Und was ist mit Streit?

Wie geht man eigentlich damit um, wenn in einer FLR, oder einer ähnlichen Beziehungsform mit Machtgefälle, ernsthafte Differenzen auftreten? Und zwar solche, die sich nicht auf der Kink- oder Alltagsebene abspielen, sondern z.B. politische, moralische oder weltanschauliche Fragen betreffen? Wie sind solche Situationen, innerhalb des Beziehungskonstruktes, sinnvoll zu meistern?

Klar, jeder Mensch hat seine eigene Wahrnehmung, seine eigene Überzeugung, seinen eigenen moralischen Kompass. Und wenn sich zwei Menschen in einer Partnerschaft zusammentun, kommen sie um den Eiertanz der ewigen Kommunikation, Kompromissfindung, Nachsicht und gegenseitigen Toleranzgewährung wohl über kurz oder lang nicht herum. Es geht einfach nicht ohne. Auch nicht in der FLR. Zumindest nicht, wenn es Liebe sein soll.

Trotzdem bleibt die (spannende) Frage: was macht es mit unserer Machtdynamik, wenn wir einfach nicht einer Meinung sein können bei einem Thema, das uns essenziell erscheint? Ist es möglich – und zielführend – zu verlangen oder zu erwarten, dass sich der submissive Part auch da anzupassen hat? Oder ist vielleicht genau da die Grenze gesetzt, die es einzuhalten gilt, um den Anderen nicht seiner Persönlichkeit zu berauben?

Wir kommen derzeit ab und an an solch einen Punkt. Und beide machen wir uns also viele Gedanken darüber, wie wir mit so etwas letztendlich konstruktiv umgehen und wie wir es schaffen, die schwierige Balance zwischen gelebter Machtdynamik und Wertschätzung individueller Überzeugungen aufrecht zu erhalten.

Im Moment sehe ich es als meine Aufgabe an, hier klare Vorgaben dazu zu machen, welches Verhalten ich mir von ihm in Konfliktituationen wünsche. Und als seine sehe ich es, auch in diesem Bereich den selben Vertrauensvorsprung für meine Führungskompetenz aufzubringen, den er auch sonst für mich bereit hält.

Darauf, dass es für unsere individuelle Beziehung und unsere jeweilige Persönlichkeitsstruktur wohl am besten funktionieren dürfte, wenn wir den Machtanspuch inklusive dazugehörigem Kinklevel hier tatsächlich eher hoch-, als runterschrauben, konnten wir uns inzwischen auch einigen. Ein Lösungsansatz, der für mich spannend und neu ist. Bisher habe ich es streng vermieden, den Kink oder die Erotik irgendwie in Konflikte zu involvieren, zu schnell käme ich mir übergriffig vor.

Den Fokus in Diskussionen also aktiv bei Bedarf darauf zurückholen, wie und was wir hier gemeinsam leben wollen. Auch, wenn wir dafür mal über unseren Schatten springen müssen.

Ach, seien wir ehrlich: Ich hege den deutlichen Verdacht, dass es dem Eigentum gar nicht so unrecht wäre, würde ich ihn mir bei aufkommenden Streitgesprächen einfach packen, nackig übers Knie legen, verwamsen und ihn danach 300 Mal schreiben lassen: „Die Commandress hat sowieso immer und unter allen nur erdenklichen Umständen recht“ – und das wars dann mit dem Thema. Aber ganz so leicht werde ich es ihm (und mir) dann wohl auch wieder nicht machen können. Weil… Kommunikation und so.

Schade, schade.

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