Entwarnung! – eine Glosse

Vorab sei gesagt: es ist sehr heiß. Ich hatte schon deutlich zu viel Kaffee und noch deutlicher zu viel Internet. Aber sei’s drum, dieser Text musste raus. Danke an alle, die mich inspirieren.

Entwarnung!

Es sind apokalyptische Zustände, die sich Nacht für Nacht in unseren finsteren Gassen abspielen müssen. Man sieht sie förmlich vor sich: marodierende Horden lüsterner, wildgewordener Femdoms, bewaffnet mit Keschern, Lassos und Elektroschockern, auf der Jagd nach dem wehrlosen Durchschnittsmann, um ihn endgültig seiner Freiheit, Würde, seines Penis und sämtlicher Mitbestimmungsrechte zu berauben.

Nirgendwo ist man sicher. Hinter jeder Straßenecke lauert das Grauen. Wer nur einen Moment unachtsam wird, dem springt bereits die nächste FLR-Amazone aus dem Gebüsch entgegen, um ihn gegen seinen Willen zu dominieren und auf Nimmerwiedersehen zu versklaven.

Zumindest dann, wenn man den besorgten Stimmen Glauben schenken möchte, die unermüdlich in diversen Kommentarspalten vor den Gefahren weiblicher Führung warnen. Dort entsteht bisweilen der Eindruck, Female Led Relationships seien weniger ein Beziehungsmodell als vielmehr eine gesellschaftliche Bedrohung von geradezu endzeitlichem Ausmaß.

Ich kann Entwarnung geben.

Es gibt keine Femdom-Einsatzkommandos. Keine geheimen Rekrutierungszentren. Keine schwarzen Lieferwagen mit der Aufschrift „Subbie-Erfassung“. Niemand wird nachts im Nebel überwältigt, zwangsdominiert und in den KG gestopft.

Die Realität ist für manche vermutlich deutlich schlimmer.

Denn eine Female Led Relationships beruht auf Konsens. Und… Oh Schreck! Eigenverantwortung.

Immer.

Sie ist kein Überfall, keine Falle und kein Schicksalsschlag, der ahnungslose Männer unvermittelt ereilt. Im Gegenteil: Nicht wenige Männer suchen eine solche Dynamik ganz bewusst. Freiwillig. Mitunter jahrelang. Und oft mit einer Sehnsucht, die sich weder durch Druck erzeugen noch durch Verbote beseitigen lässt.

Wer dann tatsächlich das Glück hat, eine passende Partnerin zu finden, macht allerdings häufig eine ernüchternde Entdeckung: Die Wirklichkeit ist erschreckend unpornös.

Anstelle permanenter Machtdemonstrationen finden sich plötzlich Gespräche. Viele Gespräche. Gespräche über Wünsche, Grenzen, Bedürfnisse, Verantwortung, Erwartungen und Kommunikation. Ein Schock! Wer besonders viel Pech hat, landet sogar bei Themen wie Vertrauen, emotionaler Nähe und gemeinsamer Weiterentwicklung.

Kurz gesagt: ausgerechnet Beziehungsarbeit.

Natürlich wird in manchen Schlafzimmern auch geschlagen, angeleint oder nach strengen Protokollen gelebt. Aber Enttäuschung auch hier: Das sind keine staatlich verordneten Umerziehungsmaßnahmen, sondern schlicht gemeinsame Praktiken einvernehmlicher Erwachsener. Kink halt.

Die Beziehung selbst entsteht dadurch nicht.

Sie entsteht dadurch, dass zwei Menschen sich auf eine bestimmte Form des Zusammenlebens einigen und diese gemeinsam gestalten.

Das klingt zugegebenermaßen weit weniger spektakulär als die Vorstellung einer nahezu allmächtigen Verschwörung toxischer Weiblichkeit. Es hat jedoch den Vorteil, wahr zu sein.

Und wenn eine solche Beziehung irgendwann nicht mehr funktioniert?

Dann geschieht in aller Regel genau das, was auch in jeder anderen Beziehung geschieht: Man spricht darüber. Man sucht Lösungen. Und wenn sich keine finden lassen, trennt man sich wahrscheinlich. Mehr oder weniger messy, je nach Naturell.

Die gefürchtete Femdom-Polizei erscheint jedenfalls nicht zur Nachkontrolle.

Ihr könnt also beruhigt schlafen.Vor den bösen Femdoms seid ihr sicher.

Vor euren eigenen Fantasien jedoch möglicherweise nicht.

Kommentare

  1. Avatar von S_C

    Sitze wegen der Hitze oberkörperfrei immer noch am Frühstückstisch und ergänze meinen persönlichen Wortschatz um das feine Wort ‚unpornös’… 😄

    1. Avatar von arbitercreativelydecdaecaad

      Ein schönes Wort, nur wo findet man solch eine seriöse Femdom?

  2. Avatar von Sissy Pussi / Andreas

    Verehrte Comandress …. vielen Dank für Ihre Klarstellung …
    ein Detail, dass ich leider immer vergesse. Ich möchte mit meiner wunderbaren Ehefrau in einer femdom Beziehung leben. Ich habe das auch vor 5 Jahren zugegeben, mich geoutet. Vorher und seitdem hatte ich immer nur online Beziehungen.
    Unsere Beziehung war auf der Kippe … Dank coaching mit einer Domina und einer Sexualtherapeutin haben wir die Beziehung wieder in Gang gekriegt.
    Aber das Detail, an was sie mich devote Schwuchtel erinnern ist, dass es nicht 0 oder 1 in Beziehungen gibt. Schon gar nicht in Femdom Beziehungen. meine Frau wollte nicht eine Domina für mic sein .. und ich wollte unbedingt genau nur das … bis heute.
    Und Ihr Hinweis macht es klar, ich sollte wieder mit der verehrten Ehefrau ins Gespräch kommen und schauen was möglich ist .. wo ich ihr Dieser sein kann, Wo ich Ihr Lusttoy sein kann. Wo ich von Ihr gezüchtigt oder erzogen werden kann und wo wir einfach ein Liebespaar sind ,,, nach 32 Jahren Ehe …
    Danke Ihnen für das wichtige Detail

    1. Avatar von Anouk

      Du schreibst, dass deine Ehefrau keine Domina für dich sein will, somit wirst du eohl auch nie / nicht ihr Lusttoy sein können. Vielleicht sprichst du mit ihr dahingehend, dass du eine Domina für deine Wünsche buchst?

      1. Avatar von Sissy Pussi

        Die verehrte Ehefrau würde das sogar am liebsten haben. Wenn die Sau sich von einer Domina abrichten lassen würde. Die Sau hatte letztes Jahr ein dominanten Herren, hier in Hamburg, der sie ein geritten hat. Die verehrte Ehefrau hat aber Sorge, dass sich die Sau in diesen Mann verlieben könnte

        1. Avatar von Commandress

          Passe deine Wortwahl an. Niemand hier hat Freude an solchen Formulierungen.

          1. Avatar von Sissy Pussi

            Verehrte Herrin. Die devote Schwuchtel bittet Sie um Entschuldigung. Sie hst dur h den dominanten Herrn gelernt sich selbst immer so zu bezeichnen. Das macht die Schwuchtel nicht mehr.

      2. Avatar von Yon

        Hm, ziemlich krass sich selbst so zu erniedrigen. Es gibt offensichtlich doch einige Gefahren in einer FLR, „FemDom-Polizei“ hin oder her!

        1. Avatar von Commandress

          Dir ist aber schon aufgefallen, dass hier ein Mann, der es bedauert, dass seine Gattin eben NICHT dominant ist, sich selbst so bezeichnet, weil es ihm ein anderer *Mann* so „beigebracht“ hat?
          Frauen spielen bei dieser Erniedrigung überhaupt gar keine Rolle. Und wollen es ganz offensichtlich auch nicht.

      3. Avatar von Anouk

        Ich finde es interessant und gleichsam ziemlich merkwürdig, dass wenn ein Mann eindeutig auf Erniedrigung steht, dieses direkt auch wieder einer FLR anzulasten, nur weil dieser Mann in einer FLR leben möchte.

        Selbst diese Wortwahl hat man bei dieser FemDem der dieser FLR Blog gehört, auch noch nie gelesen und ihr dennoch mehr oder weniger extremen Missbrauch in anderen Artikeln unterstellt.

        Ich frage mich, was das bringen soll? Gönnt man ihren Lebensstil nicht?

        1. Avatar von Commandress

          Ich tippe eher auf eine große Unsicherheit gegenüber der eigenen, submissiven Veranlagung.

          Fände man das Thema nicht enorm spannend, so würde man sich letztendlich wohl auch nicht täglich intensiv damit beschäftigen. 🤷‍♀️

          1. Avatar von Sissy Pussi

            Verehrte Commandress, hallo zusammen.

            Ich erlaube mir ein wenig auszuholen ….

            In meiner Seele sind zwei Charaktere enthalten.
            1. Ich kann klar, strukturiert, dominant und entschieden wirken. Vor allem im beruflich Kontext hilfreich … da bin ich Manager. Und auch in der Familie zeigte sich dieses Richtung Macho zeigende Verhalten.
            2. Und schon als Junge mit 14 Jahren im Rahmen der Pubertät habe ich meine devote Seite (so nannte ich es damals nicht) gezeigt. Ich hatte damals auch eine strenge Freundin. schon damals musst ich die Schamhaare kürzen oder in Ihrer Wohnung nackt sein … Schmerz und Demütigung, BDSM waren meine Themen … die mich erregten. Ich habe immer wieder die Wohnung der Freundin geputzt oder für sie gekocht.
            3. Und es gab auch immer einen homophilen Anteil in meinem Leben. Hatte mal einen Freund …

            Klar zeigt es, das ich damit längstens noch nicht in einer FLR lebte … aber es war und ist mein Traum von einem Leben mit meiner Frau.

            Ich hatte seit 2010 „leider“ wechselnd online zwei Herrinnen und und zwei Herren. Sie haben mich online gesteuert. Auch musste ich Aufgaben erfüllen, die mich lehrten die Wünsche meiner verehrten Ehefrau zu erfüllen.

            Erst 2020 hat meine verehrte Ehefrau durch einen Zufall realisiert, dass ich meine Sehnsucht nach Dominanz, BDSM und Demütigung mit Dritten auslebte.

            Es kam zur Ehekrise. Sie hat zu recht reklamiert, dass ich fremdgegangen bin und dass ich sie nicht eingebunden habe. Mit Ihr gesprochen habe.

            Wir hatten Coaching mit Therapeutin und einer Domina … unsere Beziehung ist wieder stabil. Ich darf mit Männern Sex haben und wenn es nach ihr ginge wuerde ich zu einer Domina gehen. Denn meine verehrte Ehefrau will mich nicht dominieren.

            Als Spiel hat sie mir den Po versohlt oder mit Brennesseln gequält und hat sich von mir mit der Zunge verwöhnen lassen. Aber wir merkten beide, dass es so nicht passte es was Sexspiel und nicht Lebensart ….

            Und zum Gay … ein Mann hat mich letztes Jahr zu seiner Sissy entwickelt und er hat mich zum Sextoy gemacht. Erst war das okay, aber dann bekam meine verehrte Frau Sorge, dass ich mich verlieben koennte …

            Also habe ich die Beziehung zu dem Mann abgebrochen.

            Und nach wie vor suche ich einen Weg mit der verehrten Ehefrau eine von Ihr geführten Beziehung zu führen.

            Ich hoffe es wird etwas verständlicher.

            Und ich möchte Sie nicht langweilen

    2. Avatar von Ir

      Klar ist das Thema spannend und klar mögen Männer weibliche Dominanz. Dass man den dominanten Part kritisch hinterfragt und von der mächtigeren Position besondere Verantwortung fordert ist doch ganz normal. Wer viel Macht bekommt, der muss eben auch besonders verantwortungsvoll sein und muss sich kritischen Fragen stellen können. Das ist bei allen Machtpositionen so! Ich finde es gut wenn Frau nicht nur von Ja-Sagern bestätigt wird, sondern es auch unbequeme Fragen gibt. Das zeigt, souveräne und sachliche Antworten vorausgesetzt, dass eine FLR auch alltagstauglich sein könnte. Eingeschnappt sein hilft dann natürlich wenig.

      1. Avatar von Anouk

        Kritische Hinterfragungen sind überall sinnvoll. Nur ist es doch völliger Blödsinn EINER FemDom das gesamte Spektrum von FLR Beziehungen überstülpen zu wollen, so wie hier in den Kommentaren oft geschehen.

        Sie lebt ihr gewünschtes FLR eben nicht nach Leveln und ist auch nicht auf maximale Ausbeutung / Zerstörung des male Sub aus. Dazu muss man kein Commandress Fan sein, sondern eben auch ihren Blog lesen.

        Sicher, man kann viel erzählen, wenn der Tag lang ist. Was sie mit ihrem Sub wirklich tut, wissen wir alle nicht (ich würde gern zuschauen 😊). Vielleicht schreibt ja bald wieder einer…

        1. Avatar von Commandress

          Doch, doch, das ist schon okay Anouk. ICH bin ja schließlich DIE Femdom, Hüterin und Mutter ALLER FLRs. Und somit nicht nur grundsätzlich schuld, sondern auch verantwortlich. Und natürlich dementsprechend pampig. Die Last wiegt schwer auf meinen Schultern – und verkümmerte Subs pflastern meinen blutigen Pfad.
          Damit muss ich ja überhaupt erstmal klar kommen!
          Ich gebe jedenfalls mein Bestes. 😎

          (Und du darfst dich JEDERZEIT herzlich eingeladen fühlen, nicht nur zuzugucken, sondern auch direkt mitzumachen.)

  3. Avatar von Anouk

    Na toll, ich habe bereits Nachts die dunklen Gassen gesucht, wollte wenigstens zugucken, wenn die wildgeworden FemDomHorden zuschlagen (😌) 😕

    Als FemSub wird man hier ja total ignoriert 🙁

    Aber wieder bloß ne blöde Verschwörung, gibt nicht mal ’ne FemDomPolizei 😡

    Anouk

    1. Avatar von Commandress

      Nein, Anouk. Die Gefahr ist für Femsubs nur um *so* vieles größer, dass niemand es wagt, überhaupt nur darüber zu sprechen!

  4. Avatar von FA

    Sehr erheiternd der Artikel aber auch sehr realitätsfern. Ich hatte selbst schon einige Beziehungen und so wie das hier idealisiert dargestellt wird läuft es nicht. Auch nicht bei irgendjemand den ich kenne.

    Man lernt sich kennen, ist verliebt, spielt miteinander und eine Beziehung wächst. Aber *nirgends* geht man hin und setzt nach ein paar Treffen ein Meeting auf, indem man die Agenda und Vision der Beziehung bespricht. Das ist völlig absurd. Man wächst in eine Beziehung hinein und erstellt keine Roadmap oder führt Vertragsverhandlungen.

    Beziehungen entstehen natürlich, man wächst zusammen. In einer „normalen“ Beziehung haben beide keine Agenda und es entsteht ein einzigartiges Gebilde. Wenn in eine FLR jemand eine starre Agenda hat, dann kann natürlich schnell ein einseitiges, instabiles Gebilde entstehen.

Bevor du kommentierst: Ich moderiere alle Kommentare nach eigenem Ermessen. Bitte vollständige Kommentarregeln lesen.

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von Die Commandress

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen