Und weiter geht es mit unserer FLR Interviewreihe! Diesmal mit einem ebenso interessanten wie interessierten, lebenslustigen Paar aus dem hohen Norden. Dies sagen sie über sich selbst:
Wir sind unheimlich gerne in der Natur, lieben das leidenschaftliche Kochen und spielen gerne mit Gewürzen in der Küche, sind sehr unterhaltsam und lachen gerne und auch oft genug über uns. Wir sind leidenschaftlich miteinander, erleben uns immer wieder neu und haben so viel Neugier gegenüber der Lust an unserem Körper, dem Geist und dem wundervollem Zusammenspiel in unserer FLR-Partnerschaft mit einer guten Prise BDSM.
Unsere Antworten haben wir mit unseren Namenskürzeln versehen. Hierbei steht F. für Lady Freyja und n. für sub nimmerstatt.
1. Wie habt ihr euch kennengelernt – und war euch da schon klar, dass ihr gerne eine FLR leben möchtet?
F. Wir haben uns bei der Arbeit kennengelernt. Mein erster Gedanke, als ich meinen sub gesehen habe war, dass er unheimlich viele Muttermale auf dem Arm hat und wie es sich wohl anfühlt, diese anzufassen. Zu der Zeit war ich vermeintlich glücklich verheiratet und war trotzdem fasziniert von ihm. Zu der Zeit war mir nicht bewusst, dass ich eine FLR-Partnerschaft führen möchte, aber ich wusste bereits damals, dass ich gerne in der Partnerschaft die Führung übernehme und hatte einen Partner, der das zu gewissen Teilen angenommen hatte. Beim näheren kennenlernen mit n. wurde dann schon forsch ausgetestet, wie meine Gedanken zu BDSM sind und mir wurde schnell klar, dass all diese Sehnsüchte schon lange in mir schlummerten.
n. Wir haben uns ganz klassisch auf Arbeit kennengelernt. Ich war schon immer kinky/schwarz angehaucht, bin meiner Lady damals auch ganz offen damit begegnet, nur leider etwas zu schnell und forsch. Es gab einige Jahre, wo es nicht so rund und gut in der Kommunikation zwischen uns war. Viele Missverständnisse und leider keine offene Mitteilung der Bedürfnisse und Sehnsüchte. Nach einem Beziehungs-Reset sind wir uns wirklich komplett offen, schonungslos und total „nackt“ begegnet. Wir haben unsere Neigungen und Grenzen klar formuliert . Das war unser Durchbruch für eine klare FLR-Partnerschaft. Wir haben einen Vertrag entworfen und beide unterschrieben. Der Moment der Unterschrift war magisch, ich habe mit meinem Blut unterschrieben und bin noch heute komplett erfüllt davon. Also, nee, es war nicht von Anfang an klar, dass wir so eine Partnerschaft führen, aber nach 16 Jahren sind wir nun in diesem wunderbaren Kontext und genießen alles, was dieses Partnerschaft für uns bereit hält.
2. Wart ihr beide von Anfang an gleichermaßen interessiert am Thema „weibliche Führung“, oder gab (bzw gibt) es dahingehend ein Ungleichgewicht?
F. Wir waren beide gleich daran interessiert, hatten aber in der ersten Zeit einige Kommunikationsschwierigkeiten. Daraus resultierten Missverständnisse und irgendwie auch eine Art Erwartungshaltung, was unserer Partnerschaft nicht gut getan hat. Heute wissen wir, nach vielen Gesprächen, offenen Begegnungen, dass keiner von uns eine Erwartungshaltung hat, sondern es einfach in der Vergangenheit keinen guten Weg miteinander gab, um seine Wünsche mitzuteilen.
n. Schon am Anfang war es klar, dass Lady F. die dominante führende Position hatte und ich der devote, masochistische Part bin. Dennoch hat es etwas gedauert, bis Lady F. die Position in der FLR-Partnerschaft für sich im Einklang eingenommen hat. Heute gibt es keine Diskussion oder in Frage stellen, das erfüllt mich total.
3. Was sind die tragenden Säulen eurer FLR?
F. Liebe, Vertrauen, Wertschätzung, Offenheit und miteinander sprechen, immer, oft und gaaaanz viel.
n. 1. Vertrauen und Hingabe
2. Konsequenz und Machtgefälle
3. klare Regeln und Routinen
4. Worin seht ihr – für euch ganz persönlich – die größten Vorteile einer solchen Beziehung? Und worin liegen für euch da eher die Schwierigkeiten?
F. Die Vorteile für mich sind ganz klar, dass beide ihre Bedürfnisse und Sehnsüchte wissen, so dass es eine sehr offene und erfüllte Partnerschaft ist. Nachteile sind für mich eher in der Gesellschaft zu sehen, die ihren Geist nicht öffnet und mit Vorbehalten belastet ist. In unserer FLR-Partnerschaft wissen wir glücklicherweise, in welchem Rahmen wir offen miteinander im Umfeld sein können oder wann wir besser den Vorhang am Fenster zu machen.
n. Man muss nicht mehr diskutieren oder streiten, sondern die Lady ordnet im Kontext an. Für einen Mann, der wie ich veranlagt ist und Führung braucht, ist diese Form der Beziehung erfüllend. Man (n) kann sich fallen lassen und führen lassen. Schwierig wird der Alltag mit Kindern oder auch Freunden, die davon gar nichts nachempfinden können, weil das Verständnis fehlt.
5. Beinhaltet eure Partnerschaft auch BDSM und Kinkelemente? Und falls ja: wäre sie auch ohne denkbar?
F. Unsere Partnerschaft besteht aus BDSM-Elementen und auch Vanilla-Momenten. Ohne BDSM würde mir etwas fehlen, der Reiz und die Lust aus dem Bereich würde mir fehlen, so dass ich vermutlich nicht auf Dauer glücklich wäre und einen Teil von mir vernachlässigen oder gar ausgrenzen würden.
n. Mittlerweile ganz deutlich Ja!! Sei es nur Worte, Gesten oder Andeutungen/Anordnungen im Alltag. Grundsätzlich wäre die Beziehung so denkbar, es würde mich aber nicht glücklich machen.
6. Was denkt ihr, wie euer Umfeld eure Beziehung wahrnimmt? Habt ihr soziale Kontakte, die ähnlich leben?
F. Unser Umfeld hat schon eher den dominanten Part in mir gesehen, aber definitiv ohne FLR oder BDSM Aspekt. Über Joy haben wir mittlerweile Paare kennengelernt, die so denken wie wir.
n. Nachbarn können gar nicht damit umgehen. Auf Joy versuchen wir nun Menschen zu treffen, die ähnlich denken wie wir.
7. Habt ihr das Gefühl, dass Männer und Frauen prinzipiell von der selben Sache reden, wenn sie den Begriff „FLR“ nutzen?
F. Für mich eher nicht, da ich glaube, dass Männer häufig sexuelle Motivation dahinter sehen oder eine Partnerin, die sich um alles und sogar um den Kauf der Unterhosen kümmert.
n. Grundsätzlich schon, wenn man devot ist und Frau Dom ist. Schwierig wird es, wenn man(n) einfach nur Kopfkino hat und die Frau dann Wunscherfüllerin ist.
8. Findet ihr, dass alternative Beziehungsmodelle in unserer Gesellschaft inzwischen ausreichend toleriert und akzeptiert werden? Würdet ihr da gerne etwas ändern?
F. Aus meiner Sicht ist es noch ein deutliches Tabuthema, dass gerne noch etwas Toleranz erfahren darf. Ich würde im Grundsatz schon etwas ändern wollen, um mich selbst gesellschaftlich etwas freier zu fühlen, aber habe dennoch nicht das Gefühl dadurch eingeschränkt in meiner Lebensweise zu sein.
n. Eher nicht, da die Gesellschaft sofort verurteilt und wenig Toleranz zulässt. Grundsätzlich würde ich schon etwas ändern, bin aber nicht der Typ, der vorausrennt.
9. Könnt ihr euch an den Moment erinnern, zu welchem ihr zum ersten Mal von FLR erfahren habt? Wie war das bei euch?
F. Als ich angefangen habe, mich mit mir selbst zu beschäftigen und auseinandergesetzt habe mit meinen Bedürfnissen und Wünschen, weil ich dann wusste, wer ich bin.
n. Als ich mich mit dem Thema dominante Frauen auseinander gesetzt habe, also schon sehr früh. Mit meiner Lady final und absolut erfüllend, als ich mit ihr den Vertrag aufgesetzt habe, da wusste ich, was mir FLR in der Partnerschaft bedeutet und was ich mir wünsche.
10. Wenn ihr einem neutralen Menschen, der absolut nichts mit dem Thema FLR zu tun hat, erklären müsstet, um was es geht: Wie würdet ihr das machen?
F. Der männliche Part hat die Neigung und den absoluten Wunsch, seine Entscheidungen über bestimmte Bereiche aus seinem Leben abzugeben in die weibliche Hand. Nicht nur sexuell, sondern auch den Wunsch, in allem zu gefallen, die Wünsche seiner Partnerin zu erfüllen und sich zu fügen, ohne Kompromisse, in der Partnerschaft.
n. In vollem Bewusstsein wissen, dass die Lady meine Bedenken und Worte anhört, das auch wertschätzt, aber dass die Entscheidung komplett bei ihr ist und sie diese Macht hat. Und sich dabei selbst aber gut fühlen, weil es der innerste Wunsch ist, sich ihr zu fügen und sie glücklich zu machen.
11. Was würdet ihr jemandem raten, der ebenfalls eine FLR anstrebt, aber nicht weiß, wie man das anstellt? Was wäre euer bester Tipp?
F. Sich mit dem Gedanken zu befassen, wie es sich anfühlt, wenn man(n) Macht und Entscheidungen abgibt und im Vertrauen in die Hände der Partnerin legt. Und gleichzeitig auf der anderen Seite hinterfragen, ob frau sich wohl dabei fühlt bei dem Gedanken, für ihn in bestimmten Bereichen Verantwortung und Entscheidungen zu übernehmen, ohne Kompromisse, Das Bedarf ganz viele offene Gespräche, um die man nie müde wird, immer und immer, weil es so wichtig ist, um das Gefühl vom anderen zu wissen.
n. Miteinander offen reden. Die geheimsten Wünsche und Bedürfnisse offen mitteilen, schonungslos und nackt miteinander zu sein. Und sich dabei ganz im Vertrauen miteinander zu verhalten, zu jeder Zeit.
12. Seht ihr -wieder für euch persönlich – Grenzen, die eine FLR nicht überschreiten darf?
F. und n. Die persönlichen Grenzen niemals überschreiten und sich auch nicht für die Partnerschaft aufgeben.
13. Wenn ihr einen Wunsch frei hättet, mit der einzigen Vorgabe, dass dieser Wunsch im Zusammenhang mit eurer Partnerschaft steht: Was würdet ihr euch wünschen?
F. Ich liebe die Beziehung mit meinem sub und bin glücklich, dass wir heute an diesem Punkt so miteinander sind. Ich wünschte mir nur so manche Erfahrungen aus der Vergangenheit, wo wir unseren Weg finden mussten, komplett vergessen zu können, aber ich bin sehr zuversichtlich, dass wir heute, auf dem Level miteinander, großartiges erleben werden.
n. ich wünsche mir, dass wir auch im hohen Alter noch so wunderbar miteinander sind und so unheimlich viele, tolle, aufregende Momente miteinander haben und uns gemeinsam auf ganz wundervolle Weise zusammen entwickelt haben.
Ich danke euch, Lady Freya und Sub Nimmersatt, für eure tollen, durchdachten Antworten und all die Gedanken und Zeit, die ihr in unser Interview investiert habt.
Bild: privat, zur Verfügung gestellt von Lady Freya.

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