Warum überhaupt FLR?

Warum möchte man in einer FLR leben? Oder in einer anderen alternativen Beziehungsform, die so sehr vom „Standard“ abweicht?
Dafür hat bestimmt jede und jeder, die das grundsätzlich für sich in Betracht ziehen, seine eigenen Beweggründe.


Bei der FLR ist es einfach so, dass die Hierarchie offensichtlich auf der Hand liegt: Die Frau entscheidet, sie hat das Sagen. Der Mann folgt. (*)
Ob das dann auch gleich ganz so klappt, sei mal dahingestellt. Aber grundsätzlich wollen beide da hinkommen, wenn sie eine FLR anstreben. Und warum? Was haben sie jeweils davon?


Ich würde mal sagen, bei der absoluten Mehrheit der Männer, die explizit auf der Suche nach einer FLR sind, handelt es sich um Fetischisten. Mir persönlich ist jedenfalls in all den Jahren noch keiner untergekommen, der zwar eine FLR, aber keinen Kink wollte. Ich vermute mal, dass diejenigen devoten Männer, die ohne BDSM- und Fetischneigung in einer weiblich geführten Beziehung glücklich sind, diesen Begriff einfach nicht benutzen. Da sagt sie schlicht und unzeremoniell an, was Phase ist – und ihn freut es. Ganz ohne „Label“.
Also kann man wohl davon ausgehen, dass jene Männer, die sich nach einer definierten FLR sehnen, sich auch ein gewisses Level an Kink wünschen. Keuschhaltung, strenge Regeln, Sissyfizierung, körperliche Strafen, Fußerotik und dergleichen werden oft genannt. Nicht selten spielt auch finanzielle Kontrolle und Cuckolding eine Rolle.


Zusätzlich zu dem sexuellen Aspekt kommt aber etwas viel Wichtigeres hinzu: der Alltag. Dieser ist in einer echten FLR wahrscheinlich doch etwas anders als der der gesellschaftlichen „Norm“. Das muss man wollen.

Nicht viele Männer sind es gewohnt, die Kontrolle wirklich abzugeben. Und zwar so ganz. Ohne Diskussion – und ohne direkte Gegenleistung. Letzteres muss sich so mancher vielleicht noch einmal ganz bewusst machen, denn es geht hier keineswegs um den Dauer-Deal: „Mann, mach, was ich sage, und du bekommst dafür von mir eine geile BDSM-Session nach der anderen!“ Es ist ein umfassender Lebensweg, keine Verhandlungsmasse. Die Frau in einer FLR ist die Chefin, die Königin, die Regelmacherin. Nicht die Gratis-Flatrate-Domina für brave Buben.


Und was hat SIE überhaupt davon, die Regelmacherin zu sein? Ich kann jetzt aus ganz persönlicher Sicht, so wie auch aus Beobachtung meines Umfeldes, nicht behaupten, dass das wirkliche, ernstgemeinte Führen einer Beziehung irgendwie arbeitserleichternd wäre im Vergleich zu einer Partnerschaft auf (echter!) Augenhöhe, in der beide auch an einem Strang ziehen. Auch, wenn das immer wieder gerne als Argument angeführt wird.


Allerdings glaube ich fest daran, dass es uns allen besser geht, wenn wir nach unserer Natur, unserem Wesen und unseren Neigungen leben dürfen. Dass es uns dann am besten geht, wenn wir ganz wir selber sein dürfen. Und das bin ich in (m)einer FLR: ganz ich selber.


Ich blühe auf, wenn ich das Sagen habe. Ich bin gut darin, Entscheidungen zu fällen. Und ich liebe es, die Richtung vorzugeben. Außerdem habe ich einfach gerne recht, das ist einfach so.
Klar, ich bin auch teamfähig. Ich kann mich unterordnen, wenn es sein muss, zum Beispiel bei der Arbeit oder bei gemeinsamen Projekten mit anderen. Aber in meiner Beziehung bin ich dann am besten, wenn ich der Chef bin. Das entspannt mich, das lässt mich mich sicher und geborgen fühlen.


Außerdem erfreue ich mich täglich an der Bereitschaft meines Eigentums, meinen vielfältigen (und teilweise durchaus auch merkwürdigen) Ideen begeistert Folge zu leisten. Ich genieße es, nicht immer wieder aufs Neue eine innerpartnerschaftliche „Rangfolge“ ausdiskutieren zu müssen, und es entspannt mich, wenn ich weiß, dass Dinge in meinem Sinne erledigt werden.
Und ja, auch ich bin ziemlich kinky, das leugne ich gar nicht. Ich habe große Freude an ziemlich ausgefallenen Spielarten und war schon immer ausgesprochen neugierig darauf, was andere da so kickt – mit sehr wenig Berührungsängsten. Aber ich weiß dabei sehr genau, was ICH will. Und was nicht. Und in einer Beziehung, in welcher ich die Regeln mache, kann ich mich darauf verlassen, dass ich das auch bekomme.
Es macht mich glücklich, die unangefochtene Königin zu sein.

(*Disclaimer: Natürlich gibt es auch lesbische FLRs. Diese sind absolut gleichwertig mit hetero FLRs, aber sprachlich hier irgendwie kaum sinnvoll zu integrieren, ohne dass es sehr, sehr anstrengend und merkwürdig wird. Sie überfordern mich vielleicht sprachlich, werden aber definitiv von mir nicht geringer geschätzt.)

Antworten

  1. Avatar von

    Danke für den Einblick

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    1. Avatar von Commandress

      Sehr gerne.

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