Ein Gastbeitrag von Butler Kay
Die Strategie des Fahrdienstes
Wer war hier eigentlich schon beim legendären BoFeWo-Frühstück am Sonntagmorgen? Mir war dies bis dato noch nicht vergönnt. Soll man wirklich sonntags in aller Herrgottsfrühe 1,5 h nach Frankfurt gondeln? Die Commandress ungefrühstückt und unterkoffeiniert? Ob der kurzen Nacht grätig? Ich weiß ja nicht, ich weiß ja nicht.
Schließlich bin ich ja neben der Sicherheit der Insassen und einem durchaus noch vorhandenen Überlebensinstinkt auch für gefühlt 2.653 weitere Verkehrsteilnehmer auf der Autobahn verantwortlich, und so lautete die oberste Direktive des Fahrdienstleiters: „Du bist nicht du, wenn du hungrig bist“ – und dies trifft ja auch auf alle zugestiegenen Fahrgäste zu.
Was nur eine logische Folgerung haben konnte: „Verehrte Commandress, darf ich den Vorschlag machen, Sie erst nach dem Frühstück zu holen?“ – was wohlwollend bejaht wurde.
Die Fahrt begann also zu etwas moderaterer Uhrzeit, hinreichend gestärkt und mit einem Koffeinspiegel im grünen Bereich. Die Anreise verging wie im Flug, was auch an unserer First-Class-Diskussion lag. Gedanklich saßen unter anderem Hannah Arendt und Max Weber mit an Bord und lieferten die Argumente für unseren herrlichen Austausch zur Verantwortungsethik im Spannungsverhältnis individueller und gruppenbezogener Verhaltenszuweisungen – Blinker setzen, Schulterblick – da sage man noch, ich könne kein Multitasking 🙂
Bei der Ankunft bekamen wir zwar nur einen Parkplatz auf dem Vorfeld, was der Commandress jedoch die Gelegenheit gab, auf dem Weg zum Eingang ihre süße Bondagebärchen-Schuhdeko interessierten Messebesuchern zu präsentieren. Nach Passieren der Bezahlschranke waren wir dann bereit für den Adult-Spaß-Content und stürzten uns ins Getümmel.
Rolltreppe gen Himmel & verwechselte Rollen
Die Rolltreppe gen Himmel führte uns direkt – nach einmaligem Rechtsabbiegen und noch völlig ohne Schlachtplan – mitten ins Bermudadreieck aus Vakuumbett (hach!), Stahlmeister und Aliendildos. Die Edelstahlfreunde führten dort fantastische Beratungsgespräche und erklärten ausführlich die Vorzüge eines modularen Peitschen-Stecksystems. Ein klares Haben-will-Item.
Kleine Ergänzung gleich vorweg – war ja nicht der einzige Stand mit Schlag- und Korrekturwerkzeugen: Eigentlich jeder Verkäufer adressierte mich automatisch als den aktiven Part und versuchte mir zunächst die Vorzüge in Handling, Impact und sonst was näherzubringen. Dabei beschränkt sich meine Kernkompetenz beim Thema Spanking in der Tat primär aufs Hinternhinhalten.
Selbstredend verwies ich – sobald es der Redefluss des kinky Handlungsreisenden zuließ – höflich an die übergeordnete Kompetenzstelle. Wenn es um den Luftwiderstand von Rosshaarpeitschen oder das Gripniveau von feuchtigkeitsabsorbierenden Griffen geht, mache ich den Hoëcker und bin gedanklich raus. Letztere sollen übrigens perfekt für das Spiel in den heißesten Dungeons dieser Republik ausgelegt sein. Ein schweißinduziertes Entgleiten des Schlagwerkzeuges soll ebenso wie die daraus entwachsenen, vermutlich fatalen Folgen für die Zuseherschaft vermieden werden. Aha!
Von Warm-up-Laps und Spikes-Manschetten
Wir entschieden uns, die erste Runde als Warm-up-Lap zu nehmen: viel stöbern, viel anprobieren, aber erst in der zweiten Runde kaufen. Der Plan hielt genau eine S-Kurve lang. Dann landeten schon die ersten Handschuhe – gespickt mit fiesen Plastikspikes – im Einkaufskörbchen. Gut, wer einen Träger dabeihat.
Also Plan B: Shop till you drop …
Mir hatten es wunderschöne, metallene Kopfharnesse angetan, die mich allerdings vom Sitz und der gefühlten Restriktion her nicht ganz überzeugen konnten – leider, denn die Teile waren wirklich Hingucker und optisch ein Meisterwerk.
Umso mehr überzeugte das aufblasbare Halsband von Dominflate – schon seit jeher ein Favorit der Madame. Die neueste Variante der Blutdruckmanschette für Perverse kommt nun mit innenliegenden Spikes daher.
Was blieb, waren drei funkelnde Augenpaare: Die Commandress vor purer Spielfreude, ich selbst vor leise aufkeimendem Aua und der Verkäufer, weil er wusste: Zum Ersten, zum Zweiten … verkauft!
Schlagfenster-Bummeln & Knebel-Mangel
So ging es – nur kurz unterbrochen von kleinen Snacks und gemütlichen Schnacks mit Bekannten – munter weiter. Es herrschte auf der BoFeWo eine wirklich schöne Stimmung. Es gab tolle Stände und noch bessere Beratung, aber man konnte auch einfach beim Schlagfenster-Bummeln die Leute in ihren teils fantastischen Outfits beobachten.
Nun ja, der Sonntag neigte sich dem Ende zu und die Einkaufsbilanz fiel durchweg üppig aus. Ein Blick in die randvollen Taschen verriet: Gaaanz viel Aua für vorne, oben, unten und hinten gekauft – ich befürchte das Best… äh, Schlimmste. Zudem haben wir beide noch echte Schmuckstücke gesehen, die definitiv auf der zukünftigen Shoppinglist landeten. Meine Favoriten waren tolle Halseisen im Laserlook sowie die edlen Fesselteile von Carrara.
Als wir schon im Begriff waren zu gehen, machte die Commandress eine scharfsinnige Beobachtung, der ich direkt zustimmen musste: Knebel sind wohl out! Seit ein paar Wochen suche ich eigentlich nach ein, zwei guten, neuen Knebelgeschirren, hatte diesen Auftrag im Angesicht des ganzen Stahls beim Shoppen aber schlicht vergessen. Wenn ich rückblickend an allen Ständen zusammengezählt fünf verschiedene Exemplare gesehen habe, war es viel. Nicht schlimm, aber eben auffällig.
Nach einem langen Tag verplauderten wir die Rückreise intellektuell auf Bunte- und Galaniveau in der Economyclass. Zwei Stunden später durfte ich der Commandress am Ziel beim Aussteigen behilflich sein und verabschiedete mich für die weitere Fahrt. Mein Weg führte mich an diesem Abend noch bis ins Alpenvorland und ich musste mit leise aufkeimendem Entsetzen feststellen: Der Fahrdienstleiter heute Morgen hatte vollkommen recht – du bist nicht du, wenn du hungrig bist. Nächster Stopp – Raststätte …
(Hinweis: Dies ist ein rein persönlicher Erfahrungsbericht und keine Werbung. Alle erwähnten Produkte haben wir zum vollen Preis gekauft, wir erhalten keinerlei Vergünstigungen.)
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