Aufgrund meines Beitrages „Warum überhaupt FLR?“ wurde ich von einem Leser gefragt, weshalb ich der Meinung sei, eine FLR (Female Led Relationship) sei auch für die Frau nicht unbedingt weniger anstrengend als eine Beziehung auf Augenhöhe. So, wie er das verstünde, müsse die Frau doch nichts weiter tun, als Anordnungen zu geben, Regeln aufzustellen und klar zu kommunizieren, was sie erwarte. Danach könne sie sich getrost und entspannt zurücklehnen, während der Mann die ganze Arbeit erledige – vom Haushalt über das Geldverdienen, die Bürokratie, Kinder und Hund bis hin zum Garten und dem Kink.
Ach ja? Meiner Erfahrung nach ist dem ganz und gar nicht so.
Gut, es kann natürlich sein, dass ich da so einiges falsch mache. Ich lese schließlich auch auf anderen FLR-Seiten mit – und die Damen dort scheinen es meist erstaunlich leicht zu haben: Mindestens drei durchtrainierte, devote, reiche und selbstverständlich dauerkeusche Subs kümmern sich im Schichtbetrieb um alle Bedürfnisse der Dame, selbstredend ohne jemals auch nur ein Wort des Anspruchs verlauten zu lassen.
Also nein, ganz ehrlich: Egal, was dort steht – so ist es nicht.
Ich bin wirklich ausgesprochen gut vernetzt, sowohl mit Femdoms als auch mit anderen D/s-Paaren. Ich spreche viel über dieses Thema und lese auch gerne darüber. Aber diese Vorstellung der Göttin auf dem Podest, die keinen Finger mehr rührt, kann ich aus dem realen Leben nicht bestätigen.
Auch in einer FLR sind es meist die Frauen, die die Beziehungs- und Care-Arbeit leisten. Und die Femdom ist es, die den Kink gestaltet. Nur sehr wenige Subs kommen im Alltag überhaupt jemals auf die Idee, selbstständig und ohne Aufforderung z. B. das Knie zu beugen. Wenn, dann muss sie das schon verlangen – im Idealfall direkt mit einem fertigen Spielangebot in der Tasche.
Ich glaube, eine der größten Schwierigkeiten beim Aufbau einer FLR ist es, verständlich zu machen, dass solch eine Partnerschaft nicht das Tauschgeschäft „Kink gegen Abwasch“ bedeutet.
Ich weiß, das wird oft anders propagiert. Selbst in Büchern zum Thema lese ich öfter Ratschläge an den Mann wie: „Erklären Sie Ihrer Frau, welche Vorteile sie davon hätte, wenn Sie für sie den Haushalt übernehmen, dann lässt sie sich gerne auf eine FLR ein.“
Ich empfinde so etwas als grundfalsch. Erstens bedeutet das nämlich ganz konkret: „Ich mache dir so lange den Haushalt, wie du meinen Kink bedienst“, und zweitens soll da jemand zu einer Beziehungsform und Erotik gedrängt werden, die sie sich von sich aus gar nicht wünscht.
Eine Femdom ist keine Gratis-Domina. Und eine Domina hat garantiert einen höheren Stundensatz als eine männliche Putzkraft. Die Rechnung geht also nicht auf.
Eine FLR funktioniert nur, wenn beide Beteiligten sie auch wirklich wollen – und gemeinsam daran arbeiten, Hand in Hand. Diese Arbeit kann zwar schön und bereichernd sein, ist aber garantiert nicht weniger anstrengend als jede andere Art von Beziehungsarbeit.
Man muss miteinander reden, sich zuhören, Rückschläge in Kauf nehmen, sich auf den anderen einlassen und Verständnis aufbringen. Nur so kann es vorwärtsgehen.
Dazu kommen nicht selten extrem hohe Erwartungshaltungen, vorgefertigte Meinungen und unrealistische Vorstellungen, die die Sache nicht einfacher machen.
Klar, ich kenne auch Femdoms, die behaupten, dass sie sich auf keinerlei Wünsche des Subs mehr einlassen wollten. Wie das dann dauerhaft als Partnerschaft funktionieren kann, ist mir persönlich schleierhaft. Ich bin mir jedoch sicher, dass auch das nicht dazu beiträgt, die Beziehung weniger anstrengend zu machen.
Und mal ganz abgesehen von all dem: Führung – echte, durchdachte, ernst gemeinte Führung – ist anstrengend. Und gegen Widerstände (die es eben auch geben wird, immerhin sind wir alle Menschen) ist sie sogar verdammt anstrengend.
Als Frau in einer FLR übernimmst du Verantwortung für einen anderen Menschen und euren gemeinsamen Weg.
Für mich gibt es ganz sicher kein besseres oder schöneres Beziehungsmodell. Aber wer denkt, dass das ein Kinderspiel sei, liegt sehr, sehr falsch.
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