Was bedeutet – im Kink-Kontext – eigentlich „auf Augenhöhe“? Ganz lapidar gesagt: dass niemand dem anderen überstellt ist und man sich gleichberechtigt begegnet. Also quasi das Gegenteil von D/s (Dominance & Submission).
Ich persönlich bin der Meinung, dass Augenhöhe in einer FLR fehl am Platz ist. Ich mag es, das letzte Wort zu haben und nicht alles bis ins kleinste Detail ausdiskutieren zu müssen. Natürlich kann ich diskutieren, aber ich möchte es nur bis zu einem gewissen Punkt. Ist dieser erreicht, gilt mein Wort. Ende. In diesem Moment möchte ich kein Geschmolle, kein Beleidigtsein und keinen Rückzug erleben.
Ich bin ein sehr bedachter Mensch. Es ist mir eine Herzensangelegenheit, dass es meinem Partner gut geht. Ich gehe weit auf seine Wünsche und Bedürfnisse ein, lasse ihm Freiheiten und habe nicht den Drang, jede Ecke und Kante an ihm abzuschleifen. Aber: Ich entscheide, wo und wann meine Diskussionsbereitschaft endet.
Ich liebe es, mit meinem Partner zu lachen, zu kabbeln und einfach auch Quatsch und Unsinn zu machen. Ich schätze es, wenn er ein erfülltes, vielseitiges Leben mit Hobbys und Freundschaften führt – es muss sich nicht alles ausschließlich um mich drehen. Doch wenn ich ihm gegenüber ein Bedürfnis äußere, erwarte ich, dass dieses auch wirklich ernst genommen wird.
Das Missverständnis der „Alltags-Augenhöhe“
Viele Männer suchen eine Femdom-Beziehung, beeilen sich dann aber zu betonen, dass sie im Alltag Wert auf „Augenhöhe“ legen. Sie möchten die devote Rolle folglich nur im erotischen Kontext einnehmen. Das kann man so machen, aber – brutal gesagt – bedeutet das übersetzt:
Die Frau soll ihre Dominanz bitte ausschließlich dann zeigen, wenn er gerade erregt ist.
Man wird zu einer Art „Spaß-Femdom“. Im Alltag will er sich die Butter nicht vom Brot nehmen lassen, sich keinesfalls unterordnen und lieber selbst bestimmen – oder eben „ganz demokratisch“ gemeinsam entscheiden.
Faktisch bestimmt damit aber letztlich wieder er, wann weibliche Dominanz okay ist (nämlich bei einer Erektion) und wann nicht (sobald diese abgeklungen ist).
Es ist vollkommen legitim, das so zu leben. Aber mit einer echten FLR hat das nichts zu tun. Es gibt keine FLR, in der die Frau nur im Bett die Bestimmerin ist – es sei denn, sie möchte das so. In diesem Fall könnte sie diese Regel jedoch jederzeit eigenständig anpassen und abändern.
Also:
Femdom kann eine rein erotische Spielart für das Schlafzimmer sein. Eine FLR hingegen ist eine Lebenseinstellung. Man sollte sich darüber bewusst sein, was man wirklich braucht, und frühzeitig offen kommunizieren, wo die eigenen Bedürfnisse liegen. Das macht das ganze Leben einfacher und schöner.
Hinterlasse eine Antwort zu Germanchastity Antwort abbrechen