Wir leben mit unserer FLR genau das Beziehungsmodell, das wir uns schon lange erträumt haben. Beide. Und zwar aus voller Überzeugung. Für uns ist die FLR kein System, sie ist eine innere Haltung: Ich übernehme die Führung und gebe damit eine Richtung vor, die hoffentlich Ruhe und Sicherheit schenkt. Und er nimmt diese Führung dankbar an. Und zwar definitiv nicht aus Schwäche, sondern aus Vertrauen in mich.
Unsere Kinder sind selbstverständlich immer Teil unseres Lebens und unseres Alltags, Teil dieser Dynamik sollen sie allerdings nicht werden. Denn sie müssen sich erst selbst finden und sich möglichst frei entwickeln können. Und dafür brauchen sie Raum, den wir ihnen unbedingt auch lassen wollen.
Anders, als es sich offenbar so mancher vorstellt, ist der Ton in unserer Partnerschaft keineswegs harsch. Wir gehen sehr liebevoll miteinander um, brauchen beide viel Nähe und Zuwendung. Ja, er hat klare Regeln von mir bekommen, nach denen er konstant lebt. Ich kontrolliere ihn und schränke ihn ein, verlange ihm so manches ab, strafe auch. Aber niemals würde es mir einfallen, ihn auf irgendeine Weise vor Menschen, mit denen wir uns nicht im Kink-Kontext treffen, herabzusetzen.
Vor Freunden und Familie darf das Eigentum sehr gerne mein Held und Gentleman sein. Der Mann, der mir die Tür aufhält und morgens einen Kaffee ans Bett bringt. Der mich in seinem Auto herumkutschiert und mich mit Herzchen-Nachrichten per WhatsApp überhäuft. Ich genieße das. Und bin im Gegenzug gerne die, die ihn bekocht und ihm viel zu früh einen Adventskalender bastelt. Das bricht mir keinen Zacken aus der Krone. Schreien oder beleidigen würde ich ohnehin niemals. Das liegt nicht in meiner Natur. Ich kann durchaus Chef sein, ohne schlecht gelaunt oder gar kalt zu wirken.
Und gerade Kinder hören Untertöne sehr, sehr gut heraus.
Ich bin mir recht sicher, dass sich unsere Eltern – seine wie auch meine – ihr eigenes Bild von unserer Beziehung machen. Der Altersunterschied allein ist schon ein Gesprächsthema, das besonders meine Mutter manchmal durchaus beschäftigt.
Und dass das Eigentum stets einen stählernen, dünnen Reif trägt, fällt vermutlich auf, wenn man darauf achtet. Nachgefragt hat dennoch niemand. Wir sprechen offen miteinander, und wahrscheinlich wirkt unsere Zufriedenheit als Paar beruhigend genug
Unser Alltag, also der BDSM-freie Teil, ist erstaunlich unproblematisch, trotz unserer Unterschiede und der Hürden, die wir hatten.
Unser Kinkanteil hingegen eskaliert da zur Zeit schon deutlich häufiger, so dass wir uns immer wieder bemühen müssen, diesbezüglichen Auseinandersetzungen nicht all zu viel Gewicht beizumessen, sondern sie einfach als Lernprozess zu betrachten, an welchem wir wachsen können.
Vor „Vanillas“ müssen wir uns nicht erklären. Wir wollen nicht missionieren oder überzeugen. Was wir zeigen, ist unauffällig: Wir funktionieren einfach als Team. Er trägt gern, ich entscheide leicht. Das ist genug Bild nach außen.
Und wer selber kinky lebt, weiß sowieso um die alltäglichen Herausforderungen, die damit einhergehen.
Wie ist das bei euch? Wo seht ihr mögliche Schwierigkeiten, FLR oder andere alternative Beziehungskonzepte mit Familie und Freundeskreis zu vereinen?

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