Vom Leben mit Brat

Gut, die meisten, die hier mitlesen, dürften es wohl wissen. Aber ich erkläre es dennoch kurz für alle anderen, damit wir nicht aneinander vorbeireden. Was ist ein oder eine Brat?


Das Wort steht im Englischen für „Göre“, also ungezogenes oder freches Kind. Und im BDSM-Kontext bedeutet es ganz einfach, dass jemand Freude und Spaß daran hat, aktiv unartig zu sein und sein dominantes Gegenüber mit Ungehorsam und (mehr oder minder) kleinen Frechheiten zu reizen.


Was man von diesem Verhalten als Brat hat, ist wiederum relativ individuell. Viele mögen es, die Femdom – ich rede hier jetzt vom Femdom/Malesub-Kontext – herauszufordern und so eine Konsequenz zu provozieren. Masochisten nutzen es gerne, um die Lust auf Strafe und Schmerz bedient zu bekommen.
Generell kann dieses „Spiel mit dem Feuer“ natürlich spannend und aufregend sein und viele Möglichkeiten für Aktion und Reaktion bieten. Auf der anderen Seite ist es aber auch eine Gratwanderung: Wo hört das Spiel auf, Spaß zu machen – und wo ärgert sich die Partnerin plötzlich wirklich über die Sticheleien oder nimmt sie diese gar persönlich?


Mein Eigentum findet sich selbst als Brat oft unwiderstehlich – und ziemlich witzig. Manchmal habe ich aber auch den Eindruck, er kann gerade gar nicht anders: Einerseits möchte er wirklich gerne brav sein, andererseits sticht ihn der Hafer, und er will eine Reaktion aus mir hervorkitzeln.

Bei mir selbst ist es recht tagesformabhängig, würde ich sagen, wie ich mit seiner Brattiness umgehe: Bin ich gut drauf und fühle mich stabil, kann ich darüber schmunzeln und gut kontern.

Tatsächlich nutze ich diesen Schwung dann auch *sehr* gerne für meinen Spielfluss und lasse mir passende Konter einfallen. Dann finde ich es nett, handfeste „Gründe“ für meine herrlichen Gemeinheiten serviert zu bekommen.

Also sei angemerkt: grundsätzlich mag ich diese Eigenschaft ganz gerne an ihm und möchte sie gar nicht dauerhaft missen.


An jenen Tagen jedoch, an denen mir sowieso alles etwas weniger leichtfällt, bin ich davon auch schnell mal genervt. Dann habe ich das Gefühl, dass mir das Leben extra schwer gemacht wird, wo ich doch gerade Unterstützung und Hilfestellung bräuchte.

In solchen Momenten habe ich auch keinerlei Lust, da auf der Kink-Ebene drauf einzugehen. Da muss ich mich bemühen, das zunächst selbst so wahrzunehmen und an meinen Partner zu kommunizieren, sodass er überhaupt eine Chance hat, auf mich und mein Bedürfnis nach Frieden und Harmonie einzugehen. Was er meist tut. Oder es zumindest ehrlich versucht.


Eine ganz andere Problematik stellt sich, wenn er bratty ist, ich meinen Spaß daran habe und eine drakonische Konsequenz ankündige, aber das „normale Leben“ es einfach unmöglich macht, dieser Ankündigung auch direkt Taten folgen zu lassen.
Erst letztens ist uns wieder so etwas passiert: Da wurde aus einem geplanten kinderfreien, heiß ersehnten und bitter nötigen „Tag der Abrechnung“ plötzlich ein ganz normaler, schnöder Dienstag mit zwei kranken Schulkindern nebenan.

So etwas kann schnell frustrierend werden – für beide Seiten. Und da wieder rauszukommen und das Ruder noch mal herumzureißen, ist gar nicht so einfach.

Kein dominanter Mensch mag dieses Gefühl der Machtlosigkeit. Und kaum ein Devoter will letztendlich mit seiner Aufsässigkeit ungeschoren davonkommen. Ein Dilemma!

Ich denke, die Mühe, die es macht, am späten Abend, wenn man endlich ungestört ist, doch noch einmal darauf zurückzukommen, was „Bravsein“ eigentlich bedeutet, ist es definitiv wert.

Vor allem, wenn man gar nicht erst diskutiert, sondern Taten sprechen lässt, die dem ehemaligen Brat die Fehlerhaftigkeit seines Handelns sehr direkt und womöglich schmerzhaft vor Augen führen!
Dann ist die Balance schnell wiederhergestellt und die Welt wieder in schönster, friedlicher Ordnung.
Zumindest für ein paar Stunden …

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