Ob das Wort „Spielen“ das richtige sei für das, was man im BDSM-Kontext miteinander treibt? Oder ob es nicht etwas Besseres, Treffenderes gäbe, um diese Art der gelebten Erotik zu umschreiben? Darüber wurde hier kürzlich diskutiert.
Ich habe auch schon oft darüber nachgedacht. Für manche klingt „Spielen“ lapidar. Oberflächlich, verantwortungslos, ohne Tiefe und Sinn. Das mag sein.
Für mich ist Spielen jedoch etwas, das ich tue, wenn ich mich wohlfühle. Und womit ich mich wohlfühle. Für ein Spiel braucht man Kreativität. Man muss sich darauf einlassen, loslassen können, darin abtauchen und die Welt um sich herum vergessen.
Ich liebe es zu spielen. Ich liebe die Kreativität, die ein gutes Spiel braucht, um überhaupt erst zu entstehen. Und die Mitspieler, mit denen man sich für die Dauer des Spiels verbindet, um gemeinsam eine andere Realität zu erkunden.
Spielen ist Freiheit im Innen und Außen. Während eines Spiels lernt man jemanden kennen – wie er sich einbringt, sich begeistert, wie er sich gebärdet, wenn er gewinnt oder auch verliert. Es ist Experimentieren. Und es verfolgt keinen weiteren Zweck als das Spielen selbst. Ebenso lernt man sich selbst kennen und muss sich dem Anderen zeigen.
Ohne kindliche Spiele würden Menschen und Tiere niemals lernen. Die Natur möchte, dass wir spielen. Es ist schade, dass wir Erwachsenen dem Verlust des freien Spiels nicht viel vehementer Einhalt gebieten. Wir geben es zu leichtfertig verloren, ohne zu begreifen, was wir damit aufgeben.
Für mich passt das Wort „Spielen“ sehr gut zum BDSM. Denn das, was ich da mache, ist tatsächlich eine Art Spiel. Und das heißt für mich mit keiner Silbe, dass es albern oder nutzlos wäre. Oder gar nichts bedeutete.
Im Gegenteil! Es ist das Zelebrieren kreativer, zugewandter Geistesfreiheit mit einem Menschen, den ich als mein Gegenüber und Mitspieler ernst nehme und mag.
Spielen gibt mir Kraft. Durch das Spiel drücke ich mich aus. Ja, gelebtes BDSM beinhaltet für mich sehr viel Spiel.
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