Gegen das Micromanagment in der FLR

Was viele devote Menschen dazu motiviert, eine Beziehung mit klarem Machtgefälle einzugehen, ist – so wird mir immer wieder bestätigt – die Hoffnung, den eigenen Mental Load zu reduzieren. Es ist die Sehnsucht, der Überforderung oder zumindest der Überdrüssigkeit gegenüber den allgegenwärtigen, alltäglichen Entscheidungen zu entfliehen.

Daher rührt wohl auch das meiner Meinung nach stark überstrapazierte Klischee des „Entscheidungsträgers im Beruf und Subs im Bett“.

Es spricht überhaupt nichts dagegen, Verantwortung an jemanden abzugeben, der diese gerne tragen möchte. Problematisch wird es erst, wenn das Ziel darin besteht, die gesamte Entscheidungslast einfach auf die Partnerin zu „dumpen“ und ihr damit das komplette, umfangreiche Micromanagement des Alltags aufzuhalsen.

Führung braucht keine Details

Das muss so nicht laufen. Ich kann nämlich sehr gut führen, ohne mich in organisatorischen Details zu verlieren. Micromanagement ist – insbesondere auf lange Sicht – das Gegenteil von Souveränität. Ich bin weder eine Mutter noch eine Pflegekraft.

Wenn ich sage, dass ich einen sauberen Boden wünsche, muss ich nicht ansagen, wie mein Sub dieses Ziel erreicht. Ich erwarte einfach, dass die Dielen glänzen – ja, auch in den Ecken. Ich möchte mich nicht in der Bringschuld wiederfinden, Eimer und Mopp zu organisieren oder Putzmittelmischungen und Wassertemperaturen vorzugeben. Ich habe einen erwachsenen, kompetenten und lebensfähigen Menschen an meiner Seite, kein ratloses Kleinkind. Falls er nicht weiß, wie eine Aufgabe zu meistern ist, ist er durchaus in der Lage, selbst Antworten und Lösungen zu finden.

Und ja, das Beispiel mit dem Boden ist natürlich flach und extra simpel. Aber ihr wisst, was ich meine.

Vertrauen als Machtdemonstration

Ich delegiere und lasse los, denn ich habe Vertrauen: Vertrauen in meinen Sub und Vertrauen in meine Autorität. Das ist kein „nettes Extra“, sondern eine solide Machtdemonstration.

Wir müssen uns nicht damit aufreiben, Drill-Kindergarten zu spielen; das Leben ist auch so schon anstrengend genug. Würde ich jede Kleinigkeit ansagen, verfolgen und kontrollieren müssen, wären wir schnell an einem Punkt, an dem die Dynamik keinem von uns mehr Freude macht.

Hätte ich als dominante Frau seinen Mental Load einfach nur übernommen, hätte ich lediglich das „Selbermachen“ gegen das Planen, Organisieren, Vorbereiten, Überwachen und Kritisieren eingetauscht.

Ich wäre somit die selbsternannte Sklavin der Logistik. Irgendwann wäre ich so sehr mit dem Überprüfen von Einkaufslisten beschäftigt, dass ich die mentale Freiheit verlöre, meine Dominanz überhaupt noch zu genießen.

Für den Mann ist das reine Ausführen von Befehlen oft der einfachere Weg – er muss nicht denken. Wenn ich aber die Details loslasse, zwinge ich ihn in eine echte, aktive Hingabe. Dadurch, dass er seine Aufmerksamkeit voll auf mich richten und tatsächlich mitdenken muss, erfährt er ein viel tieferes Gefühl von Erfüllung, als wenn er nur wie ein Roboter eine Liste abarbeiten würde.

Vielleicht ist die ultimative Form der Dominanz tatsächlich nicht, alles minutiös im Griff zu haben. Vielleicht bedeutet wahre Macht, so souverän zu sein, dass man es sich leisten kann, die Zügel locker zu lassen – im vollen Wissen, dass der Sub alles tun wird, um den Standard zu halten und seine Femdom zufriedenzustellen.

Das macht uns beide glücklich und setzt bei mir Kapazitäten für deutlich Spannenderes frei als für schnöde Putzpläne.


Um zu verdeutlichen was ich meine, möchte ich gerne zu einer spannenden „7-Tage-No-Instruction-Challenge“ aufrufen:

Eine Woche lang gibt Femdom keine einzige Detail-Anweisung zum Alltag. Sie definiert am Anfang der Woche nur drei große Ziele (z.B. „Ich möchte mich diese Woche um kein einziges Abendessen kümmern“).

Sie beobachtet, wie er reagiert. Wird er nervös? Fängt er an, proaktiv zu denken? Oder scheitert er glorreich?

Am Ende setzt ihr euch als Paar zusammen und sprecht offen darüber, wie sich das für euch angefühlt und was es mit euch gemacht hat.

Und lasst danach gerne eure Erfahrungen als Kommentar hier!

Passend zum Thema Delegieren: Der Mental Load muss weg! und Schreibaufgaben in der FLR.

Mehr zu Führung im Alltag und den weiteren Säulen einer stabilen FLR findest du auf meiner Seite Alles zur FLR.

Kommentare

  1. Avatar von

    Ganz herzlichen Dank für Ihren sehr wertvollen Beitrag, sehr verehrte Madame Commandress.
    Ich kann Ihnen nur vollkommen ,als subversiver Mann, zustimmen.
    Mein bestreben ist doch meine Herrin zu umsorgen, für Sie da zu sein.
    Es ist doch meine Aufgabe , als Sklave, dafür zu sorgen dass Sie sich wohl und zufrieden fühlt.
    Sonst wäre ich ja der Button, der seine Herrin zu seiner Erfüllungsgehilfin seiner Phantasien führt, oder.
    Sklave sein heißt doch nicht sein Hirn abzugeben, sondern es einzusetzen.
    Ganz klar habe auch ich ,wie jeder andere auch, seine Phantasien, Kink`s und Wünsche .
    Wenn Sie im Vorfeld gut miteinander thematisiert und besprochen wurden, dann können Sie doch auch ohne Rollenverschiebungen aus- und erlebt werden.
    Herzliche Grüße
    Ihr
    Peter

  2. Avatar von S_C

    Uhhh… herausfordernd. Ich habs schon gern, wenn es gemacht wird, wie ich es möchte. Ich erinnere mich an den Tag, als ein Freund meinen Garten ‚in Ordnung‘ brachte — nach seinen Maßstäben. Als ich nach Hause kam, blickte ich auf einen nie da gewesenen Kahlschlag. 😂 Wenn mein Geschirrtuch zum Spülepolieren genommen wird, find ich das auch nicht optimal. Nudeln, die im offenen Topf gekocht werden… Armaturen, die nach dem Händewaschen im Wasser schwimmen… Männer sind in vielen Belangen Grobmotoriker und benötigen beim Feintuning einfach Hilfestellung. Habs noch nie anders erlebt.

    Also ja, es nervt mich auch. Aber um detaillierte Anweisungen komm ich nicht drum rum. 😉

    1. Avatar von Commandress

      Hm, spannend! Meinst du, dass er das bei seiner Arbeit und seinem Chef auch so macht? Also, dass er da die Kaffeeküche oder die Bürotoilette unter Wasser setzt und einfach geht? Ein halbes Nuttellabrot auf der Tastatur liegen lässt, nur die Hälfte der E-Mails beantwortet oder Maschinen mit leerem Akku zurück ins Lager gibt?
      Ich habe nämlich ganz stark den Verdacht, dass dieses Verhalten meist nur zuhause auftritt – und eine gewisse Interaktion mit uns provozieren soll.

    2. Avatar von

      Schade dass FemDoms gerne in die üblichen sexistischen Klischees abrutschen so wie „Männer sind Grobmotoriker“, Männer können nicht über Gefühle reden, Männer sind alles Schuld etc. Sind so wie die Macho-Sprüche von Opa aus den 60ern, nur eben jetzt umgekehrt, Respekt sieht anders aus.

      1. Avatar von Commandress

        Nee, das hast du falsch verstanden, lieber anonymer Leser.
        Wir sagen, dass viele Männer durchaus *können* – und das große Problem am nicht *Wollen* hängt. Das ist eine ganz andere Ausgabssituation.

        Männer die „nicht über Gefühle reden können“ haben das eventuell nie gelernt, klar. Aber sie haben sich dann eben auch niemals die Mühe gemacht, selbst ernsthaft herauszufinden wie es gehen könnte. Schaffen sie mit anderen Themen (auch komplexen, wie der Börse) meist sehr gut und ausdauernd.

        Und ja, wenn ich mir die Probleme dieser Welt ganz nüchtern so ansehe, egal ob Wirtschaft, Kriege, Umwelt oder anderes Leid, nehme ich da tatsächlich einen nicht geringen Schuldanteil bei den Männern wahr.
        Aber ich finde es absolut *prima*, dass du offensichtlich dafür kämpfst, dass alles anders wird und du dir unseren Respekt verdienst.

  3. Avatar von

    Ok, also sind Männer unwillig / bockig, sie wollen ja scheinbar die Frau ärgern und müssen von dieser erst erzogen werden? Außerdem geben sie sich keine Mühe über Gefühle zu reden, auch wenn sie darunter leiden und das gesellschaftlich bestraft wird (Stichwort „Bedürftigkeit“, „Starke Schulter zum Ausweinen“), sind also selbst Schuld dass sie nicht über Gefühle reden (Victim Blaming). Klingt für mich irgendwie nach Sexismus (analog „Frauen sind selbst Schuld das sie nicht in die Führungsetage kommen, sie könnten sich ja mehr Mühe geben“). Und was die 99,999% der Männer, die nichts mit Krieg zu tun haben für eine Schuld daran haben sollen verstehe ich auch nicht (Kollektivschuld?!). Ich bin jedenfalls froh, eine FemDom Partnerin zu haben, die empathisch ist, sich für gegenseitige Weiterentwicklung und Beziehungspflege interessiert und nicht Aufwertung darüber bezieht, Männer pauschal klein zu machen, sie als defizitär, emotional degeneriert, pauschal gewalttätig, Grobmotoriker oder ähnliches zu entwürdigen. Warum diese FemDoms dann mit den so minderwertigen Männern überhaupt zusammen kommen ist mir ein Rätsel, wieso daten sie dann nicht Frauen?

    1. Avatar von Commandress

      Aaawww… Die kleinste Geige der Welt…!

  4. Avatar von Frank Klaum

    Guten Tag, mein Ziel ist es auch in einer FLR Beziehung zu leben. Ich bin zur Zeit seit ca ½Jahr mit meiner Lady. Leider führen wir zur Zeit eine Fernbeziehung. Die es uns in der Woche schwer macht um zu sehen. Wir beide tragen noch eigene „Altlasten mit uns rum die wir während der Woche bearbeiten müssen.. Pflegeheim der Eltern, Haus umbauen, sie ist zwischenzeitlich an ihrem Wohnort umgezogen. Ein Todesfall, das alltägliche leben halt..

    Wenn ich hier von Paaren lese, dann lese ich von Paaren die schon länger zusammen leben und einen normalen Alltag hatten bevor sie ihre FLR Beziehung gestartet haben.

    Gibt es ein Rezept wie man diese beiden total verschiedenen Welten zusammen bringen kann. Auch gerade in Hinblick auf die unterschiedlichen Ansichten bzw. Ausführungs wünsche und der geleisteten arbeit. Ich denke schon das ich mir Mühe gebe um meine Lady nach bestem Wissen zu versorgen und zu unterstützen. Aber zuvor benötige ich mindestens einmal einen genauen Auftrag.

    1. Avatar von Commandress

      Und diesen Auftrag bekommst du derzeit nicht von deiner Lady?
      Möchte sie dich denn wirklich führen – oder wünschst du dir nur, dass sie es tut?

      Falls sie es aus eigenem Antrieb möchte, muss sie auch herausfinden (wollen) was sie wie von dir will. Und wie du das umsetzen sollst. Es macht hingegen wohl eher wenig Sinn, wenn du versuchst, ihr beizubringen, was sie wollen soll.

  5. […] Genauso denkbar ist aber das organisatorisch umgekehrte Szenario, auch wenn das in der Praxis wohl eher die Ausnahme bleibt: Die Frau hat keine Lust auf Finanzverwaltung und Bürokratie – und delegiert diese Aufgabe an ihren Partner. Vorausgesetzt, er ist dazu kompetent in der Lage.Es hat durchaus etwas Königinnentaugliches, sich um das leidige Thema Mammon schlicht nicht mehr kümmern zu müssen. Echte Macht zeigt sich manchmal eben auch im Delegieren. […]

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