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Sommer, Sonne, Separee – Commandress – FLR, Femdom und Beziehung
Ich habe inzwischen einen ziemlich stabilen, kinky Freundeskreis. Also zusätzlich zu meinem „normalo“ Freundeskreis. Lustigerweise überschneiden die beiden sich wirklich nur minimal, hier und da.
Beide Blasen sind mir gleichermaßen wichtig, jedoch habe ich schon seit einigen Jahren das Gefühl, unter Kinkstern viel vollständiger „ich selbst“ sein zu können als unter Vanillas. Dabei ist es mitnichten so, dass ich mit meinen Szenefreunden nur über aufregend Versautes und Perversionen spräche. Nein, gar nicht: Meist geht es da genau so um die alltäglichen, kleinen Dinge, Freuden und Sorgen wie bei allen anderen auch. Und so manche Gesprächsrunde auf einer BDSM-Party ist tatsächlich deutlich zahmer als jeder Familien-Grillabend mit Onkel Uwe.
Das gute Gefühl, sich nicht wegreduzieren zu müssen
Aber man kann unter Gleichgesinnten über alles sprechen, wenn man will oder muss. Und das ist eine wirklich gute Sache. Nicht einen, doch nicht unwichtigen Teil seiner Persönlichkeit auszublenden, weil er das Gegenüber irgendwo schockieren, stressen oder verunsichern könnte. Klar, wenn mich jemand fragt, antworte ich offen. Vielleicht nicht ganz so ausführlich, wie ich könnte, aber ich verstecke mich auch nicht. Ich kann sehr gut zu mir stehen und habe auch gar kein Problem damit, zu erklären, wie und warum ich so leben möchte, wie ich es tue.
Womöglich geht es uns Kinkstern in puncto Sichtbarkeit ein bisschen ähnlich wie homosexuellen Menschen beim Coming-out: Es geht um dieses tiefe Bedürfnis, einfach offen leben zu wollen, gepaart mit dem Wissen, dass definitiv nicht jeder da draußen gut damit umgehen kann.
Manche Menschen wenden sich von einem ab, sobald sie „Bescheid wissen“. Das ist okay, das ist deren Entscheidung und diese Leute brauche ich letztendlich sowieso nicht in meinem Leben. Schade ist es manchmal natürlich trotzdem.
Und im beruflichen Umfeld haben Sexualität und private Vorlieben meines Erachtens nach eh nichts verloren, da halte ich mich lieber bedeckt.
Wahrscheinlich ist es mit dem Kink dann doch gar nicht so anders als mit irgendeiner anderen, intensiven Lebensweise, Weltanschauung oder sogar einem tiefgehenden Hobby: So ein Thema wird irgendwann, wenn man tief genug eintaucht, zum festen Teil unserer Persönlichkeit und Identität. Es gibt garantiert auch Modelleisenbahner oder Rassehuhnzüchter, deren Eigendefinition nicht mehr vollständig von ihrer Leidenschaft zu trennen ist. Und ich bin sicher, die fühlen sich im Eisenbahnertreff oder Kleintierzüchterverein auch ganz anders gesehen als unter all den Nichtsahnenden in der Bürokaffeeküche.
Gesellschaftliche Realität
Der Unterschied ist nur: Wenn der Hühnerzüchter sich outet, erntet er vielleicht ein Schmunzeln oder ein Augenrollen. Wenn wir uns outen, riskieren wir oft handfeste Vorurteile. Und manchmal sogar berufliche oder soziale Konsequenzen. Die Fallhöhe ist eine völlig andere, weil es eben um intime Kernbereiche unseres Wesens geht. Und um gesellschaftliche Realität.
Und deswegen fühle ich mich eben unter Gleichgesinnten entspannter, freier und offener: Ich weiß, ich werde bei ihnen auch mit dem Teil meiner Persönlichkeit, die Femdom ist, wahr- und angenommen, geschätzt und integriert. Und wenn mich Kinkster nicht mögen, dann mögen sie mich im Normalfall einfach so nicht, weil ich ihnen irgendwie gegen den Strich gehe – und nicht aufgrund meiner sexuellen Identität. Was ich zu schätzen weiß.
Mir ist bewusst, dass es sehr vielen Menschen mit eher exotischen Neigungen verdammt schwerfallen kann, sich zu öffnen und Kontakte zu knüpfen. Die Scham und die Selbstzweifel wiegen oft schwer – und die Angst vor Ablehnung ist in unserer Gesellschaft ja leider auch nicht völlig unbegründet. Aber genau deshalb lohnt sich der Mut: Die kinky Community bietet für nahezu jeden eine sichere Nische, solange man selbst Toleranz, Offenheit und Menschlichkeit mitbringt.
Konsens und Kommunikation: Das Ideal, für das ich einstehe
Natürlich ist auch die Szene kein fehlerfreies Utopia; auch hier menschelt es gewaltig und wir sind nicht automatisch immun gegen die Macken der Allgemeingesellschaft. Aber wir haben ein ziemlich starkes Fundament, das uns verbindet: Wir wollen und müssen gemeinsam im Zeichen von Kommunikation, Konsens und Respekt leben, damit dieser Schutzraum funktioniert. Weder Verachtung noch Diskriminierung dürfen hier einen Platz haben, wenn wir uns gegenseitig stützen wollen – egal, wie und auf welche Weise wir unsere Erotik und Sexualität leben möchten.
Und dieses gemeinsame Ideal ist ein enorm gutes, sicheres Gefühl, für das ich jederzeit aktiv schützend einstehen werde.
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