Die Sache mit dem Sadismus

Ab und an werde ich gefragt, ob ich denn mehr dominant oder mehr sadistisch sei. So auch kürzlich wieder.

Für mich ist die Sache recht einfach: Dominant bin ich. Entspannte, weibliche Dominanz ist ein grundlegender Teil meiner Persönlichkeit und meines Alltags.

Mein Sadismus hingegen ist Teil meiner Erotik – und basiert zum einen auf klar definiertem Konsens und zum anderen tatsächlich auf der Begeisterung meines Gegenübers. Spüre ich da nicht, dass das gewollt und gierig angenommen wird, kommt er auch nicht in Fahrt, sondern schaltet (leider?) von alleine wieder ab.

Sadismus ist also für mich eine ziemlich empathische Lust, keine destruktive. Ein echtes Resonanzphänomen.

In einer anderen Unterhaltung kam die Sprache darauf, ob Dommes jene dunkle Fantasie mit Subs teilen, in welcher Konsens einfach keine Rolle spiele und man rough und ohne zu fragen„ „dem anderen etwas antut“. Also rein aus der eigenen Freude am sadistischen Trieb heraus. Die Fantasie des non-konsensualen Überwältigens.

Ich will das überhaupt nicht bewerten. Fantasien sind Fantasien und gehören nicht zensiert. Und garantiert gibt es diese Vorstellung auch unter Femdoms. Womöglich sogar ziemlich oft.

Bei mir ist es aber nicht so. Nicht einmal die Vorstellung macht mir Freude. Mir ist bewusst, dass solcherlei Aussagen ziemlich weit ab vom (pornografisch geprägten) „Böse-Femdom-Standard“ liegen. Wollte ich gut ankommen, sollte ich besser etwas von meinem „dunklen, destruktiven Antrieb“ erzählen, den ich nur „mühsam unter Kontrolle“ halten kann usw. Das wäre aber totaler Quark und schlicht gelogen.

Ich will auch nicht in Eigenregie deine Grenzen überschreiten oder deine Tabus brechen. Destruktivität liegt mir nicht.

Spannend finde ich hingegen, wenn jemand nach einer Weile eigene Grenzen neu betrachten oder vielleicht sogar verschieben möchte. Dieses Transformative liegt mir durchaus.

Ich würde sagen, ich bin ziemlich gut darin, auch tief vergrabene, angestrengt unter Verschluss gehaltene erotische Sehnsüchte und Gedanken schnell und deutlich zu erspüren. Eigenlob stinkt, aber dies ist nunmal ein lustiges Talent, das mir schon viel, viel Spaß bereitet hat. Und genau da setzt mein Sadismus dann gerne den Hebel an: Sub das machen und erleben zu lassen, was ihn dazu bringt, die Augen fest zusammenzukneifen und schön hübsch rot anzulaufen. Ich liebe das.

Irgendetwas mit einem Menschen zu tun, was dieser wirklich nur als abstoßend, schmerzhaft oder nicht einmal im Nachhinein erotisierbar empfindet, gibt mir hingegen überhaupt nichts. Ich würde mich nur mies fühlen. Und das will ich nicht.

Für mich ist BDSM in allererster Linie einvernehmlich – eine Form extremer Intimität. Ich brauche das auch selbst so, damit ich tief in mein Spiel abtauchen kann, ohne innerlich permanent in Hab-Acht-Stellung zu bleiben.

Aber ist der Konsens klar gegeben, habe ich echt weit gesteckte Grenzen. Ich kann mir mein Krass-Sein leisten – nicht trotz, sondern genau wegen meiner Empathie.

Kommentare

  1. Avatar von

    Die Sub Fantasie völlig ohne Konsens funktioniert doch aber nur, weil es im Sub Kopf geschieht und dort eben nur „Grausamkeiten/ Gewalt/ Übergriffe“ vorkommen, die Sub aufgeilen. Fantasie Dom/mes machen absolut keine Fehler, müssen nichts abbrechen, überfordern Sub niemals. Oder?

    Im Umkehrschluss könnte das doch heißen, dass Fantasie Sub im Dom/me Kopfkino niemals überfordert ist und auch sonst nichts schiefgehen kann – keine Vorwürfe, keine Schuld oder Verurteilung gegenüber einer Praktik.

    Ist es dann trotzdem noch so, wie du beschrieben hast, Commandress?

    1. Avatar von Commandress

      Eine gute Frage. 🙂
      Ja, es bleibt trotzdem dabei: für mich funktioniert die Fantasie nicht. Es geht mir nämlich gar nicht darum, dass mir die Angst vor Schuldzuweisung und „Verurteilung“ im Weg wären. Die Vorstellung von fehlendem Konsens törnt mich nur eben einfach nicht an. Allerdings: würde ich mir theoretisch die Mühe machen, diese Fantasie so weit auszubauen, dass mein Handeln in ihr für Sub letztendlich so erregend ist, dass er/sie gar nicht anders *kann*, als doch noch Konsens zu geben, würde es womöglich wieder funktionieren.

      Ich habe also offensichtlich einen sehr ausgeprägten Konsensfetisch. 🤷‍♀️ Da macht man nix. 😉

      1. Avatar von

        Wenn Sub im Kopfkino den/die perfekte/n Dom/me bauen kann, hat Dom/me doch auch Anrecht auf den/die perfekt passenden Sub? 😉

        Sogesehen ist dann in beiden Fällen kein Konsens von Nöten, weil dieser von Anfang an bereits „ganz natürlich“ besteht. Fluch und Segen von Kopfkino 🤷‍♀️😊

        1. Avatar von Commandress

          Ja. Und ein/e von mir und für mich und mein Kopfkino erdachte/r, perfekt passende/r Sub, gibt eben (in meiner persönlichen Fantasie) sehr klar und deutlich seinen/ihren Konsens. Denn dies ist für mich luststeigernd – und somit schon von Nöten, damit’s für *mich* funktioniert.

        2. Avatar von Commandress

          (Bitte schreibt doch einen (fiktiven?) Namen zu euren Kommentaren, damit ich wenigstens eine kleine Vorstellung davon habe, mit wem ich mich hier unterhalte. Danke!)

    2. Avatar von Commandress

      (Bitte schreibt doch einen (fiktiven?) Namen zu euren Kommentaren, damit ich eine kleine Vorstellung davon habe, mit wem ich mich hier unterhalte. Danke!)

  2. Avatar von ArmerAlterKater

    Mir gefällt die sadistische Definition im Bezug auf Erotik. Ich halte es ebenso.

  3. Avatar von

    Wenn Ihr Sub sich nicht an Regeln hält, ungehorsam ist oder respektlos, bestrafen Sie ihn dann auch? Wie sieht es dabei mit Ihrem Sadismus aus, nutzen Sie ihn dann? Genießen Sie es ihn zu bestrafen und Ihre Wirksamkeit dabei?
    VG KHM

    1. Avatar von Commandress

      Natürlich hat Sub mit Strafen zu rechnen, wenn er sich nicht an die Regeln hält.
      Diese haben dann aber im Normalfall nichts mit meinem Sadismus, sondern einfach mit Konsequenzen zu tun. Und nein, das macht mir keine Freude – und Sub auch nicht. Deswegen sind diese Strafen auch selten in irgend einer Weise „sexy“, lustig oder kinky.

      1. Avatar von Commandress

        Und wenn sich Sub mir gegenüber ernsthaft (also nicht soielerisch oder bratty) respektlos verhalten sollte, haben wir es mit einem Beziehungsproblem zu tun. Da geht es dann weder um Strafen, noch um Sadismus oder Konsequenzen, sondern darum, dass wir offensichtlich mal dringend miteinander reden müssen.

      2. Avatar von

        In einer FLR ist es schon ein Besonderheit, dass die Frau Regeln und Standards festlegt und diese auch durchsetzt. Auch das abgesprochene Recht zu bestrafen ist eine Besonderheit dieser Beziehungsform. Somit ist es durchaus ok, dass die Frau ihre Wirksamkeit genießt. Ich habe aber schon Frauen getroffen die es auch genießen ihren Partner zu bestrafen, ein sadistisches Vergnügen an dessen Leid (außerhalb einer dedizieren Session) haben und sich dadurch mächtig und bestätigt in ihrer Überlegenheit fühlen. Daher die Frage.

        1. Avatar von Commandress

          Klar, es gibt da – zum Glück – eine schier unendliche Bandbreite.

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