Kinky ausgehen

Wie ist das eigentlich, mit den kinky Partys? Ich höre (und erlebe) es immer wieder, dass Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen davor zurückschrecken, kinky auszugehen, obwohl es sie eigentlich sehr reizen würde, es zumindest mal auszuprobieren. Meist sind es irgendwelche Sorgen, wie „passe ich da überhaupt hin?“, „was, wenn mich jemand erkennt?“ oder „kann ich da denn auch Nein sagen?!“ Aber auch persönliche Unsicherheit, bezüglich der eigenen Attraktivität oder der Outfitwahl sind nicht selten. Was sehr schade ist. Und absolut unnötig, wenn man sich vorher etwas mit der Veranstaltung beschäftigt, die man besuchen möchte.

Also, als allererstes macht euch Folgendes bewusst: egal welche elfenhaften, AI generierten Latexgöttinnen lasziv von den Flyern lächeln: vor Ort sind Menschen wie du und ich. Mit ein paar Kilos zu viel oder zu wenig, mit fragwürdigem Hang zu strategisch verteiltem Glitzer, oder der Anmut einer Gummiente. Und zwar in Outfits, die sie im Internet bestellt haben. Und das ist gut so. Lasst euch bloß nicht einreden, dass in irgendeinem Club ausschließlich nymphomane Models mit Traumkörper, in maßgeschneidertem, sündhaft teurem Fetishgear herumhopsen. Das habe ich noch in keinem Club erlebt, den ich bisher besucht habe. Was einige sind.

Allerdings ist es schon wichtig, dass ihr euch möglichst eng am Dresscode des Clubs orientieren könnt – und wollt. Ist dem nicht so, dann wird das auch sehr wahrscheinlich keine schöne Veranstaltung für euch. Meist sind das aber Vorgaben wie „Lack, Leder, Latex“ oder zum Beispiel „CFNM“ (clothed female naked male), sodass man eigentlich schnell überblicken kann, ob das den eigenen Interessen und Vorlieben entgegenkommt.

Und vor Ort? Wie geht es da dann zu? Muss ich irgendetwas… machen?

Auch da lohnt es sich, die Regeln und Beschreibungen der Veranstalter zu lesen – und zu verstehen. Es gibt durchaus kinky Partys mit vorgegebenem Konzept oder Programm. Und ja, da wird dann womöglich etwas bestimmtes von euch erwartet. Überlegt euch gut, ob es das ist, was ihr wollt. Und dann: go with the flow.

Aber es gibt natürlich auch reine Tanzpartys, mit Playareas im Hintergrund. Oder solche mit einer Show, die ihr einfach genießen könnt. Und da müsst ihr gar nichts können, machen oder leisten. Außer, euch respektvoll allen Anderen gegenüber zu verhalten. Denn: Auch auf einer noch so kinky Party, habt ihr NIEMALS das Anrecht auf irgendwelche Action. Niemand, absolut NIEMAND ist verpflichtet, euch zu bespaßen, oder sonstwie mit euch zu interagieren. Ihr habt die anderen Gäste keineswegs mit dazu gebucht. Egal, wie horny euch das alles macht.

Die Möglichkeit, jemandem zum Zusehen oder Mitmachen zu finden, ist gegeben, wird aber niemandem garantiert. Also geht am besten erstmal ohne all zu große Erwartungen da hin und macht euch locker. Schnuppert kinky Partyluft und orientiert euch erst mal. Nehmt den Druck raus.

Normalerweise geht es in BDSM Clubs übrigens deutlich respektvoller, sensibler und wertschätzender zu, als in jeder Disse. Zumindest ist das meine Erfahrung. Es wird von den Betreibern sehr auf Respekt und Konsens geachtet – und wer sich daneben benimmt, z.B. durch sexuelle Übergriffigkeiten oder ein ignoriertes „Nein“, fliegt schneller raus, als er gucken kann. Ein Umstand, den ich sehr begrüße.

Solltet ihr übrigens dort jemanden treffen, den ihr kennt (ich bin auf meiner allerersten Kinkveranstaltung direkt mal einer Arbeitskollegin in die Arme gelaufen, die auch noch meine Vorgesetzte war), ist die Wahrscheinlichkeit sehr, sehr hoch, dass derjenige sich entweder enorm freut, ein bekanntes Gesicht zu sehen, oder erstmal genauso unsicher ist, wie ihr. Ablehnung für das selbe, gemeinsame Interesse habt ihr hingegen ganz sicher nicht zu erwarten.

Und wie findet man diese Partys?

Der einfachste und praktischste Weg ist wohl über den JOYclub. Dort kann man sich ein Profil anlegen, den Veranstaltungskalender durchforsten und nach Events suchen, die zu den eigenen Vorstellungen passen. Bei nicht wenigen Veranstaltern geht es schon gar nicht mehr ohne.

Also, mein Fazit: Sucht euch zum Einstieg eine Party, die wirklich möglichst genau das trifft und zu bieten verspricht, was ihr euch ersehnt. Sucht euch ein passendes Outfit, in dem ihr euch gut fühlt und werft Unsicherheiten wegen eures Körpers über Bord. Geht da hin, benehmt euch, schraubt die Erwartungshaltungen runter und habt Spaß. Dann wird das schön.

(Titelbild: eine Veranstaltung von Kinky Escapes , fotografiert von carinosa_art)

Antwort

  1. Avatar von

    Danke gute Anregungen.

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