Ich bin kein sonderlich ambivalenter Mensch. Nie gewesen. Im Gegenteil: Ich musste viel an mir arbeiten, um da flexibler zu werden. Von Natur aus bin ich in Gefühlsdingen oft zu sehr schwarz-weiß veranlagt.
Entweder ein Ja oder ein Nein. Entweder ich will etwas und mache es auch, oder ich will nicht – und dann bringen mich keine zehn Pferde dazu. Komme, was wolle.
Deswegen kann man sich auch im Spiel mit mir vollkommen sicher sein, dass das was ich tue auch exakt das ist, was ich will.
Einmal sagte mir ein sehr kluger Mensch: „Was uns vom Verstehen abhält, ist meist nur die eigene Meinung.“ Ich habe mit diesem Satz gekämpft. Aber er blieb hängen und inzwischen empfinde ich ihn als unglaublich wichtig.
Unser Gefühl, „schon zu wissen, worum es geht und was es bedeutet“, steht uns enorm im Weg. Doch (zumindest vorerst) keine Meinung zu haben, fällt oftmals bedeutend schwerer, als eine zu haben.
Bin ich als Femdom ambivalent?
Darin, wo mein Wollen liegt, nicht, nein. Darin, wo meine eigenen Grenzen liegen, auch nicht. Aber wenn es um andere geht, kann es durchaus sein, dass ich ins Grübeln oder Zweifeln komme:
„Ich will das! Aber darf ich das wollen? Ist es zu viel? Ist es übergriffig? Verletze ich mit meinem Wollen, überschreite ich unsichtbare Grenzen? Schade ich gar?“
Mir ist natürlich bewusst, dass das nicht dem knallharten Bild der Femdom entspricht, der es egal ist, wie der Wurm zu ihren Füßen leidet, wenn er zerquetscht wird. Oder die sich gar an seinem Leid ergötzt.
Ich aber bin ich. Und ich ergötze mich grundsätzlich nur an gewolltem Leid. Das ist nämlich die einzige Form, die ich sexy finde.
Ich hatte einst einen Partner, einen wundervollen, enorm sensiblen und zugewandten Menschen – er war die gelebte Ambivalenz.
Für jedes innere Ja hatte er auch zwei Neins. Für jede seiner Sehnsüchte ein schlechtes Gewissen und für jede erregende Fantasie eine dazugehörige, vernichtende Scham.
Er war Kinkster, sehnte sich nach Klarheit und Führung, konnte aber nur mit Widerstand und Chaos antworten, im Innen wie im Außen.
Es fiel mir so unglaublich schwer, damit umzugehen; es hat mich regelrecht fertiggemacht.
Wir wollten es beide so sehr, geschafft haben wir es nicht.
Er lebt heute nicht mehr, und ich muss noch jedes Mal weinen, wenn ich an ihn denke.
Ich kann überhaupt nicht gut mit Ambivalenzen umgehen.
Ich brauche ein klares Ja. Ich will niemanden gegen seinen Willen zwingen. Ich will nicht verletzen.
Gib mir ein Ja, und ich werde allmächtig.
Gib mir ein Nein, und ich respektiere deine Grenzen.
Aber gibst du mir keine klare Botschaft, bin ich handlungsunfähig und reagiere schnell mit Rückzug. Auch zum Selbstschutz.
Mir selbst gegenüber bin ich nicht sonderlich zwiegespalten. Ich kenne mich gut, weiß, wer und wie ich bin. Ich kenne inzwischen viele meiner Stärken und die meisten meiner Schwächen. Sie alle gemeinsam machen mich aus.
Ich komme git mit mir klar. Ich hadere nicht nicht mit mir.
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