Alleine geht’s nicht

In einer Female Led Relationship liegt die Führung bei der Frau. Das ist das Grundgerüst dieser Beziehungsform, klar.

Doch damit dieses Gerüst überhaupt eine Chance hat, stabil zu bleiben und nicht unter der Last des Alltags oder emotionaler Einseitigkeit zusammenzubrechen, braucht es zwei aktive Menschen. Eine harmonische FLR kann und soll keine Einzelleistung sein, sondern immer ein gemeinsamer Wunsch, der von der Energie beider Seiten lebt.

Verantwortung wird viel zu oft allein der dominanten Seite zugeschrieben, doch das Führen und das Folgen sind zwei Hälften, die nur zusammen ein Ganzes ergeben. Während sie den Rahmen vorgibt, Entscheidungen trifft und die Richtung weist, ist sein Folgen eine bewusste Entscheidung, die eben auch täglichen Einsatz erfordert. Er folgt, indem er diesen Rahmen aktiv ausfüllt, sie entlastet und die Strukturen im Alltag stützt. Wenn einer von beiden geistig auscheckt, verliert die Beziehung augenblicklich ihr Gleichgewicht – ein Zustand, der alleine nicht gerichtet werden kann, egal wie sehr man sich bemüht und egal wie sehr es schmerzt.

Ich denke jeder Mensch, der schon mal eine Partnerschaft mit Machtgefälle hatte, weiß wahrscheinlich wovon ich spreche.

Ein echt weit verbreiteter Irrtum ist übrigens, dass ein devoter Mann keine Wünsche oder Grenzen äußern darf, um die Autorität der Frau nicht zu untergraben. So ein Quark. Ich lese und höre das immer wieder, aber genau das Gegenteil ist der Fall: Eigeninitiative, klare Bedürfnisäußerungen und das Kommunizieren von Grenzen sind absolut essenziell für eine gesunde Dynamik! Das hat wirklich nichts mit „Topping from the bottom“ zu tun, also dem Versuch, die Führung durch Manipulation an sich zu reißen. Nein, es ist die notwendige Voraussetzung dafür, dass sie überhaupt gut, sinnvoll und gerecht führen kann.

Wer schweigt und den Seestern macht, nimmt der Partnerin die Chance, eine informierte Anführerin zu sein. Und wer nicht offen spricht, sondern nur im Nachhinein kritisiert und nörgelt, tötet zuverlässig jegliche Lust. Darauf kann man sich verlassen.

Absolute Passivität wird viel zu oft mit  Devotion verwechselt. In Wahrheit ist sie leider nur unterlassenes Handeln. Es mag bequem erscheinen, jede Entscheidung und jede Initiative an der Garderobe abzugeben und gegen das Halsband einzutauschen, aber für die dominante Partnerin bedeutet das eine enorme, oft erdrückende Belastung, der sie gar nicht gerecht werden kann – und nicht gerecht werden wollen sollte.

Echte Führung in einer liebenden Beziehung wird unmöglich, wenn nur eine Person Energie investiert. Wer sich nur bespielen oder anleiten lässt, ohne selbst in Aktion zu treten, verhält sich konsumorientiert statt partnerschaftlich. Eine FLR braucht nämlich die volle Präsenz und aktive Eigenverantwortung beider Menschen. Ja, auch vom Sub.

Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass ein aktiver, verantwortungsbewusster Partner letztendlich für eine dominante Frau weitaus attraktiver sein wird, als ein rein passiver Befehlsempfänger. Seine Eigeninitiative ist definitiv kein Angriff auf ihre Autorität, sondern ein unschätzbar wertvoller Beitrag.

Erst wenn sie sich ernsthaft darauf verlassen kann, dass er mitdenkt und seinen Teil der Last ohne ein „Das hast du mir nicht gesagt!“ trägt, bekommt sie den Kopf frei, um die Dynamik so richtig zu genießen. Seine Aktivität schafft überhaupt erst den Raum, in dem sie ihre Dominanz voll entfalten kann – und macht die Beziehung für beide Seiten lebendig.

Das gilt natürlich auch für das Spiel mit dem Kink. Erotische Machtdynamiken sind keine Dienstleistung und die dominante Frau ist keine Animateurin. Ich bin nicht dein kinky Disneyland!

Und, das muss man mal ganz klar sagen: Kink ist zudem ganz definitiv kein Therapieersatz. Nicht in der FLR und auch sonst nirgendwo.

Damit diese Form der Erotik (so wie wahrscheinlich jede andere Form auch) dauerhaft schön und bereichernd bleibt, müssen beide Seiten erwachsen und reflektiert agieren. Ohne diese Reife hat eine Partnerschaft kaum eine reelle Chance auf Beständigkeit. Das ist nunmal so.

Als dominante Frau brauche ich einen starken,  devoten Mann an meiner Seite, der bereit ist, mit mir an einem Strang zu ziehen und seinen Beitrag auf allen Ebenen zu leisten.

Ich brauche keinen Zuschauer und keinen Nutznießer, sondern einen Partner, der versteht, dass Führung nur dort funktioniert, wo auch aktiv gefolgt wird.

Eine FLR ist ein gemeinsamer Weg – und dieser erfordert von beiden volle Kraft und vollen Einsatz.

Kommentar

  1. Avatar von

    Was sie sagen ist absolut richtig, das ist genau meine Linie.

    Jede Beziehung, egal ob FLR oder traditionell, erfordert auf Dauer beidseitige Investition. Sobald eine Seite hauptsächlich konsumiert und die andere permanent leistet, wird es ungesund, unabhängig davon, ob Frau oder Mann überlastet wird.

    Ich als Mann in einer FLR erlebe es als sehr erfüllend wenn meine Partnerin dominant und gestaltend ist und natürlich bestünde dabei die Gefahr, sie zu überfordern. Für mich entsteht die Balance daraus, dass ich mir dann bewusst mache, dass ich sie liebe und möchte, dass es ihr gut geht und sie sich entfalten kann.

    Spannend finde ich auch den Punkt mit den eigenen Bedürfnissen. Diese zu äußern oder sogar Führungsentscheidungen zu hinterfragen ist in einer FLR durchaus sensibel. Man bewegt sich da schnell in Richtung „topping from the bottom“. Deshalb überlege ich sorgfältig, wie ich diese Themen anspreche. Meist gelingt mir das gut, manchmal ist meine Partnerin auch wenig erfreut und reagiert dann entsprechend klar, was ich auch begrüße. Trotz gelegentlicher Reibung ist uns diese Offenheit wichtig und meiner Meinung nach gerade einer der großen Vorteile einer FLR, weil Verantwortung und Konsequenzen klar geregelt sind.

    LG KHM

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