Brauchen devote Männer auch den Austausch mit Gleichgesinnten?
Kürzlich habe ich darüber geschrieben, wie wichtig mir persönlich Kontakte und Freundschaften zu anderen Femdoms sind. Über Insta wurde ich daraufhin von einem Leser gefragt, ob ich denn der Meinung sei, dass auch Malesubs von solch „gleichgesinnten“ Freundschaften profitieren würden.
Meine Antwort: Selbstverständlich!
Gerade weil Männer es sich im Allgemeinen oft schwerer machen, offen über Gefühle und eventuelle „Schwächen“ oder Unsicherheiten zu sprechen als Frauen, ist dieser Austausch essenziell. Mir ist bewusst, dass sehr viele Männer ganz und gar nicht im Reinen mit ihren devoten oder submissiven Neigungen sind. Es besteht noch viel zu oft die Sorge, als „unmännlich“ oder weniger stark wahrgenommen zu werden, sollte man sich dahingehend öffnen.
Die Sackgasse der Klischees
Ich kann das auf der einen Seite gut nachempfinden. Wie ich in meinem vorherigen Artikel erwähnte, kennen dominante Frauen dieses Problem sehr wohl aus der entgegengesetzten Perspektive: Auch uns wird schnell die Weiblichkeit abgesprochen oder eine „nicht-feminine“ Herrschsucht unterstellt. So sind eben die Klischees unserer Gesellschaft: oberflächlich und nicht wirklich durchdacht. Ich denke, wir müssen uns da alle ein dickeres Fell zulegen. Lächeln und winken.
Auf jeden Fall würde es allen Männern meiner Meinung nach sehr gut tun, deutlich mehr Freundschaften zu pflegen, in denen man auch mal über sich selber lachen (oder sogar weinen!) kann, ohne dass man direkt gefressen oder verstoßen wird. Diese ungute, ausschließende Gruppendynamik der „Alpha-Bros“ ist für niemanden ein Gewinn und zeugt letztendlich nur von enormer Unsicherheit und Labilität aller Beteiligter. Ständig die Angst im Nacken, entlarvt zu werden, wenn die Maske der unerschütterlichen Stärke einmal verrutscht – das ist doch eher ein übles Gefängnis als wirkliches Leben. Und Stress pur.
Was ein „Battle-Buddy“ in der Szene bewirken kann
Wie entspannend und bereichernd wäre es hingegen, fiele es auch Männern leichter, sich mit Fragen zur eigenen Sexualität oder Gefühlswelt vertrauensvoll und angstfrei an gute Kumpels wenden zu können. Jemand, der einem den Rücken stärkt, wenn man sich fragt: „Sind meine Vorlieben eigentlich normal?“ oder „Wie gehst du damit um, wenn es mal schwerfällt, sich an bestimmte Regeln zu halten?“
Ein echter Austausch nimmt den Druck. Er nimmt die Scham. Wenn ihr merkt, dass der gestandene Kerl neben euch die gleichen Sehnsüchte und Zweifel hat, bröckelt die Isolation. Und das ist keineswegs ein Verlust an Männlichkeit, sondern vielmehr ein massiver Gewinn an Selbstbewusstsein und Freiheit. Tatsächlich habe ich es schon persönlich öfter miterlebt, wie gut es Malesubs tun kann, wenn sie es schaffen, tatsächlich miteinander zu sprechen. Direkt wird klar: Ich bin da keineswegs allein in meiner Gedankenwelt. Und auch nicht „merkwürdig“ oder gar „peinlich“.
Männer, hört auf, euch selbst zu schwächen!
Ich weiß, allein der Gedanke, mit einem anderen Mann offen über ein so intimes Thema zu sprechen, verursacht bei den meisten schon fast panikartige Zustände. Das ist absolut schade. Und ganz ehrlich: Jungs, ihr schadet euch mit dieser albernen Pseudocoolness selbst. Eurer Beziehung und uns Frauen auch.
Ihr verbaut euch jeglichen Zugang zu neuen Perspektiven eurer Geschlechtsgenossen und verschanzt euch mühsam hinter einer kräftezehrenden Fassade aus Gefühlslosigkeit und Unfehlbarkeit. Ist euch klar, dass ihr euch damit selber schwächt? Als Individuum wie auch als Gruppe? Und für wen?
Wir Frauen denken bestimmt nicht schlechter von euch, wenn ihr euch mit euren Emotionen auseinandersetzt. Im Gegenteil: Kaum etwas würde uns mehr erfreuen als solch eine Bereitschaft für inneres Wachstum. Ein reflektierter Mann, der seinen selbst gewählten Platz kennt und genau da ist, wo er sein möchte, ist um Welten attraktiver als jeder angestrengt coole Typ.
Mein konkreter Tipp: Es muss ja nicht gleich das volle Seelen-Striptease zu viert an der Bar sein. Manchmal reicht es schon, beim nächsten Stammtisch einfach mal offen zu fragen: ‚Wie war dein Weg in die Szene?‘ – der Rest ergibt sich meist von selbst.
Der erste Schritt aus der Einsamkeit
Wirklich, versucht es doch einfach mal: Auf so vielen Stammtischen, Femdom– oder BDSM-Events findet ihr jede Menge Männer, die ähnliche Sehnsüchte, Fragen oder Wünsche haben wie ihr. Nahezu jeder davon steht wahrscheinlich gefühlt ziemlich einsam auf weiter Flur. Das muss so nicht bleiben. Ihr könnt das ändern – euch zuliebe und unserer Dynamik zuliebe.
Ihr würdet wohl ziemlich schnell merken, wie gut so ein angstfreier Austausch tun kann und wie gestärkt man daraus hervorgeht. Da bin ich sicher.
Wie sieht es bei euch aus? Habt ihr einen „Gleichgesinnten“, mit dem ihr offen reden könnt, oder fehlt euch dieser Austausch? ich bin gespannt auf eure Perspektive!
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