Ich weiß ja nicht, ob ihr das ähnlich seht, aber vieles von dem, was ich aus der Kinkwelt mitbekomme, ist von einer tiefgreifenden Respektlosigkeit geprägt. Hintergründig.
Im Vordergrund trieft es teilweise nur so von überzogener Ehrerbietung: Da wird gesiezt, geeuchzt, es werden hochtrabende Ehrentitel an völlig Unbekannte verliehen – Pomp und Gloria.
Doch im Hintergrund, nur wenige Zentimeter unter der lackierten Oberflächlichkeit, herrschen Misogynie und ein enormes Anspruchsdenken. Gerne werden der Frau nach der sofort verliehenen Königinnenwürde Links geschickt, wie es „richtig geht“, Femdom zu sein. Oder es werden ungefragt unappetitlich explizite Bilder von mehr oder minder fantasievollen Szenarien versendet, die man bitteschön zeitnah direkt am Absender umzusetzen habe.
Natürlich geschieht so etwas meist im gefühlten Schutz der Anonymität des Internets. Jedoch beobachte ich das auch in bereits gelebten Beziehungen häufig: Die Femdom ist zwar eine Art „Trophäe“, soll aber dennoch nach Pornovorbild funktionieren. Und tut sie das nicht, wird in Foren nachgefragt, wie man die eigene Herzensdame dazu bringen könne, mehr nach Wunsch und Vorlage zu funktionieren. Oder es wird gleich betrogen – man habe ja nun mal gewisse Bedürfnisse.
Zwischenmenschlicher Respekt? Fehlanzeige.
Allerdings ist dieser verächtliche Umgang keineswegs einseitig.
Ich bekomme immer wieder mit, dass dominante Frauen zwar einen Partner suchen, der ihnen zu Füßen liegt, dieser Neigung (und dem dazugehörigen Mann) dann aber wiederum absolut verächtlich gegenüberstehen.
Und die Damen, die auf ihren Social-Media-Profilen kaum einen weiteren Satz hervorbringen, als dass sie „Tribut“ und Lobpreis (für ihre bloße Existenz) verlangen, sortiere ich gedanklich in dieselbe Schublade wie die hoffnungsvollen Bildchenversender. Denn sie passen gut zueinander.
Keiner von uns BDSMlern kann ohne seinen jeweiligen Gegenpart wahrhaft glücklich werden.
Als Femdom brauche ich meinen Sub. Oder zumindest eine*n Sub. Und behandle ich diese zwischenmenschlich respektlos, behandle ich einen nicht geringen Teil meiner eigenen Neigung und Persönlichkeit respektlos. Ich kann nicht einerseits den Sklaven verachten und gleichzeitig einen brauchen, um mich vollständig zu fühlen.
Tue ich es doch, sagt das einiges über mich aus – und darüber, wie gering ich mich vermutlich selbst schätze.
Selbstverständlich rede ich hier nicht über konsensuelles Spiel mit Demütigung oder Degradierung. Ich spreche vom wirklichen, ehrlich empfundenen Respekt für mein Gegenüber – und für mich selbst.
Denn ich möchte grundsätzlich in keiner Form der Begegnung auf meine Sexualität reduziert werden. Und ich möchte dies auch mit anderen nicht tun.
Also: Ich wünsche mir mindestens einen wertschätzenden Umgang mit dem Kink. Oder noch besser: einen liebevollen! Für alle.
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