In der kinky Community nehme ich immer wieder einen relativ weit verbreiteten „Performancedruck“ wahr. Es ist fast, als wären D/s und BDSM leistungsorientierte Aktivitäten, in denen man sich stetig verbessern und selbstoptimieren müsse – inklusive öffentlicher Darbietungen und Punktevergabe.
Diese Problematik ist sicherlich auch in sehr vielen FLRs spürbar, völlig egal, ob mit oder ohne BDSM-Anteil.
Natürlich ist es schön, wenn sich zwei Menschen zusammentun und gemeinsam einen Weg beschreiten, auf dem sie wachsen und sich weiterentwickeln. Man lebt und lernt – am besten natürlich ganz bewusst.
Sobald wir aber anfangen, uns unter Druck zu setzen, ist Stress ohnehin vorprogrammiert.
Wenn Dominanz zur Dienstleistung wird
Ich glaube, genau das ist es, was viele tun: Sie wollen das Gegenüber beeindrucken, ihm oder ihr (und auch sich selbst) etwas beweisen und überall die volle, wenn auch imaginäre Punktzahl erreichen.
Damit meine ich keineswegs ausschließlich die Devoten. Nein, auch Dominante möchten zeigen, was sie können. Wir fühlen uns schnell in der Pflicht zu organisieren, Kreativität zu demonstrieren und „Bespaßung“ zu liefern – und dabei natürlich auch noch einem bestimmten, optischen Bild zu entsprechen, z.B. als Göttin in High Heels und hautenger Fetischkleidung. Was auf Dauer kaum möglich ist.
Dominanz wird hier mehr oder weniger unbewusst mit unbezahlter Care-Arbeit verwechselt. Und zwar absurder Weise mit Care-Arbeit am Sub.
Ganz ehrlich: Ich denke nicht, dass uns das gut tut. Im Gegenteil, es stresst und blockiert. Immer wieder rede ich mit Femdoms, die ihre verspielte Dominanz fast vollkommen einstellen, da sie es – zumindest temporär – als zu anstrengend empfinden, den Sub zu „bespaßen“.
Das soll allerdings gar nicht anstrengend sein, das soll Freude machen!
Klar: Kinky Play entsteht meist nicht von alleine. Es erfordert Ideen, Planung und Umsetzung. Nicht jede hat die passenden Räumlichkeiten, das Equipment oder die Muße, jederzeit aus einem Impuls heraus loslegen zu können. All das im Vorfeld gedanklich abzudecken, ist echte Arbeit. Punkt. Wenn sich Druck und Stress im Alltag mit dem Gefühl vermischen, nun auch noch nebenbei „Erotik-Entertainerin“ spielen zu müssen, ist der Ofen sehr schnell aus.
Den Kopf frei machen für echte Führung
Meiner Meinung nach müssen wir Femdoms lernen, vertrauensvoll mehr Verantwortung an den Sub abzugeben. Der kann nämlich durchaus, wenn man ihn lässt! Und so mancher Sub sollte verinnerlichen, dass die passive Rolle keinesfalls verlangt, ausschließlich inaktiv auf Anweisungen und Action zu warten und den Seestern zu spielen.
Vielleicht beißt sich das für den einen oder anderen gedanklich mit der Vorstellung, als devoter Part endlich mal den Kopf abschalten und sich fallen lassen zu wollen. Aber ganz ehrlich: Das wäre in diesem Zusammenhang zu kurz gedacht.
Eine Frau, egal wie stark, die sich im Mental Overload befindet, hat keine Lust auf Sex und Kink – und schon gar keinen Spaß daran, sich noch mehr Planung aufzuhalsen, als der Alltag ohnehin erfordert.
Unsere Beziehungen sind kein Leistungssport. Wir haben uns zusammengetan, weil wir uns gut tun wollen. Wir müssen nicht perfekt sein und nicht das ewige „Höher, Schneller, Weiter“ anstreben. Es geht nicht um Performance, wir müssen kein Ideal erfüllen. Es geht darum, einen Weg zu finden, unsere Energien gegenseitig zu verstärken. In einer FLR bedeutet das eben auch, dass er ihr aktiv den Weg frei räumt, damit sie souverän führen kann.
Inspiration für den Sub: So sieht aktive Entlastung aus
Wie kann „aktive Entlastung“ in der Praxis aussehen, damit sie ihre Dominanz wieder genießen kann? Hier sind ein paar Impulse:
- Den „Mental Load“ übernehmen: Warte nicht auf eine Liste. Erkenne selbst, was im Haushalt oder Alltag getan werden muss (Einkauf, Termine, Reparaturen) und erledige es ohne große Worte. Wenn sie nicht managen muss, hat sie den Kopf frei für Lust.
- Die Bühne bereiten: Anstatt darauf zu warten, dass sie das Play plant, bereite du alles vor. Sorge für ein sauberes Zimmer, lege bereit was sie gerne nutzt, dimme das Licht. Sie muss nur noch „eintreten“ und präsent sein. Achte dabei sensibel auf dein Timing!
- Initiative ohne Forderung: Mache Vorschläge, aber ohne Erwartungsdruck. Ein „Ich würde heute Abend gerne für dich knien, wenn du die Muße hast“ ist eine Einladung – keine weitere Aufgabe auf ihrer To-do-Liste.
- Feedback als Treibstoff: Erlöse sie vom Performancedruck. Ein ehrliches „Ich genieße einfach nur deine Anwesenheit und deine Nähe, auch wenn wir heute nur still nebeneinander sitzen“ wirkt Wunder gegen ihren Stress.
- Präventive Fürsorge: Achte auf ihre Signale. Wenn sie einen harten Tag hatte, nimm ihr die Entscheidungsgewalt über triviale Dinge ab („Das Essen ist fertig, du musst dich um nichts kümmern“), damit sie ihre Energie für eure FLR-Dynamik aufsparen kann.
Hinterlasse einen Kommentar