  4. Wenn Gleichberechtigung nicht das ist, was wir suchen
  5. Das Wort „Sklave“: Klischee und Realität in BDSM & FLR

Habe ich einen festen Sub, so lasse ich ihn eigentlich andauernd irgendwas schreiben: Antworten auf komplexe Fragen, Berichte, Beichten, Tagebucheinträge, Wünsche.

Warum? Weil ich es mag, seine Gedanken so deutlich präsentiert zu bekommen. Außerdem ist es unkompliziert ein guter Weg, ihn nicht mit dem üblichen „eigentlich ganz okay“ davonkommen zu lassen, wenn mich etwas wirklich interessiert.
Auf jeden Fall tut es unserer Dynamik gut, wenn wir uns so miteinander auseinandersetzen. Denn ich lese natürlich auch sehr aufmerksam, was er da schreibt – es ist mir wichtig.

Man kann so vieles aus einem ausformulierten, schriftlichen Text entnehmen: Fakten, aber auch unterschwellige Gefühle und Nachgedanken. Und ihm gibt es die Möglichkeit, sich mir ganz offen zu zeigen, sich die Zeit zu nehmen, die er eben braucht, um sich zu sortieren und über eventuelle Hürden zu klettern.

Der Weg in seinen Kopf

Je mehr er schreibt und je ernster er diese Aufgabe nimmt, desto besser schaffe ich es in seinen Kopf. Und da gehöre ich nun mal als Herrin auch hin.
Es ist genau das, was eine D/s-Verbindung so unglaublich intim macht und uns beidseitig diese ganz besondere Verbundenheit fühlen lässt.

Sehr häufig hat es mich schon überrascht, wie unterschiedlich wir bestimmte Situationen wahrgenommen haben. Oder wie intensiv und wichtig etwas vielleicht für ihn war, das für mich eher eine absolute Nebenszene darstellte. Auch kann er mich so unkompliziert auf Schwierigkeiten aufmerksam machen, die ich gar nicht auf dem Schirm hatte. Ich kann manche Erlebnisse somit ein bisschen durch seine Augen nacherleben und seine Sichtweise besser verstehen.

Führung bedeutet auch, unbequeme Wahrheiten zu hören

Und ja: Selbstverständlich kommt es dabei auch mal vor, dass ich etwas zu lesen bekomme, das mich überrascht oder mir sogar missfällt. Das ist vollkommen in Ordnung und letztendlich sogar sehr wertvoll für mich. Denn auch wenn mich Kritik eventuell mal fordert, ist sie doch eine Antwort, die ich haben wollte. Und die werde ich ganz sicher nicht leichtfertig ignorieren, sondern ernst nehmen und in meine Entscheidungen miteinbeziehen.
Seine Texte helfen mir, Entscheidungen bewusster und passender für uns beide zu treffen.

Selbstverständlich habe auch ich keine hellseherischen Fähigkeiten. Ich muss und möchte mich darauf verlassen, dass der Sub ehrlich zu mir ist, ebenso wie er sich sicher sein kann, dass ich seine Antworten nicht gegen ihn verwende.
Beidseitiger Respekt und absolute Ehrlichkeit sind aber ohnehin die Basis solch eines intensiven Beziehungsmodells.

Viele stellen sich eine FLR so vor, als müsste die Femdom immer alles wissen und jederzeit die richtige Entscheidung treffen.
Ich sehe das anders.
Gute Führung entsteht für mich nicht dadurch, dass ich Gedanken lesen kann, sondern dadurch, dass wir offen miteinander kommunizieren. Je ehrlicher ich weiß, was in ihm vorgeht, desto besser kann ich Entscheidungen treffen, die zu uns und unserer Dynamik passen.

Zudem ist seine Texte zu lesen, für mich ein tiefer Moment der Wertschätzung: Ich fühle mich wahrgenommen, wenn ich sehe, wie viel Mühe er sich für mich gibt. Das ist wundervoll.
Manchmal erregt es mich auch noch einmal zu lesen, was wir miteinander getan und erlebt haben – und wie es sich für ihn anfühlte.

Schreibaufgaben sind Maßarbeit

Jede Aufgabe ist dabei Maßarbeit. Ich vergebe meine Fragen nicht wahllos oder beliebig, sondern mache mir vorher selbst intensiv Gedanken – und habe auf jeden Fall meine Gründe, warum ich nun genau dies von ihm lesen möchte.

Für jemanden zu schreiben, ist am Ende ein bisschen wie für jemanden zu kochen: Es erfordert Planung. Je besser man den anderen kennt, desto treffender ist das Ergebnis – und für beide, Koch und Bekochten, ist es ein wunderbares Gefühl, wenn’s schmeckt.



Ein paar Ideen für Schreibaufgaben

Jedes Paar ist anders, deshalb gibt es natürlich keine allgemeingültigen Fragen. Vielleicht dienen euch diese Beispiele als Inspiration, abseits von Tagebüchern, Regelwerken oder Sessionberichten:

  • Welche Situation mit mir ist dir diese Woche besonders im Gedächtnis geblieben – und warum?
  • Gab es einen Moment, in dem du unsicher warst oder gezögert hast?
  • Was habe ich getan, das dir besonders gutgetan hat?
  • Gibt es etwas, das du mir schon länger sagen möchtest, im Gespräch aber noch nie ausgesprochen hast?
  • Worauf bist du im Moment besonders stolz?
  • Welche Eigenschaft an mir fordert dich am meisten – und weshalb?
  • Welche Aufgabe hat dich in letzter Zeit am meisten weitergebracht?


Weiterlesen: Der Mental Load muss weg! und Gegen das Micromanagment in der FLR.

Kommentare

  1. Avatar von Schreibhilfe

    Da bleibt aus persönlicher Erfahrung nur: Zustimmung!

    Der Vergleich mit dem Koch und „umso besser komme ich in seinen Kopf, und da gehöre ich als Herrin hin“ trifft es wirklich gut.

    Der Fokus den Wunsch nach schriftlicher Antwort zu erfüllen, die Zeit die man investieren darf, das sich geistig nackig machen und häufig auch spannende Selbsterkenntnisse („Suberkenntnis“ ?) führen dazu, dass mit jeder Schreibaufgabe und dem asymmetrischen Wissenszuwachs sich ein gefühltes Machtgefälle aufbaut – und wer könnte denn das nicht wollen 🙂

    1. Avatar von Anouk

      Asymetrischer Wissenszuwachs? Ich habe das eher so verstanden, dass auch die Commandress offen auf ihren Sub zugeht und wenig Interesse an einer unnahbaren Göttin hegt, oder? Vielleicht ein bisschen? 🙂

      1. Avatar von Schreibhilfe

        Die Auswertung/das offen auf den Sub zugehen ist bestimmt der richtige Weg als dominanter Part, der mit der Methode der Verschriftlichung arbeitet. Dennoch bestimmt ja die Führung hier jeweils den Grad, das Tempo, das Timing usw…

        Hätte ich als Sub das Gefühl, dass mit meiner Offenheit nicht vertrauensvoll umgegangen würde, würde ich die Gedanken nicht im selben Maß teilen wollen. Das selbe gilt ja irgendwie für alle anderen „Spiele“ ebenso.

        Ich orientiere mich hier an: wer fragt der führt und bin – Vertrauen vorausgesetzt – hier wirklich bereit offen zu sein. Und das resultiert eben – für mich – in einem Gefühl der Asymmetrie, and I like it 🙂

    2. Avatar von PM

      Hm, nicht wollen könnte das jemand, der auf *beiderseitige* Offenheit Wert legt, so wie ich.

      1. Avatar von Nk

        Mein Partner hat früher immer viele Berichte von mir gewollt und ich hab die ihm auch immer gern und sehr gewissenhaft angefertigt. Also sowohl übers Spiel als auch zu sonstigen Gefühlen, Themen etc. Er hat aus diesem berichten sehr viel gezogen und sie haben ihn viel bedeutet und es hat ihm viel dabei geholfen zu verstehen wo ich gerade bin. Aktuell ist die Arbeit gerade für uns beide sehr zeitintensiv und auch einfach stressig. Wir vögeln und spielen Grad aktuell techt viel zum Ausgleich. Das klappt immerhin zum glück sehe hervorragend 🙂 aber da jetzt immer lange berichte zu schreiben ist einfach absolut nicht drin. Wir reden zwar auch immer kurz drüber wenn was ist. Aber man merkt dass die tiefe einfach so nicht drin ist und man sich schon etwas entfernt (das Wort ist zu krass aber eher so wie du gesagt hast er ist nicht so in meinem Kopf). Ist ja logisch wenn man nicht mehr im Detail seine ganzen Gedanken kleinkariert mitteilt. Und ich merke auch dass ich selber viel weniger meine Gedanken sortiere. Naja es werden hoffentlich wieder andere Zeiten kommen, indenen wie mehr Zeit haben für solche Sachen. Immerhin nehmen wir das beide gerade gleich wahr. Also sowohl dass die Zeit fehlt als auch dass uns das wirklich fehlt.

  2. Avatar von Anouk

    Ich gestehe, als Sub empfinde ich Schreibaufgaben eher lästig, grade wenn der Wunsch auf dem Schreiben mit der Hand liegt. (mir missfällt die meine)

    Andererseits verstehe ich durchaus den Sinn dahinter und den Mehrwert für den dominanten Part. Somit versuche ich solche Aufgaben sehr gewissenhaft zu erledigen, das heißt: ich bin sehr froh, wenn es vorbei ist und dennoch schreibe ich dann meist Romane bzw. werde ewig nicht fertig.

    1. Avatar von PM

      Ja, das sehe ich als Sub auch so. Das ist nicht so mein Ding, fühlt sich irgendwie nach einseitiger Beziehungspflege an. Ich denke dafür ist die KI gut geeignet, dann ist man diese lästige Aufgabe schnell los 🙂

      1. Avatar von Anouk

        Das merkt Top aber schnell und dann bist du richtig am A. Ich würde das auch als Unhöflichkeit empfinden dafür KI zu verwenden. Dann lieber mosern und jammern, aber selber machen und denken.

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