„Wie mache ich meine Frau dominanter?“

Wenn Männer irgendetwas von mir wissen wollen, dann ist es eigentlich immer dasselbe. Oder zumindest eine sehr enge Variante derselben Frage. Nämlich: Wie kriege ich meine Frau dazu, eine Femdom zu werden?
Tatsächlich werde ich das teils mehrfach im Monat gefragt.

Sehr, sehr selten sagen sie von Anfang an dazu, dass ihre Frau ihnen bereits mehr als einmal recht deutlich zu verstehen gegeben hat, dass das einfach nicht ihr Ding ist und dass sie diesen Kink nicht teilt. Vielmehr wird mir dann erzählt, die Partnerin hätte zwar Interesse, wisse aber nicht, wo sie anfangen solle. Oder wo sie Informationen hernehmen könne. Oder wie man diesen Kink lebt.

Meine Erfahrung sagt hingegen, dass Frauen, insbesondere wenn sie auch nur den Hauch einer inneren Dominanz verspüren, sehr wohl in der Lage sind, selbst zu recherchieren und Kontakte zu knüpfen. Sie finden auf eigene Faust und aus eigenem Antrieb Bücher, Foren, GesprächspartnerInnen oder Workshops, und nehmen dann Fahrt auf.

Fast immer darf die Gattin aber selbstverständlich nichts davon wissen, dass ihr Mann sich mit mir unterhält und sich in einschlägigen BDSM- und Femdom-Foren herumtreibt, obwohl sie angeblich ebenfalls daran interessiert ist, mehr über das Thema zu erfahren.

An sich spricht überhaupt nichts dagegen, auch in einer langjährigen Beziehung erotisch gemeinsam neue Wege zu gehen. Im Gegenteil: das kann sehr spannend und bereichernd sein. Aber jemandem dauerhaft das Gefühl zu geben, sie sei nicht genug, müsse anders, krasser, dominanter sein, das ist absolut nicht in Ordnung. Sondern übergriffig und zutiefst verletzend.

All die (meiner Meinung nach oft ziemlich grässlichen) Bücher da draußen, die Männern weismachen wollen, sie müssten ihrer Frau nur erzählen, wie viel Hausarbeit sie sich in einer FLR ersparen könnte, wie viel Entscheidungsgewalt über die gemeinsame Freizeit oder welche anderen Vorteile sich daraus ergäben, würden sie nur einer FLR zustimmen, verkaufen letztlich nur eine Idee: den „Ich benehme mich wie ein besserer Partner, wenn du dafür meine Kinks befriedigst“-Deal.

Und das ist keine gute Basis für irgendetwas. Und für eine weiblich geführte Beziehung schon gar nicht. Außerdem funktioniert es so nicht.

Was also tun, wenn er Femdom und BDSM will, sie aber nicht? Reden. Offen, ehrlich und miteinander. Aus der Ich-Perspektive, vorwurfsfrei und ohne Wertung über Bedürfnisse und Fantasien. Erklären, wonach man sich sehnt, ohne dabei Druck aufzubauen, was daraus nun folgen müsse.

Vielleicht – mit sehr viel Glück und in einer guten Partnerschaft – wird man gehört und verstanden. Und hat man noch mehr Glück und zufällig eine dominante Frau geheiratet, kann sich sogar Interesse an dem Thema regen. Dann lässt sich womöglich gemeinsam eine spannende Entdeckungsreise beginnen.

Ist dieses Interesse jedoch nicht da, ist sehr wahrscheinlich auch die entsprechende Veranlagung nicht vorhanden. Und dann kann man sie auch nicht herbeidiskutieren, nicht erkaufen und nicht erzwingen. Man kann sie weder einfordern noch erbetteln.

Es ist eine Frage des Respekts.

Denn Nein heißt Nein. Auch im Kink.

Antworten

  1. Avatar von Daira Bär

    ja, ich muss Dir recht geben. Wenn der Wunsch in einer Frau schlummert, wird sie sich selbst informieren. Und diese Art der „Anleitung“ finde ich mehr als übergriffig. Es ist beleidigend. Es ist… für mehr fehlen mir schlichtweg die Worte. Liebe GrüßeDaira

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  2. Avatar von

    Passt

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  3. Avatar von

    Ja, klingt alles gut und richtig.
    Kommunikation ist ohnehin der Anfang von allem. Aber ich frage mich schon, ob – wenn ich mir denn die Frage stelle – nicht bereits eine emotionale wie intellektuelle Neuorientierung begonnen hat? (Sofern man das Verlangen nicht auf gelegentliche Spielchen reduziert).

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    1. Avatar von Commandress

      Durch was genau – und bei wem – hat eine Neuorientierung beginnen?

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  4. Avatar von

    sehr geehrte Commandress, sie haben vollkommen recht. Wenn der Mann, Diener und Sklave, seiner göttlichen Herrin und Ehefrau werden möchte, hat er offen, ehrlich und demütig seine Wünsche, ihr gegenüber zu äußern. im Damm folgenden gemeinsamen Gespräch und das kann sich Wochen Monate oder sogar noch länger hinziehen, wird vielleicht die Ehefrau die eigene dominante Ader entdecken und auch ausleben wollen. In unserem Fall haben wir über vier Jahre Coaching und offene Gespräche unsere Beziehung stabilisiert. Allerdings ist auch deutlich geworden, dass meine verehrte, göttliche Ehefrau genau nicht meine Herrin sein möchte. Stattdessen gestartet sie mir einschlägige Erfahrung mit Männern zu machen. Sie möchte keine Konkurrentin neben sich haben

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