Warum ich den Sub schreiben lasse
(Hier findest du die Audioversion, falls du lieber hörst, als liest)
Die unsichtbaren Linien: Warum wir über Grenzen sprechen müssen – Commandress – FLR, Femdom und Beziehung
Habe ich einen festen Sub, so lasse ich ihn eigentlich andauernd irgendwas schreiben: Antworten auf komplexe Fragen, Berichte, Beichten, Tagebucheinträge, Wünsche.
Warum? Weil ich es mag, seine Gedanken so deutlich präsentiert zu bekommen. Außerdem ist es unkompliziert ein guter Weg, ihn nicht mit dem üblichen „eigentlich ganz okay“ davonkommen zu lassen, wenn mich etwas wirklich interessiert.
Auf jeden Fall tut es unserer Dynamik gut, wenn wir uns so miteinander auseinandersetzen. Denn ich lese natürlich auch sehr aufmerksam, was er da schreibt – es ist mir wichtig.
Man kann so vieles aus einem ausformulierten, schriftlichen Text entnehmen: Fakten, aber auch unterschwellige Gefühle und Nachgedanken. Und ihm gibt es die Möglichkeit, sich mir ganz offen zu zeigen, sich die Zeit zu nehmen, die er eben braucht, um sich zu sortieren und über eventuelle Hürden zu klettern.
Der Weg in seinen Kopf
Je mehr er schreibt und je ernster er diese Aufgabe nimmt, desto besser schaffe ich es in seinen Kopf. Und da gehöre ich nun mal als Herrin auch hin.
Es ist genau das, was eine D/s-Verbindung so unglaublich intim macht und uns beidseitig diese ganz besondere Verbundenheit fühlen lässt.
Sehr häufig hat es mich schon überrascht, wie unterschiedlich wir bestimmte Situationen wahrgenommen haben. Oder wie intensiv und wichtig etwas vielleicht für ihn war, das für mich eher eine absolute Nebenszene darstellte. Auch kann er mich so unkompliziert auf Schwierigkeiten aufmerksam machen, die ich gar nicht auf dem Schirm hatte. Ich kann manche Erlebnisse somit ein bisschen durch seine Augen nacherleben und seine Sichtweise besser verstehen.
Führung bedeutet auch, unbequeme Wahrheiten zu hören
Und ja: Selbstverständlich kommt es dabei auch mal vor, dass ich etwas zu lesen bekomme, das mich überrascht oder mir sogar missfällt. Das ist vollkommen in Ordnung und letztendlich sogar sehr wertvoll für mich. Denn auch wenn mich Kritik eventuell mal fordert, ist sie doch eine Antwort, die ich haben wollte. Und die werde ich ganz sicher nicht leichtfertig ignorieren, sondern ernst nehmen und in meine Entscheidungen miteinbeziehen.
Seine Texte helfen mir, Entscheidungen bewusster und passender für uns beide zu treffen.
Selbstverständlich habe auch ich keine hellseherischen Fähigkeiten. Ich muss und möchte mich darauf verlassen, dass der Sub ehrlich zu mir ist, ebenso wie er sich sicher sein kann, dass ich seine Antworten nicht gegen ihn verwende.
Beidseitiger Respekt und absolute Ehrlichkeit sind aber ohnehin die Basis solch eines intensiven Beziehungsmodells.
Viele stellen sich eine FLR so vor, als müsste die Femdom immer alles wissen und jederzeit die richtige Entscheidung treffen.
Ich sehe das anders.
Gute Führung entsteht für mich nicht dadurch, dass ich Gedanken lesen kann, sondern dadurch, dass wir offen miteinander kommunizieren. Je ehrlicher ich weiß, was in ihm vorgeht, desto besser kann ich Entscheidungen treffen, die zu uns und unserer Dynamik passen.
Zudem ist seine Texte zu lesen, für mich ein tiefer Moment der Wertschätzung: Ich fühle mich wahrgenommen, wenn ich sehe, wie viel Mühe er sich für mich gibt. Das ist wundervoll.
Manchmal erregt es mich auch noch einmal zu lesen, was wir miteinander getan und erlebt haben – und wie es sich für ihn anfühlte.
Schreibaufgaben sind Maßarbeit
Jede Aufgabe ist dabei Maßarbeit. Ich vergebe meine Fragen nicht wahllos oder beliebig, sondern mache mir vorher selbst intensiv Gedanken – und habe auf jeden Fall meine Gründe, warum ich nun genau dies von ihm lesen möchte.
Für jemanden zu schreiben, ist am Ende ein bisschen wie für jemanden zu kochen: Es erfordert Planung. Je besser man den anderen kennt, desto treffender ist das Ergebnis – und für beide, Koch und Bekochten, ist es ein wunderbares Gefühl, wenn’s schmeckt.
Ein paar Ideen für Schreibaufgaben
Jedes Paar ist anders, deshalb gibt es natürlich keine allgemeingültigen Fragen. Vielleicht dienen euch diese Beispiele als Inspiration, abseits von Tagebüchern, Regelwerken oder Sessionberichten:
- Welche Situation mit mir ist dir diese Woche besonders im Gedächtnis geblieben – und warum?
- Gab es einen Moment, in dem du unsicher warst oder gezögert hast?
- Was habe ich getan, das dir besonders gutgetan hat?
- Gibt es etwas, das du mir schon länger sagen möchtest, im Gespräch aber noch nie ausgesprochen hast?
- Worauf bist du im Moment besonders stolz?
- Welche Eigenschaft an mir fordert dich am meisten – und weshalb?
- Welche Aufgabe hat dich in letzter Zeit am meisten weitergebracht?
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