Weiteres zu den Regeln

In meinem allerersten Blogbeitrag „Strenges Reglement“ habe ich schon so allerlei dazu geschrieben, wie das bei uns mit den Regeln läuft. Und warum.
Aber ganz offensichtlich scheint scheinen zu dem Thema bei euch noch einige Fragen offen geblieben zu sein.
Eines vorab: Ich selbst bin kein großer Freund von Regeln an sich und möchte ihnen in meinem Leben nur Raum geben, wenn sie auf irgendeine Weise zu meinem oder dem allgemeinen Wohlbefinden beitragen. Vorschriften, die ich selbst als unglaubwürdig, albern, überflüssig oder gar als schädlich empfinde, lehne ich ab. Die haben in meiner Beziehung keinen Platz.

Das Eigentum sieht das wohl ein wenig anders. Er mag Regeln grundsätzlich. Sie machen ihn ganz wuschig, insbesondere wenn sie ihn irgendwie einschränken und dabei noch möglichst streng überwacht werden.
Neue Regeln kommen bei uns immer von mir, direkt per WhatsApp an ihn, er liest sie und zeichnet sie dann gegen. Somit weiß ich, dass sie auch wirklich bei ihm angekommen sind. Danach konvertiert er die neue Regel (samt seiner Unterschrift) in ein PDF und packt sie in unseren geteilten Google Drive Ordner. Und damit das auch alles schön und ordentlich bleibt, überträgt er die Regel noch per Füller in unser schickes, großes Regelbuch, für dessen Aktualisierung und Pflege er zuständig ist. Somit kann nichts verloren gehen und falls mal etwas diesbezüglich unklar sein sollte, weiß er, wo er´s nachlesen kann.
Gerade erst kürzlich hatten wir so eine Situation, in welcher ich ihm nur sagen musste: „Lies mal die Regeln zu deinem online Verhalten noch einmal nach!“, um ihn auf ein gewisses Fehlverhalten seinerseits aufmerksam zu machen. Das finde ich äußerst praktisch!

Ich möchte hier nicht all unsere Regeln auflisten, denn zum einen denke ich nicht, dass das mehr böte, als eine reine Voyeurismusbefriedigung, und zum anderen muss jede Frau da ihren eigenen Weg finden und wissen, was ihr persönlich dahingehend überhaupt wichtig ist. Die Wahrscheinlichkeiten, dass jemand exakt meine Prioritäten teilt und in seine Beziehung übertragen sollte, sind verschwindend gering.
Die Schematik allerdings, nach der wir unser Regelgerüst aufgebaut haben, kann eventuell hilfreich sein, insbesondere, wenn man sich noch gar nicht sicher ist, wie man es denn überhaupt anfangen soll.

Mein wichtigster Tipp vorab: Macht auf keinen Fall mehr Regeln, als ihr selbst auch kontrollieren könnt. Weniger ist dabei oft mehr.
Und selbstverständlich bewegen wir uns mit ausnahmslos ALLEN Regeln im gemeinsamen Konsens, unter Beachtung seiner Grenzen und Tabus.

Hier also unsere bisherige Einteilung:

1. Der Sklavenkörper
Hier stehen alle Vorgaben rund um Ernährung, Sport, Gesundheit, Sexualität und Äußerlichkeiten, die mir wichtig sind.
Teils ist das an sich sehr banal, war für ihn aber eine Umstellung (z.B. „Es wird mindestens ein Liter Wasser täglich getrunken“), teils ist es etwas komplexer und eingreifender („Die Besitzerin hat volle Entscheidungsgewalt über den Körper und die Sexualität ihres Sklaven. Dies beinhaltet auch das Gestatten, Erzwingen und Verbieten von Sexualkontakten, Orgasmen, erotischer Selbstberührung, realer und virtueller, aktiver und passiver Erotik, Küssen, Flirts, sowie ausgelebtem Kink aller Art“).

2. Rituale
Ich weiß, dass Rituale in vielen D/s und BDSM Verbindungen besonders geschätzt werden, ich selbst brauche sie aber nur sehr bedingt.
Ein mir wichtiges Ritual ist es, dass das Eigentum jeden Morgen als allererstes, und jeden Abend als allerletzte Tageshandlung, für eine gewisse Zeit plankt und sich dabei geistig auf unsere Beziehung fokussiert. Ich bin sicher, dass ihm das auf mehreren Ebenen guttut.

3. Abwesenhaitsregelungen
Da sich das Eigentum nicht immer in meiner Reichweite befindet, hatte dieser Absatz für mich eine besondere Gewichtung. Hier findet sich dann alles, was er (zusätzlich) zu beachten hat, wenn wir uns räumlich getrennt bewegen. Dazu zählen u.a. seine Kalenderführung, die Ermöglichung seiner Überwachung per Kameras und Apps, das Tragen vom PK, sein Verhalten auf kinky Veranstaltungen ohne mich, und auch grundsätzliches wie „Das Eigentum hat dafür Sorge zu tragen, dass seine Besitzerin ihn bei seiner Rückkehr oder ihrer Ankunft in einem rundum vernünftigen und annehmbaren Zustand vorfindet.“

4. Onlineverhalten
Das Internet ist, mit all seinen Möglichkeiten, für so manchen schon zu einer Art „Parallelwelt“ geworden, in welcher er einen nicht unbeträchtlichen Teil seiner Lebenszeit verbringt. Und da das Eigentum von sich selber sagt, er sei ein „kleiner Handy-Suchti“, und sich außerdem sehr gerne auf Seiten wie dem Joy Club herumtreibt, war es schnell klar, dass wir auch hier Verhaltensregeln brauchen.
Schwierigkeiten hatte er kürzlich mit der Einhaltung folgender Regelungen: „Der Sklave hat seine Herrin zeitnah zu informieren, sobald er in schriftlichen Austausch mit Menschen aus der Kink- und BDSM Szene tritt, welcher über Belanglosigkeiten und reine Höflichkeiten hinausgeht. “ und „Der Sklave hat ohne ausdrückliche Erlaubnis keine pornografischen Inhalte zu konsumieren“ – wobei letzteres lustigerweise tatsächlich nicht mal gänzlich selbstverschuldet passierte.

5. Der Mädelsabend
Ich veranstalte in unregelmäßigen Abständen meine „Mädelsabende“, bei welchen das Eigentum zur Belustigung der allesamt weiblichen Gäste beitragen darf. Selbstverständlich gibt es dazu dann auch extra Verhaltensregeln, damit an diesen Abenden alles glattläuft.

6. Positionen
Neuerdings haben wir einige Körperpositionen in unser Repertoire mitaufgenommen, die das Eigentum jederzeit abrufbar zu kennen, und auf Befehl einzunehmen hat.

7. Privilegien
Ich fand es wichtig, dass in einem ausführlichen Regelwerk nicht nur Pflichten, sondern auch Rechte aufgeführt sind. Folglich findet man dort bei uns auch Festgeschriebenes wie „Der Sklave trifft selbstständig alle ihn betreffenden Entscheidungen medizinischer Natur“, oder bei welcher Art von Kommunikation er sich sicher sein kann, dass ich ihn dabei nicht kontrolliere.

Ich bin sicher, dass unser Regelwerk ein „Work in Progress“ ist und bleiben wird. Manche Dinge werden sich verändern, oder auf lange Sicht sogar wieder gestrichen. Etwas wird angepasst werden müssen, weil es sich auf Dauer als unpraktikabel erweist, und Neues wird dazu kommen. Und das ist für uns beide gut so.

Und auch, wenn ich das an anderer Stelle bereits mehr als einmal erwäht habe: Für uns funktioniert das Leben mit D/s und Liebe hauptsächlich so gut, weil wir D/s Regel von zwischenmenschlichen Konsequenzen trennen. Und vice versa.

Kommentare

  1. Avatar von Servie1976

    Vielen Dank für diese ausführliche Schilderung. Meine Frau sieht es in Bezug auf Regeln ähnlich. Für mich sind sie jedoch notwendig, um ein gewisses Gerüst innerhalb unserer Beziehung zu haben. Ansonsten würde ich ihr vermutlich auf der Nase herumtanzen.

    Letztlich sollten innerhalb einer FLR ja auch nur zwei Regeln gelten: die Frau hat das Sagen und die endgültige Entscheidungsgewalt. Wenn ihr etwas nicht passt, sollte sie es kommunizieren und ihn bei einem nächsten Fehltritt die Konsequenzen spüren lassen. Das ist jedoch oftmals leichter gesagt als getan…

    1. Avatar von Commandress

      Na ja, sie „sollte“ sich in allererster Linie erstmal wohl und sicher fühlen, mit den Beziehungsregeln und deren Umsetzung durch dich. Wie sie dann vielleicht mit Fehltritten umgeht, entscheidet alleine sie selbst.
      *Wünschen* kannst du dir ihre Konsequenz aber natürlich.

      1. Avatar von Servie1976

        Das ist natürlich richtig!

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