Kink Park Convention – ein Ausflug in zwei Welten

Manchmal braucht es einfach den perfekten Rückzugsort, um sich kopfüber in das Unbekannte zu stürzen. Für meinen Besuch der Kink Park Convention  in Osnabrück war dieser Ort ein altes, wirklich mehr als liebevoll restauriertes Reitergehöft.

Schon beim Durchfahren des Grundstückstores fühlt man sich in eine andere Welt versetzt: Vom unansehnlichen Gewerbegebiet drumherum ist nichts mehr zu erahnen – man ist gedanklich direkt in seinem ganz eigenen Bridgerton-Szenario angekommen. Es hilft natürlich ungemein, wenn man dabei standesgemäß chauffiert wird – eine Aufgabe, in der Darren sich zurzeit recht regelmäßig beweisen darf.

Das Hotel Rittergut Osthoff ist einer dieser Orte, an denen antikes Mauerwerk auf modernes Lichtdesign trifft. Überall liegen bunte, antike Teppiche, alte Ölgemälde zieren die abwechslungsreich gestalteten Wände, während verspielte Möbel mit einem modernen Twist zum gemütlichen Verweilen einladen. Unser Zimmer bot den Blick auf eine weitläufige, gepflegte Parkanlage, einen hübschen Teich und die Ställe – eine Idylle, die in krassem Gegensatz zu dem stand, was uns auf der Convention erwartete.

Mad Max trifft apokalyptischen Zirkus

Der Hyde Park in Osnabrück ist keine sterile Messehalle. Er ist anarchistisch, rau und trägt eine ordentliche Portion neonfarbenen Punk-Rock in und auf den wild besprayten Mauern. Ein bisschen Mad Max, ein bisschen apokalyptischer Zirkus. Diese unpolierte Atmosphäre bildete den perfekten Rahmen für eine Messe, die zwar vergleichsweise überschaubar, aber in ihrer Vielseitigkeit einfach mitreißend war.

Ursprünglich war ich offiziell als Fotografin für zwei der Shows angereist, wurde jedoch direkt am Eingang von den Betreibern rekrutiert, auch das allgemeine Messegeschehen atmosphärisch einzufangen. Bei so einer Gelegenheit lasse ich mich natürlich nicht lange bitten!

Emotionen durch die Linse

Wenn ich durch den Sucher meiner Kamera schaue, suche ich in erster Linie nach echten Emotionen. Und die Kink Park hat rundum geliefert: Nach der beeindruckend akrobatischen Vorführung der energetischen Poledance-Gruppe (die erfreulicherweise nicht rein weiblich besetzt war), wurde es mit der Shibari-Darbietung von Blue Ropes gefühlvoll. Das ungewöhnliche Blau der Seile auf der hellen Haut der anmutigen Ukete war ein visuelles Gedicht – ein Moment, in dem die Zeit in der Halle für einen Augenblick stillzustehen schien.

Der krasse Gegenpol zu sinnlichem Seilspiel und leiser Hingabe war die brachiale BDSM-Show von Couple Baphomet am Abend – der eigentliche Grund, warum ich den weiten Weg auf mich genommen hatte. Hier gab es kein Zögern: Treibende Bässe ließen die Bühne vibrieren, während züngelnde Flammen die Luft erhitzten. Stiebende Funken und deutliche Spuren auf der Haut – für diese Künstler ist es offenbar erst BDSM, wenn der Feuerlöscher neben der Flex bereitstehen muss. Definitiv nichts für schwache Nerven!

Inspiration und kreative Gemeinheiten

​Für Darren war es der erste Besuch einer solchen Messe. Zwischen meinen Foto-Einsätzen nutzten wir die Zeit, um uns treiben zu lassen. Wir ließen uns an den Ständen inspirieren, uns ganz neue Tools erklären und – natürlich – wanderte auch das eine oder andere Stück in unsere Tasche.

Dass man mir keine kreativen Gemeinheiten wie diese verdammt fiesen, neuartigen Nippelklammern (von DeWart Design) zeigen kann, ohne die Konsequenzen zu tragen, muss Darren wohl noch lernen. Ich selbst wäre am liebsten am Stand von Martyrius mit seinen schweren, hochwertigen Schlagwerkzeugen in einen Kaufrausch verfallen. So schöne Spielsachen – ich will sie alle haben!

Zwischen den Fotoeinsätzen und dem Stöbern blieb sogar Raum für ein wenig mindfuck-getriebenes Spiel untereinander, mitten in dieser knisternden, kreativen Energie der Messe. Ich weiß auch nicht, aber meine sadistische Kreativität sprudelt gerade wieder über. Da kann man nichts machen – die braucht nun mal ihr Outlet.

Oh, à propos Sadismus, hier noch eine kleine Kritik am Rande: das, was uns da als angeblicher Hot Dog an der Theke untergejubelt wurde, war übrigens schon fast safewordwürdig, ich muss schon sagen!

Das Fazit

Die 430 Kilometer Rückweg vergingen wie im Flug, weil unsere Köpfe noch voller Bilder waren. Außerdem gibt es zwischen uns sowieso immer so viel zu bereden, dass eigentlich jede gemeinsam zurückgelegte Strecke zu kurz erscheint.

Das Geheimnis dieses Wochenendes? Der krasse Wechsel zwischen den Welten. Die raue Energie und den Punk der Kink Park mitzunehmen und sie am Abend in der geborgenen Atmosphäre unseres eleganten Hotelzimmers nachwirken zu lassen. Kink und BDSM sind eben mehr als eine Show – sie sind das, was man daraus macht, wenn die Scheinwerfer ausgehen und man sich wieder ganz aufeinander konzentriert.

Der knallbunte Stand von DeWart Design

(Wie immer gilt: dieser Beitrag ist ein persönlicher Erfahrungsbericht, keine Werbung. Ich bekomme  dafür weder Geld noch Vergünstigungen oder andere Zuwendungen.)

Antworten

  1. Avatar von Mr Baphomet

    Toll geschrieben!

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  2. Avatar von

    so ein schönes Resumee, danke!

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