Ist die FLR auch eine Liebesbeziehung?

Kann sich eine FLR anfühlen wie eine „ganz normale“ Liebesbeziehung? Meine klare Antwort: Ja, absolut!


Eine Beziehung mit definiertem Machtgefälle kann ebenso liebevoll, verspielt, fröhlich und diskussionsfreudig sein wie eine herkömmliche Beziehung auf Augenhöhe.

Sie braucht dafür, wie jede andere funktionale Partnerschaft auch, Liebe, Vertrauen, beidseitigen Respekt und den Willen zur Kommunikation.


Ich weiß, dass die FLR von vielen Seiten gerne so dargestellt wird, als wäre sie eine 24/7 währende Dominasession. Das ist völliger Schwachsinn und letztendlich weder eine gesunde noch eine realistische Vorstellung.

Ja, eine FLR bleibt konstant im Machtgefälle. Sie wird nicht nach Bedarf an- und ausgeschaltet, sondern bietet einen soliden, klaren Rahmen und Orientierung durch eindeutige Positionierung. Sie bleibt lebendig und kann gemeinsam natürlich nachjustiert werden, muss aber keinesfalls andauernd neu verhandelt werden, denn dies bringt nichts als Stress und Unsicherheit in die Beziehung.


Sie soll Spaß machen. Schmetterlinge im Bauch, Herzchen zur Mittagspause per Messenger, geteilter Frust über nervige Elternabende, gemeinsamer Serienmarathon auf der Couch.

Nur weil ich dominant bin, bin ich doch weder mies drauf noch humorlos. Auch ich lehne mich gerne an, kuschle sonntags bis mittags im Bett, übernehme mich bei der Familienfeierplanung und heule, wenn der blöde Hund im Film stirbt.
Und ich brauche einen Mann, der das alles nicht nur akzeptieren, sondern genießen kann.

Ein Sub ist nicht schwach und auch garantiert nicht ohne eigenen Willen. Er hat sich vielmehr freiwillig und durchdacht dafür entschieden, mir die Führung zu überlassen. Nicht weil er es nicht alleine kann, nicht weil er es „muss“, sondern weil es sich erst so richtig gut anfühlt – und wir das exakt so haben wollen.

Nur gemeinsam ist man ein Team. Ja, auch in der FLR.

Was also gar nicht genug betont werden kann: Eine D/s-Dynamik ist definitiv kein Ersatz für eine Beziehung. Sie ist ein gemeinsamer Nenner, auf den sich zwei Menschen geeinigt haben, und eine von vielen Arten, eine gesunde und liebevolle Beziehung auszugestalten. Sie kommt, wenn es nach mir geht, zusätzlich zur Liebe, nicht an ihrer statt.


Immer wieder bekomme ich mit, dass sich Männer eine FLR wünschen, um „Verantwortung abzugeben“, „den Kopf abzuschalten“, um keine echte Beziehungsarbeit leisten oder nicht kommunizieren zu müssen. Das wird, da bin ich mir sicher, auf Dauer nicht funktionieren.

Eine D/s-Beziehung verlangt all den Aufwand, all das Mitdenken und all die Arbeit wie eine Vanilla-Beziehung auch. Und on top kommt dann noch einiges dazu – für beide. Auf der Soll-, aber eben auch auf der Habenseite. Und das ist es absolut wert.

Kommentare

  1. Avatar von

    Meiner Meinung nach ist Liebe in einer FLR genauso wichtig und vorhanden wie in jeder anderen Beziehungsform auch. Denn eine echte Beziehung, in der Menschen einen Lebensabschnitt teilen wollen, muss alltagstauglich sein und von beiden gepflegt werden, egal ob FLR oder nicht.

    Bei uns ist es jedenfalls so dass wir uns gegenseitig Aufmerksamkeit schenken, viel miteinander lachen und ich in unserer Familie ein Ruhepol bin, bei dem man Trost und Hilfe bekommt. Natürlich ist meine Partnerin führend, nur muss sie dafür nicht permanent steuern und lenken, das wäre für alle eher anstrengend als hilfreich. Eine FLR in der die Frau dauernd regelt ist wie wenn man versucht eine Drohne zu fliegen, bei der man alle Motoren ständig selbst steuern muss um sie in der Luft zu halten. Das geht, ist aber sehr anstrengend und das kann die Drohne besser selbst, sodass man sich auf das wesentliche konzentrieren kann, die Richtung vorzugeben.

    LG KHM

  2. Avatar von

    Sie muss halt wissen, was sie will, und vor allem, was sie braucht, um sich und ihr Wesen voll zu entfalten. Die wilde, freie Frau. 🙂 Daran muss ich immer wieder denken, wenn ich mich durch sein Verhalten eingeschränkt und kleiner fühle, als ich bin. Männer haben es drauf, Frauen zu beschneiden. Das geschieht so häufig! unbewusst, weil das System, in dem wir leben, das so vorgesehen hat. Es ist ganz auf die Bedürfnisse von Männern ausgerichtet.

    Männer dürfen das in einer FLR verlernen. Und das ist zunächst einmal furchtbar unkinky. Genau diesen Punkt kriegen die meisten leider gar nicht.

    S_C

  3. Avatar von

    Liebe Commandress, ich bin neu im FLR und BDSM-Umfeld, und vielleicht verstehe ich vieles falsch, daher frage ich, möchte dabei in keiner Weise werten.

    In vielen Beiträgen zu FLR sind die AutorInnen ganz schnell an dem Punkt, an dem der Mann in der FLR

    -) nie weiß, ob er am Tisch sitzen und vom Teller essen, oder am Boden aus dem Hundenapf zu (fr)essen hat

    -) ob er ohne zu fragen über 5€ verfügen darf, um sich eine Zeitung zu kaufen

    -) ob er die Nacht im Bett oder im Keller in einer kalten Hundehütte zu verbringen hat

    -) ob er sich am Abend mit seinen Freunden treffen darf

    -) ob und ggf. wann er für alle Nachbarn sichtbar nackt mit Peniscage von außen die Fenster des Hauses zu putzen hat

    Und so geht das weiter. Wie geht das zusammen mit einer PARTNERschaft, in der man gemeinsam lacht oder sie sich sogar an ihn anlehnen möchte? Ich verstehe das noch nicht, vielleicht kannst Du es mir erklären oder einen Hinweis geben, wo ich etwas ganz falsch verstehe.

    Vielen Dank!

    1. Avatar von Commandress

      Tja, eine schöne Frage. 🙂
      Definitiv sind viele deiner aufgelisteten Punkte Themen, die in einer FLR mit BDSM Elementen (es gibt FLRs auch ohne diese!) aufkommen dürften.

      Der Knackpunkt daran ist aber: die Basis einer FLR ist eine Partnerschaft. Eine Liebesbeziehung, weiblich geführt. Und beide Menschen in dieser Beziehung haben Freude am Kink – also womöglich eben auch an den von dir genannten Themen und Spielideen.
      Es ist ganz *definitiv nicht* so, dass die dominante Frau das alles dem Mann aufzwingt und er eigentlich gar nichts davon für sich so wollte.

      Und ganz ehrlich: wirklich *alle* FLR Paare die ich kenne, schauen genau so gerne abends miteinander Filme, kuscheln, machen ihe doofen Steuererklärungen, gehen zusammen in den Urlaub und lehnen sich aneinander an wenn sie es brauchen.

      Deine Punkte sind einfach kinky Spielelemente, die manche Menschen eben genießen können. Die einen nur als kleines, sehr intimes Highlight hier und da, die anderen recht exzessiv und ausgedehnt.
      Lebensfähig wollen wir aber auf Dauer alle bleiben.

      1. Avatar von

        Liebe Commandress, vielen Dank für Deine Antwort! Sie hilft mir weiter zum Verständnis, dass die Sex- / BDSM-Elemente nicht unbedingt zu einer FLR gehören, aber mir ist trotzdem noch nicht klar, wie es täglich abläuft / ablaufen kann. Ich habe verstanden: eine FLR ist KEINE Beziehung auf Augenhöhe, ganz klar. Sie entscheidet. ALLES. Um nicht zu sagen, sie diktiert. Wenn ihre Diktate ihm gefallen: schön für ihn. Wenn nicht: egal! Er hat sich einmal für die FLR entschieden, jetzt hat er zu gehorchen, jetzt hat er alles zu akzeptieren, was sie diktiert, oder kommandiert („Commandress“). Gleichzeitig schreibst Du an anderer Stelle, dass sein Mitdenken, seine Aktivität unbedingt wichtig sind, damit eine FLR funktionieren kann. Dazu habe ich nicht verstanden, WAS oder WO er mitdenken und von allein handeln darf. Von den einfachen Dingen angefangen: darf er ungefragt von einem Teller essen? Darf er beim Fernsehen ungefragt neben ihr auf dem Sofa sitzen, oder nur auf Kommando, weil ihr wegen des im Film sterbenden Hundes zum Heulen ist, er sie trösten soll, und wenn es ihr wieder besser geht hat er zu verschwinden? Darf er ungefragt entscheiden, welches Hemd er ins Büro anzieht? Darf er ungefragt entscheiden, dass er sich nächste Woche, wenn sie beim Sport ist, mit seinen Freunden trifft? Darf er ungefragt entscheiden, einen Busch im Garten abzusägen?Ich werde das Bild nicht los, dass er in einer FLR alle niederen Dinge, alles was lästig und anstrengend ist durch ihn erledigen ist, und er ansonsten keine Ansprüche zu stellen hat, insbesondere sie nicht durch die Anwesenheit seines niederen Körpers und seiner niederen Instinkte und Gedanken zu belästigen hat, während sie in „göttlichen“ Sphären schwebt, dafür den Rücken freigehalten bekommt um auszugehen, schön zu sein, sich mit ihren Freundinnen oder Freunden zu treffen, Sport zu treiben oder ggf. auch ihre Lover zu daten.

        Ist es im Alltag annähernd so, oder doch ganz anders? Ich kriege das immer noch nicht klar.

        Vielen Dank für Deine nochmalige Antwort!

      2. Avatar von Commandress

        Nun, da kommt es, wie grundsätzlich bei *allen* Beziehungsformen wohl ganz darauf an, welche zwei Menschen da zusammenkommen und wie es ihnen gefällt.
        Es gibt sehr strenge, alle Lebensthemen umfassende FLRs und solche, denen man es von außen gar nicht anmerkt, dass sie das Sagen hat.

        Ein „er hat sich einmal entschieden, nun hat et zu gehorchen“ ist zwar eine nette Idee, aber in der Realität doch eben gar nicht umzusetzen. Wenn die Beziehung für ihn so nicht mehr tragbar ist, dann wird er sich wohl trennen und gehen. Da helfen dann auch keine „Verträge“, Absprachen oder Versprechen.
        Und genauso wird sie sich trennen, wenn die Beziehung sich als nicht das Richtige für sie heraus stellen sollte.
        Es sind schließlich nur zwei Menschen, die ihre gemeinsame Vorstellung einer Partnerschaft leben wollen.

        Wie die Dynamik in meiner letzten FLR abgelaufen ist, kannst du in diesem Blog wohl ganz gut in den Beiträgen „Er darf schreiben über…“ nachlesen. Die sind allesamt aus der Sicht meines damaligen Partners geschrieben und wurden auch von ihm alleine verfasst.
        Ich denke, die geben einen guten Einblick in seine Sicht der Dinge.

        Sprich: mein Partner darf mich *immer* trösten, wenn ich traurig bin (ich erwarte das auch von ihm) und er soll danach nicht verschwinden, er darf zur Arbeit (fast immer) tragen was er will, er darf keinen Busch im Garten ungefragt umsägen (weil der Garten mein Projekt ist), ich freue mich wenn er regelmäßig soziale Kontakte pflegt, genieße es aber, wenn ich dazu gefragt werde. Auch darf er mit am Tisch vom Teller essen, es sei denn, ich bin gerade in besonderer Spiellaune, dann geht’s durchaus vielleicht auch mal nackt unterm Tisch, aus dem Napf. Ich wage aber zu behaupten, dass ihm das auf einer besonderen Ebene mindestens ebenso viel Freude macht, wie mir.
        Aber ja, in einer FLR stelle ich gerne gewusse Regeln auf. Über die gibt’s hier auch schon einiges zu lesen.

        Das, was du da im Kopf hast, ist eine Extremvorstellung – und zwar deine.
        Klar, kann sein, dass es das gibt, ich selber habe diese Form der FLR aber tatsächlich – also in der Realität – so noch nirgends dauerhaft gelebt gesehen. Und ich bin wirklich gut in der Szene vernetzt.
        Es ist eher ein extremes Kopfkino. Und zwar ein männliches.

        Stelle dir eine strenge Form der FLR vielleicht eher vor wie die Beziehungen, wie sie in den 50er geführt wurden, nur eben mit umgekehrten Rollenbild (und eventuell BDSM Elemente). Meist sogar eher liberaler. Dann bist du wohl nah dran, an der Realität.

        Spannend finde ich es ja, wie sich das viele Männer so brutal und allumfassend herbeifantasieren, aber gleichzeitig auch so voller Abwehr und Ressentiments über etwas reden, was ihnen überhaupt niemand aufzwingen möchte!
        Sollten sich zwei Menschen für solch eine Extremform der FLR zusammentun, werden sie es wohl beide genau so haben wollen und genießen. Sie leben damit ihre BDSM Fantasien und ihre Neigungen aus.

        Es ist wirklich nicht so, dass Femdoms durch die Straßen marodieren und arme Männer mit dem Kescher einfangen, um sie zu ihren willigen, hörigen Sexsklaven zu machen.
        So schade das auch mancher finden mag. ^^

  4. Avatar von

    Liebe Commandress, ich bin neu im Thema FLR, und ich glaube, dass es ganz viele verschiedene Ideen gibt, was denn eine FLR sei. Ich lebe seit 44 Jahren mit meiner Frau zusammen, ich würde unsere Beziehung als sehr „Vanilla“ einschätzen. Nun habe ich einiges über FLR gelesen und bin verunsichert, was denn eigentlich eine FLR im Kern, im täglichen Leben ausmacht, daher frage ich. Ich will ausdrücklich weder werten noch beurteilen, sondern nur verstehen. Bei fast allen Blogs, die ich zur FLR gelesen habe, kommen die AutorInnen sehr schnell an folgenden, als charakteristisch für eine FLR bezeichneten Beispielen an:

    -) er muss seine Partnerin immer mit „Herrin“, „meine Göttin“ o.ä anreden

    -) er muss fragen, ob er 5 € für den Kauf einer Zeitschrift haben darf

    -) er muss fragen, ob er am Tisch vom Teller essen darf, oder ob er am Boden aus einem Hundenapf (fr)essen muss

    -) er muss immer fragen, ob er aufs Klo gehen darf

    -) er muss immer fragen, ob er sich gelegentlich mal mit seinen Freunden treffen darf

    -) sein Zugang zum Internet und zu sozialen Netzen wird nach Belieben eingeschränkt

    -) wenn sie es anordnet muss er sich 30 Min in eine Zimmerecke stellen und die Wand anschauen, nur so

    -) er weiß nie, ob er die nächste Nacht in seinem Bett verbringen darf, oder in einer kalten Hundehütte im Keller

    -) wenn sie es anordnet, hat er nackt, aber mit Peniscage für alle Nachbarn sichtbar auf der Leiter von außen die Fenster des Hauses zu putzen

    Usw., usw.

    Ich verstehe in keiner Weise, was das mit Partnerschaft, Respekt oder gar mit Liebe zu tun haben soll. Für mich ist das totale Selbstaufgabe und Willenlosigkeit, ein Leben in Tyrannei. Wenn ich so leben müsste, würde ich nur noch auf einen möglichst schnell eintretenden Tod hoffen.

    Da ich nicht wirklich glaube, dass alle FLRs so ablaufen frage ich hier, wie denn eine „gemäßigte“ FLR im täglichen Ablauf aus Deiner Sicht aussehen kann, was er alleine entscheiden kann und darf, und wo er von Ihren Anordnungen abhängig ist.

    Und: wo da der Raum für Nähe, für Liebe, für Schmetterlinge im Bauch ist. Bei mir kommen bei dem, was ich in vielen Blogs lese, nur Assoziationen an Guantanamo oder auch an ein KZ hoch. – Daher meine Frage, wie es aus Deiner Sicht realistischer aussehen kann.

    Vielen Dank für Deine Antwort!

  5. Avatar von

    Liebe Commandress, vielen Dank für Deine Geduld und Deine nochmalige, ausführliche Antwort. Ich denke, ich sehe jetzt klarer, insbesondere auch dahingehend dass ich es begrüße, dass keine Femdoms mit Keshern durch die Straßen ziehen und Männer wegfangen – ich würde in solch einer Beziehung wohl nicht glücklich werden. Hab nochmals vielen Dank, und Dir alles Gute – Du kannst es gebrauchen!

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von Die Commandress

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen