Führung? Oder Bespaßung?

(Hier findet ihr den gesamten Artikel auch als Audiodatei, vorgelesen von mir selbst)

Führung? Oder Bespaßung? Commandress – FLR, Femdom und Beziehung

Die weiblich geführte Beziehung (FLR) wird im Netz oft missverstanden – als eine Form der erotischen Dauerbespaßung, die primär auf den männlichen Blick und männliche Fantasien zugeschnitten ist. In dieser Episode räumt Commandress rücksichtslos offen mit den kommerziellen Klischees der Femdom-Szene auf. Sie stellt klar: Eine FLR basiert nicht auf Kink oder Fetischen, sondern auf echter Führungskompetenz, Vertrauen und Alltagsorganisation. Warum ein erregter Mann sich lieber selbst führen sollte und warum eine FLR kein Deal ist, bei dem die Frau dem Mann Sex für seine Unterordnung schuldet, erfährst du in diesem Audio-Beitrag. Themen dieser Folge: Das kommerzielle Missverständnis der weiblichen Dominanz. Warum echte Führung im Alltag stattfindet, nicht im Schlafzimmer. Die gemeinsame Beziehungsarbeit und das Hineinwachsen in die Rollen.

Reden wir über das größte Missverständnis in Bezug auf die FLR: Die Vermischung von Führung und Erotik.

Wer sich online mit dem Konzept der weiblich geführten Beziehung befasst, stößt fast ausschließlich auf Inhalte, die für den männlichen Blick optimiert wurden. Es geht um Konsum, Fantasien und maßgeschneiderte Erregung.

Klar, die allermeisten Seiten, die sich im Internet mit Beziehung, Erotik und Sexualität beschäftigen, wollen etwas verkaufen. Die Leser und Nutzer sind in diesem Fall vornehmlich männlich, also soll der Inhalt Männern gefallen, in ihnen Sehnsüchte wecken und sie auf gar keinen Fall verschrecken – sie sind schließlich die Zielgruppe. Potenzielle Kunden.

Ich selbst habe das große Glück, intrinsisch schreiben und sprechen zu können. Ich muss und möchte nichts verkaufen, habe nichts im Angebot, das jemandem gefallen soll, und kann dementsprechend rücksichtslos und offen meine Gedanken teilen.

Eine FLR ist eine weiblich geführte Beziehung. Das heißt: Die Frau führt. Punkt.

Missverstanden wird diese Beziehungsform aber erstaunlich oft als ein Konzept, bei dem die Frau den Mann durch weibliche, meist gespielte Dominanz bespaßt – ganz mit seinem steten Wohlbefinden und seiner Erregung im Zentrum ihrer gesamten Aufmerksamkeit.

Dem ist nicht so.

Warum sollte die Führung der Frau erst dadurch legitimiert werden, dass der Mann diese als sexy empfindet? Die Frau sollte führen, weil ihre Entscheidungen klug und gut sind. Weil sie den Überblick sowie einen Plan hat und gewillt ist, ihre lenkende Energie und ihre Gedanken zum Wohle der Partnerschaft einzusetzen.

Und der dazu passende Mann erkennt genau das in ihr und folgt gerne voller Respekt und Dankbarkeit.

Fetische und Kink sind hingegen nicht die Basis der FLR. Und sie sollten es auch nicht sein – so gern ich sie selbst habe.

Ein Mann, der sich meine Führung wünscht, weil er davon einen Ständer bekommt, darf sich gerne selber führen.

Ein Mann hingegen, den es zutiefst glücklich und zufrieden macht, von mir geführt zu werden, und der mir und meiner Leitung echten Raum gibt, schafft überhaupt erst das Fundament, auf dem ich Lust auf Kink und Erotik mit ihm empfinden kann.

Und genau da sind wir wieder an dem Punkt angelangt, wo ich erneut betonen muss: FLR ist kein Deal. Ich als Frau schulde einem Mann keinen Sex, weil er mich führen lässt. Er möchte, dass ich führe, ich möchte führen. Und wir beide trauen uns das gegenseitig zu. Damit haben wir eine gemeinsame Basis.

Als Frau und Partnerin muss ich dann natürlich eventuell erst einmal in diese Rolle hineinwachsen und auch im Alltag zeigen, dass ich in der Lage bin, ernsthaft Verantwortung zu übernehmen.

Und er muss zeigen, dass er tatsächlich dazu fähig ist, sich führen zu lassen und zu folgen – und zwar völlig unabhängig von seiner momentanen Lust und seinem Penis.

Das ist für beide Seiten eine echte Aufgabe, für die man sich bewusst Zeit nehmen sollte. Es ist völlig normal, dass anfangs Fehler passieren. Beide müssen sich aufeinander zubewegen, gemeinsam lernen und sich – jeder auf seine Weise – in dieser Dynamik zurechtfinden. Das ist vorhersehbar und vollkommen in Ordnung. Beziehungen sind echte, anstrengende Arbeit, egal unter welcher Prämisse sie stattfinden.

Wer jedoch die FLR mit einer Dauersession aus Femdomerotik und BDSM verwechselt, wird zwangsläufig scheitern, da er das Pferd somit letztendlich auf hässliche Weise von hinten aufzäumt. Und Führung mit Bespaßung verwechselt.

Wer bereit ist, diese Illusionen endgültig über Bord zu werfen, gewinnt womöglich eine Partnerschaft, die auf echtem Vertrauen und Wollen statt auf inszeniertem Rollenspiel basiert. Und genau da fängt die eigentliche, wundervolle Reise an. Von da an wird gemeinsam aufgebaut.

Kommentar

  1. Avatar von

    Danke für diese Einblicke

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