Warum überhaupt FLR?

Wichtig ist es, sich selbst die Frage zu stellen, was man von dem Beziehungsmodell FLR überhaupt erwartet. Warum man es sich wünscht, aber auch, was man tatsächlich bereit ist zu geben und zu investieren.


Ich sage es ganz knallhart: In einer FLR ist das Leben für niemanden „einfacher“. Weder für die Frau, die so viel Verantwortung hinzugewinnt, noch für den Mann, der sich eventuell sehr zurücknehmen und Neues leisten muss.

Aber sicher wird es, wenn sich die zwei Richtigen finden, schöner. Viel schöner! Und spannender. Interessanter. Kreativer und geordneter. Und auch emotional sicherer. Erotischer.


Meine Erwartungen als Frau an eine FLR sind in erster Linie, dass beide Beteiligten genau dieses Modell wünschen – und sich im Klaren darüber sind, was das bedeutet.

Lebe ich eine FLR, so will ich meine Stellung darin nicht immer wieder neu ausdiskutieren und verteidigen müssen. Man lebt es, weil man es so haben möchte. Oder man lässt es gleich.


Aber warum möchte man es so haben? Das ist vielleicht keine so leicht zu beantwortende Frage.


Ich für meinen Teil sehe mich in diesem Beziehungsmodell, weil es meinem Charakter entspricht. Ich führe nicht, weil ich darin meinen persönlichen Vorteil gesichert sehe, sondern weil ich weiß, dass ich es gut mache. Und ausgesprochen gerne. Es gibt mir Sicherheit, Zufriedenheit und macht mich glücklich.

Ich blühe auf, wenn ich jemanden führe, der von Herzen geführt werden möchte.

Tatsächlich bin ich nicht sehr regelfanatisch oder pedantisch. Aber ich mag es, wenn ich mir sicher sein kann, dass die Regeln, die ich aufstelle, ernst genommen und befolgt werden. Das ist wundervoll. Je deutlicher mir gezeigt wird, dass mein Führungswille auf Gegenliebe stößt, desto stärker und freier werde ich.


Ich möchte so ein Modell ganz sicher niemandem überstülpen, der es nicht haben will.

Ich werde niemals jemanden überreden, überzeugen oder gar nötigen, mir zu folgen. Ich brauche vielmehr ein klares „Ja, bitte!“, um dieser Facette von mir echten Raum zu geben.

Dominant bin ich so oder so, das ist einfach meine Persönlichkeit. Aber ich dominiere oder überstimme keine Menschen, die mich nicht darum gebeten haben. Wie käme ich auch dazu?

Andererseits ist es aber auch ein Fakt, dass ich niemanden führe, nur weil er es gerade dringend so möchte. Ich bin kein „Kinkprovider“, kein Fetischfreizeitvergnügen. Ich will eine FLR, weil ich weiß, dass ich mich in diesem Beziehungsmodell exakt so entfalten kann, wie es mir guttut. Mit einem Menschen, der dabei ganz er selbst sein kann und das genau so genießt.
Ich biete und verlange Vertrauen, Stabilität, Aufmerksamkeit und den Willen zu gemeinsamer Entwicklung. Und zwar nicht nur bis zum nächsten Orgasmus.

Gerade die FLR stellt einen wunderbaren Rahmen für Entwicklung dar: Sie wächst und floriert immer weiter, wird besser, schöner, kreativer und erotischer, je mehr sich beide Seiten hineingeben und emotional investieren.
Der Kink ist dafür vielleicht ein wichtiger Antrieb, ja. Aber er sollte nicht die Basis sein. Das beidseitige Wollen muss die Grundlage bilden, sonst wird das nichts.

Antworten

  1. Avatar von

    Top, mehr braucht man nicht dazu sagen.

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  2. Avatar von

    Ich möchte eine

    (hoffentlich aber unwahrscheinlich) kurze

    Schleife machen, um diesen sehr interessanten Post zu kommentieren.

    Dafür möchte ich auf die zugrunde liegende Aussage von Governor Pritzker zurückgreifen: Die/der Klügste im Meeting Room ist der/die Netteste. In anderen Worten: Die Überwindung des Primateninstinkts kennzeichnet Intelligenz und Commitment.

    So auch in einer FLR, wenn sie nicht nur spielerisch, sondern im Alltag gelebt wird.

    Diese Überwindung kostet Kraft und widerspricht Jahrhunderten an Patriarchat.

    Sie schafft aber einen Rahmen, in dem die Frau sich so wohl fühlt, dass sie aufblühen kann wie in keinem anderen.

    Und der Mann wird dadurch belohnt, dass er noch mehr Teil an der wunderbaren Frau, die er liebt, haben kann.

    Ericny

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  3. Avatar von

    Ja, sehr schön geschrieben und beschrieben. Genauso ist es auch bei uns. Meine Devotion ist 100% echt und liebe das Gefühl von meiner Frau und Herrin geführt zu werden. Liebe Grüße sub, sklave, cucki, diener, zofe und doch mann meiner Herrin La Reine MUC

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  4. Avatar von

    Inwiefern ist eine FLR emotional sicherer? — Ich hab grad mal überlegt und kann das aus meiner Erfahrung nicht bestätitgen. Eine sichere Bindung hat für mich nichts mit dem Beziehungsmodell zu tun, sondern mit der emotionalen Reife der Beziehungspartner.

    Doch, ja, ich möchte es in mancherlei Hinsicht leichter resp. bequemer haben. Selbstredend wird es Konflikte geben. Aber an einigen Fronten will ich einfach nicht mehr kämpfen und diskutieren. Und ich bin auch nicht ‚dauerdominant‘. Ich will mir Schwäche erlauben und mich darauf verlassen, dass mein Wohl stets sein oberstes Gebot ist. Meinst Du das vllt mit ‚emotionaler Sicherheit‘?

    ‚Kinkprovider‘ — wie treffend… Nö. Gar keine Lust drauf. Eher: ‚Oh, das gefällt ihr. Mir nicht so. Ich geb ihr mehr davon.‘ Was mich regelmäßig irritiert, ist die männliche Empörung über weiblichen Egoismus. Was ist es anderes als Egoismus, wenn er grundsätzlich tut, was ich will? Ich will (manchmal) schamlos egoistisch sein. Ja, ich kann das, ohne ihn kaputtzumachen. Allerdings kann ich nicht versprechen, dass es eine rundum wohlige Angelegenheit für ihn wird.

    S_C

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    1. Avatar von Commandress

      Für *mich* ist eine FLR emotional sicherer. Bzw. *fühle* ich mich in der FLR emotional sicherer und generell gut aufgehoben. Womöglich einfach, weil ich mich darin fühle, wie ein Fisch im Wasser: einfach richtig gut aufgehoben.
      Auch wenn das, ich ich ja kürzlich erfahren und lernen durfte, auch durchaus ein trügerisches Gefühl sein kann. Da kommt dann wohl die Sache mit der emotionalen Reife ins Spiel.

      Nichtsdestotrotz ist das eben mein Empfinden. Allgemeingültig ist es aber natürlich keineswegs gemeint.

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  5. Avatar von

    Auch ich (m) genieße es toootal, meiner Frau zu Füßen zu liegen. Da fühle ich mich einfach am wohlsten. Gleichzeitig ist es mir wichtig, dass sie weiß, dass sie sich immer auf mich verlassen kann und ich Stärke zeige, den Konflikt nicht scheue, wenn es irgendwo ein Problem gibt. Sie muss die Verantwortung nicht alleine tragen im Leben.

    Dirk

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  6. Avatar von Daira Bär

    Äh, wo darf ich unterschreiben? Als Mommy Domme sehe ich es nahezu genauso. Nur dass ich, wenn man es so sagen kann, eine FLR nur mit meiner littleone führen würde. Und auch nur ihr gegenüber. Klar, ich bin alltagsdominant, aber überstimmen oder Regeln durchsetzen nur ihr gegenüber.
    Kinkprovider? Einer der Gründe, warum ich neben der viel zu lauten Musik BDSM-Parties meide. Ich bin niemandes Dienstleister. Wenn ich etwas für jemanden tue, dann aus einem Gefühl von Liebe heraus. (Und nein, ich meine nicht nur die romantische. Und nein nicht nur den körperlichen Akt. Tz, tz, tz. Was einige so denken. 😉
    Alles in allem super gut beschrieben. Ich danke Dir.
    Liebe Grüße
    Daira

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  7. Avatar von Alles easy – Die Commandress

    […] meines Beitrages „Warum überhaupt FLR?“ wurde ich von einem Leser gefragt, weshalb ich der Meinung sei, eine FLR (Female Led […]

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  8. Avatar von

    Sehr angenehm mal eine erwachsenere Version einer FLR Beschreibung zu lesen, Kompliment an die Verfasserin!Ich bin Sub in einer FLR und finde es schön, endlich mal eine FLR Beschreibung ohne den ganzen Female Supremacy Mist zu lesen, denn viele FLR Damen im Netz beziehen ihre Dominanz aus der strukturellen Entwürdigung des Mannes. Dass eine Beziehung so auf Dauer nicht stabil ist, ergibt sich dann ja von selbst. Auch positiv aufgefallen ist mir, dass in dieser FLR Beschreibung die Verantwortung der Frau gegenüber des Mannes auch erwähnt wird. Es zeugt von Reife anzuerkennen, dass eine FLR eben kein Selbstbedienungsladen für die Domme ist sondern immer noch eine Liebesbeziehung zwischen zwei Menschen. Meine Frau schätzt es, einen starken, unabhängigen Partner zu führen und keinen unterwürfigen Wurm. Sie ist weder „Kind provider“ noch bin ich „Service provider“. Insgesamt also schöne FLR Beschreibung, ein paar wichtige Details sind in wenigen Wörtern versteckt. Zwei Sätze finde ich dabei besonders berührend, nämlich den, dass die Verfasserin aufblüht wenn jemand von Herzen geführt werden will (das geht mir genauso nur anders herum) und dass sie Vertrauen, Aufmerksamkeit, Stabilität und Entwicklung bietet und fordert (das ist sehr stark, sehe ich zu 100% genauso). Danke!

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