Perlen des Onlinedatings

Als Femdom hat man ja, wenn man den Angaben tragisch dreinblickender Herren Glauben schenken will „alle Möglichkeiten offen“ und schöpft datingtechnisch „aus dem Vollen“. Alleine schon durch unseren exorbitanten Seltenheitswert!
Ja, ja, natürlich. Wer genießt es denn auch bitte nicht, von fremden Männern als erotischen Freak mit extra Fetischfaktor betrachtet zu werden? Es ist einfach nur herrlich. Nicht.
Wisst ihr, was für Anfragen dominante Frauen da bekommen, getarnt als Kontaktaufnahmen? Falls ihr selber eine solche seid: Ja, wisst ihr. Und falls ihr keine seid: könnt ihr euch nicht vorstellen!

Von einem selbsternannten „Milfverehrer“ bekam ich kürzlich wieder das bemerkenswerte Angebot, ihn „online dreckig und tabulos zu benutzen“ (wie auch immer das gehen soll, mir fehlt es da offenbar an Fantasie), gefolgt von der Verlockung, mir sogleich „aussagekräftige Bilder“ zukommen zu lassen. Äh… Nein danke, ich verzichte (dafür habe ich wiederum viel zu viel Fantasie).
Nicht selten schreiben mir Männer, wie schwer sie es hätten, online eine „Herrin“ zu finden und dass sie hoffen, nun endlich „auch endlich einmal Erfolg zu haben“.
Viele schicken mir direkt eine Liste mit, in welcher sie aufführen, was sie bereits an Erfahrungen so sammeln konnten und eine noch längere darüber, welche sie noch zu machen gedenken.
Ich drücke dann stets die Daumen, wünsche viel Erfolg und schließe meinen Browser – und meine Augen für ein Weilchen.
Ich weiß, Männer haben es beim Onlinedating oft nicht leicht. Und devote Männer eventuell sogar noch ein bisschen schwerer. Aber trotzdem: Ernsthaft?!
Ich bekomme Nachrichten in welchen ich gesiezt und als „verehrungswürdige Göttin“ tituliert werde, von einem Mann, der „zu allem bereit“ ist, mich aber aufs übelste beschimpft und blockiert, wenn ich nicht innerhalb von vierundzwanzig Stunden antworte.
Oder ein Anderer, der schrieb ebenso sabbernd wie grußlos: „Was würdest du tun, wenn du mich nackt und gefesselt auf einem Stuhl in deinem Keller vorfändest?“ Auf meine Antwort hin, dass ich ihn womöglich losbinden und besorgt die Polizei rufen würde, hüllte er sich vorerst in Schweigen, stellt mir aber seitdem zuverlässig mindestens einmal im Jahr die gleiche Frage – und etlichen weiteren Femdoms wahrscheinlich auch.
Einer wollte sich mir direkt und ungesehen überschreiben, er stünde auf konsequente Nackthaltung, absolute Keuschheit und strenge Erziehung. Grenzen habe er keine, außer „bleibende Schäden, Slowsex und Kotze“. Traurig, aber wahr.
Ach ja, sehr hübsche Anschreiben gibt es natürlich auch ab und an. Solche, die einen fast überzeugen könnten, wären sie nicht zu geschliffen, zu empathisch und eine Spur zu euphorisch. Jene entspringen meist aus ChatGPTs künstlerischen Untiefen und werden wie Spam nach dem Gieskannenprinzip verschickt.
Ich weiß das, weil ich mich mit anderen Femdoms austausche, wie es übrigens recht viele von uns tun. Meistens fällt dann recht schnell der Satz: „Ach ja, der! Hat er mir auch geschickt“.
Ich werde gefragt, ob ich ebenfalls auf dieses oder jenes stehe, ob ich folgendes schon einmal ausprobiert hätte, oder gerne würde. Ich werde betitelt und verflucht, angehimmelt und diffamiert. Und eines weiß ich mit absoluter Gewissheit: Es geht bei all dem niemals auch nur annähernd um meine Person. Ich bin nicht gemeint und ich tue gut daran, mich auch niemals gemeint zu fühlen.

Die Verfasser jener Nachrichten kennen mich nicht – und wollen mich sehr wahrscheinlich auch gar nicht kennenlernen. Sie suchen nach einer praktischen Erfüllungsgehilfin für ihre Pornofantasien und wären mit mir folglich ohnehin sehr bald sehr, sehr unglücklich, denn dazu tauge ich nun wirklich nicht.
Zum Glück.
Ganz, ganz selten flattert dann aber auch mal eine Perle in das Postfach. Die ist offen und ehrlich, persönlich und menschlich. Und es wird einem ganz warm ums kalte Domsenherz…